Herr Atalay, können Sie sich eigentlich noch ein Leben ohne die Serie "Alarm für Cobra 11" vorstellen?

Sagen wir es so: Es gibt schlimmere Daseinsmöglichkeiten, als 23 Jahre lang ein Actionheld zu sein. (lacht) Denn langweilig wird einem dabei nie. Am Set geht es immer sehr enthusiastisch zu. Ein Teil meines Daseins hängt aber auch von den Zuschauern ab. Wenn irgendwann einmal Schluss sein sollte, weil die Zuschauerzahlen nicht mehr ausreichend sind, dann erübrigt sich die Frage sowieso. Ich übergebe die Entscheidung, ob mich mir das Leben ohne "Alarm für Cobra 11" vorstellen kann, eher den Zuschauern.

Kann Sie nach mehr als 23 Jahren im Beruf überhaupt noch etwas überraschen oder ist beim Dreh alles Routine?

Da wir so viel mit Action zu tun haben, kann sich eine Routine gar nicht einschleichen. Natürlich gibt es Abläufe, die sich ähneln, aber es gibt doch auch häufig Dinge, die mich überraschen. Ich freue mich regelmäßig über das Drehbuch, was in der Struktur und grundsätzlich bei Dialogen und der Charakterisierung der Figuren so gut ist, dass es aus sich selber lebt. Ebenfalls bin ich fasziniert davon, wie viele Schauspieler ich noch nicht kenne. Mittlerweile müsste man denken, ich habe mit jedem schon einmal gespielt. Das stimmt aber nicht. Wir haben hier ein unerschöpfliches Potenzial an gut ausgebildeten Schauspielern, die bereitstehen.

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Was denken Sie, warum ist die Serie immer noch so beliebt?

Ich glaube, wir sind nicht stehengeblieben. Wir haben uns weiterentwickelt. Wir sind alle älter geworden und die Serie kann auch ein bisschen wie ein Fels in der Brandung wirken. Es gibt dann eben ein Element, das man noch von früher kennt, wo man denkt: "Ach, Mensch, das habe ich sogar geschaut!" Das kann ein beruhigendes Gefühl sein, dass man sich hinsetzt und sagt: "Komm her! Lass uns schöne 45 Minuten Entertainment erleben." Ich selber kenne keine Serie, die so unterschiedliche Folgen produziert wie wir. Der Zuschauer hat das glücklicherweise immer mitgemacht. Dass eine Serie über so viele Jahre nicht ohne Einbrüche funktioniert, das ist auch klar. Aber wir sind noch da.

Sie sind von Anfang an dabei. Gibt es denn im Team, egal ob vor oder hinter der Kamera, noch jemanden, der schon so lange an Bord ist?

Ich glaube, ich bin der Einzige, der so lange dabei ist. Meine Kollegin Carina Wiese ist ebenfalls schon lange dabei, aber auch nicht von Anfang an. Neulich habe ich mit Rainer Strecker gespielt, der damals der Partner von Johannes Brandrup war, der in den ersten Folgen einen Hauptkommissar spielte. Er hat natürlich eine komplett andere Figur gespielt, aber es hat mich sehr gefreut, das wir uns wieder gesehen haben.

Die Dreharbeiten sind wegen der vielen Stunts körperlich bestimmt anstrengend. Wie halten Sie sich denn fit? Spüren Sie da manchmal auch das Alter?

Es geht. Momentan stehe ich wieder vor meinem Boxsack, um ein bis zwei Runden zu trainieren, aber das mache ich, da ich ansonsten durchdrehe. Da ich meistens jeden Tag drehe, hüpfe und springe ich immer irgendwo rum, das reicht mir dann meistens auch. Abends muss ich mich wirklich aufraffen, noch zu boxen oder so, weil mir das meistens zu anstrengend ist, wenn ich davor zwölf Stunden unterwegs war. Ich habe ja auch noch Familie. Da ist es dann wirklich schwierig, alles unter einen Hut zu bringen.

In der Serie spielen Autos eine wichtige Rolle. Was für ein Modell fahren Sie privat?

Also, ich fahre einen Maserati Assetto Corsa 3200 GT. Den habe ich schon sehr lange, nämlich seit 1999. Dieses Modell ist schon ein etwas älteres. Der stand zur Verfügung, ich fand ihn total klasse und seitdem hab' ich ihn auch. Er ist halt eine italienische Dame, die auch mal dazu neigt, ein bisschen störrisch zu sein. Wenn ich dann in die Werkstatt fahre, denke ich mir manchmal: Warum fahre ich eigentlich keinen Golf? Aber ich mag den Bass meines Maserati, ich mag den Sound und ich fahre ihn wirklich gerne.

Zurück zu Semir Gerkhan, Ihrer Rolle in "Alarm für Cobra 11": Seine uneheliche Tochter Dana geht auch zur Polizei. Können Sie denn schon verraten, wie es in der neuen Staffel bei dem Vater-Tochter-Gespann läuft?

Natürlich gibt es Reibereien wie im echten Leben, weil Dana nicht genau das macht, was ihr Vater möchte. Das ist klar, sie ist auch ein eigener Mensch. Jeder Vater kennt das: Statt dass die Kinder einfach machen, was er sagt, passiert genau das Gegenteil. Es gibt ein paar sehr lustige Szenen mit Semir und seiner Tochter. Dana ist ihm gegenüber teilweise gnadenlos.

Ihre Tochter Pauletta hat in der Serie auch eine Rolle. Wie finden Sie das als Vater, wenn die Kinder in die Fußstapfen der Eltern treten?

Wenn sie das aus freien Stücken machen, dann ist das in Ordnung. Ich habe niemanden dazu gezwungen – und das finde ich extrem wichtig, weil dieser Beruf auch jede Menge Schattenseiten hat. Man ist zum Beispiel immer darauf angewiesen, dass man von irgendjemandem eingestellt und engagiert wird. Diese Schattenseiten hat jeder Schauspieler schon erlebt, davor würde man seine Kinder gerne schützen. Ich sage immer: Genieße das alles, so lange es da ist, aber hüte dich davor, es zu brauchen. Es gibt viele Leute, die eigentlich die Publicity darum viel mehr mögen als das Spielen selbst. Ich wollte damals einfach nur spielen. Das war meine Intention. Dass man dann hinterher einen großen Bekanntheitsgrad bekommt, das war mir gar nicht bewusst und war auch nicht geplant.

Ihr Name ist untrennbar mit der Serie verbunden. Sehen Sie das positiv oder negativ?

Ich habe nichts dagegen. Es war nie mein Ziel, bekannt zu werden. Das hat sich halt so ergeben. Aber diese Situation gibt es auf jeden Fall seit vielen Jahren. Wenn ein Gesicht so lange in einer Serie dabei ist wie meins, dann stellt man irgendwann automatisch eine Identifikationsfigur dar.

Sie haben auch eine eigene Modelinie, "Cobra Eleven". Wie kam es dazu?

Weil wir nie Sponsoring hatten, habe ich gedacht: Dann bin ich halt mein eigener Sponsor. Ich werde eine Jacke entwickeln, die ich brauche – mit Protection-Inlays und so weiter. Die habe ich entworfen, und dann hat der Friseur meiner Frau, der Designer ist, sie hergestellt. Dadurch ist das Label entstanden – es zu betreiben, macht mir sehr viel Spaß. Die Leute nehmen das auch gut an und unsere Hoodies, die sind wirklich klasse. Früher habe ich witzigerweise gar keine Hoodies getragen. Aber die sind doch sehr kuschelig und ich mag das. Manchmal ist es schön, wenn man seine eigenen Sachen trägt.

Ihr Kollege Daniel Roesner verlässt "Alarm für Cobra 11". Wie haben Sie auf seine Entscheidung reagiert?

Ich fand es ziemlich bedauerlich, aber völlig überrascht hat es mich nicht. Daniel ist ein Freigeist, er lebt eigentlich in Kalifornien – ich hätte gar nicht gedacht, dass er überhaupt so lange dabei bleibt. Er hat in der ganzen Zeit eine super Arbeit gemacht, war immer Feuer und Flamme und war sich für nichts zu Schade – aber ich dachte immer: Irgendwann kommt der Punkt, an dem es ihm vielleicht doch zu viel wird. Und er geht ja auch nicht im Zorn. Für ihn war es jetzt einfach genug, und das kann ich gut nachvollziehen. Es ist ja auch nicht das erste Mal, dass ein Kollege die Serie verlässt.