Herr Mockridge, in Ihrer neuen Show müssen Promis noch mal die Schulbank drücken. Wie waren Sie selber in der Schule?

Ich war ganz okay als Schüler und bin nie sitzengeblieben, ich schrammte aber mehrmals knapp daran vorbei. Im Nachhinein glaube ich, dass ich falsch unterrichtet worden bin. Ich habe ein katholisches Jungengymnasium besucht, das sehr naturwissenschaftlich ausgerichtet war, und musste viel auswendig lernen. Ich wäre aber lieber in musischen Dingen gefördert worden. Wenn man bei einem Kind Talente entdeckt, sollte man diese stärken und so für Erfolgserlebnisse sorgen. Die Schule sollte Spaß machen.

Und das war bei Ihnen nicht der Fall?

Ich bin in gewisser Hinsicht gerne zur Schule gegangen. Wenn man als Klasse eine Doppelstunde Mathe durchleiden muss, ist das ja auch ein schönes Gruppengefühl, diesen Zusammenhalt finde ich toll. Aber ich habe immer noch Albträume, dass ich eine Arbeit schreiben muss und schlecht vorbereitet bin. Insofern ist meine neue Show für mich auch eine Art, das auf eine positive Weise abzuschütteln.

Sie gehören zu einer neuen Generation junger Komiker und haben enormen Erfolg. Wie würden Sie jemandem, der mit Spaßmachern wie Otto und Dieter Hallervorden groß geworden ist, Ihre Art der Comedy erklären?

Heutzutage sind authentische Sachen gefragt. Wenn man sich den Erfolg von Carolin Kebekus, Joko und Klaas oder eben auch von mir anguckt – da erzählen echte Menschen echte Sachen und es sind nicht mehr so sehr Kunstfiguren und erfundene Storys im Vordergrund. Das hängt mit der Digitalisierung zusammen, der Selbstinszenierung bei YouTube und Facebook. Die Leute sind darauf aus, dass jemand authentisch und echt ist. Wenn ich in meinem Programm davon erzähle, wie es ist, heute als Mittzwanziger zu leben, dann ist das erst mal wahr und ich hole mein Publikum da ab, wo es gerade ist.

Und – wie ist es so, heute als Mittzwanziger zu leben?

Wir sind eine Generation, der alles vorgekaut wurde, wir sind im kompletten Wohlstand aufgewachsen, uns ging es immer gut. Jetzt kommen überall auf der Welt Probleme auf und wir müssen versuchen, damit umzugehen. Ich bin sehr katholisch erzogen worden und ich besinne mich dabei auf christliche Werte, ich versuche der beste Mensch zu sein, der ich sein kann. Aber meine Generation verliert sich leider in der Selbstinszenierung bei Facebook, wo es nur darum geht, dass alle sehen, was man für ein geiles Leben hat. Ich versuche, meiner Generation komödiantisch einen soziologischen Spiegel vorzuhalten.

Wie politisch darf Comedy für ein breites junges Publikum denn sein?

So was hängt immer von der Zeit ab, in der man sich befindet. Als ich klein war, waren die Zeiten eigentlich nicht sehr politisch, mir waren im Grunde nur Angela Merkel und Gerhard Schröder bekannt. Heute leben wir in hochpolitischen Zeiten, in denen rechtspopulistische Parteien auf dem Vormarsch sind. Deshalb ist es sehr wichtig, dass Satire sich darüber lustig macht und junge Leute wie ich ein politisches Bewusstsein entwickeln. Ich bin kein Fan davon, sich über die Frisur oder die Mundwinkel von Angela Merkel lustig zu machen. Ich finde es wichtiger zu sagen, warum Missstände entstehen und warum die Kluft von Arm und Reich so groß ist.

Wäre da nicht vielleicht eine Late-Night-Show ein geeignetes Fernsehformat für Sie?

Vielleicht irgendwann mal, aber aktuell nicht. Ich glaube ich bin noch zu jung, um den Leuten tagtäglich zu erklären, wie die Welt und das Leben funktionieren.

Sie werden als potentieller Nachfolger von Stefan Raab gehandelt…

Stefan Raab ist ein großes Vorbild für mich. Ich werde nicht versuchen, seine Karriere nachzubauen, und ich habe auch nicht das Ziel, in seine Fußstapfen zu treten. Aber ich bin von klein auf mit Stefan Raab groß geworden, so wie er mit Leuten wie Peter Frankenfeld groß geworden ist. Insofern hat er mich beeinflusst, aber ich gehe schon meinen eigenen Weg – das ist ein logischer künstlerischer Prozess.

Zur Person

Luke Mockridge kam 1989 in Bonn zur Welt, seine Eltern sind der Schauspieler Bill Mockridge („Lindenstraße“) und die Kabarettistin Margie Kinsky. Nach dem Abitur studierte er Medienwissenschaft in Kanada, England und Deutschland, parallel sammelte er erste Bühnenerfahrungen. Mit Auftritten in Sendungen wie „TV total“ und seiner ersten eigenen Show „Luke! Die Woche und ich“ wurde er dem Fernsehpublikum bekannt. Luke Mockridge lebt in Köln. In der Sendung „Luke! Die Schule und ich“ (ab 5.5. freitags um 20.15 Uhr auf Sat.1) treten Prominente wie Heiner Lauterbach, Stefan Effenberg, Uwe Ochsenknecht zum Wissensduell gegen Schüler verschiedener Jahrgangsstufen an. (ski)



Videos: Luke gibt Tanztipps fürs Anbaggern und begibt sich auf Expedition in den Großstadtdschungel:

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €