Elisa-Madeleine Glöckner, dpa und AFP

Zweieinhalb Jahre ist es her, dass das Schweizer Atomkraftwerk Mühleberg abgeschaltet wurde. Nun ist ein Viertel der dort einst eingesetzten Brennelemente im Zwischenlager nahe der deutschen Grenze angekommen.

Seit mehr als 50 Jahren fällt in der Schweiz Atommüll an

102 Brennelemente wurden in Castorbehältern im Zwischenlager Würenlingen umgelagert, das etwa 15 Kilometer südlich des deutschen Grenzorts Waldshut-Tiengen liegt. Die verbliebenen 316 Brennelemente sollen hier bis 2024 eintreffen. Wie der Energiekonzern BKW als Betreiber mitteilt, komme der Rückbau der Anlage planmäßig voran.

Nach dem Abtransport der Brennstäbe sollen alle Anlageteile und Gebäude, die mit Radioaktivität in Kontakt waren, gereinigt werden. Danach soll der konventionelle Rückbau beginnen und bis 2034 abgeschlossen sein.

In dem Felslabor Mont Terri bei Saint-Ursanne im Schweizer Juragebirge untersuchen Forscher mögliches Wirtsgestein für ein Atommüllendlager.
In dem Felslabor Mont Terri bei Saint-Ursanne im Schweizer Juragebirge untersuchen Forscher mögliches Wirtsgestein für ein Atommüllendlager. | Bild: Christiane Oelrich

Seit mehr als 50 Jahren fällt in der Schweiz Atommüll an. Über eine Endlagerung hat das Land noch nicht entschieden, allerdings will es seinen Atommüll tief in der Erde in Tongestein entsorgen. Drei Standorte sind in der Auswahl, die sich alle im Nordosten der Schweiz nahe Deutschland befinden. Die Kraftwerksbetreiber werden ihre Präferenz voraussichtlich im September bekannt geben. Bis 2029 will die Regierung dann eine Entscheidung treffen. Gegner könnten jedoch ein Referendum über das Endlager initiieren.

Der Umweltschutzorganisation Greenpeace etwa geht die Schweiz zu schnell vor. „Es gibt eine Unzahl von technischen Fragen, die nicht geklärt sind“, sagte Florian Kasser, Atomexperte von Greenpeace in der Schweiz. Offen sei beispielsweise, wie sichergestellt wird, dass das Lager nicht in Vergessenheit gerät, sodass sich auch künftige Generationen der Gefahr bewusst seien.

Schweiz deckt Drittel des Strombedarfs mit Atomenergie

Die Schweiz deckt aktuell etwa ein Drittel ihres Strombedarfs mit Atomenergie. Das Atomkraftwerk Mühleberg westlich von Bern war Ende 2019 nach 47 Jahren Betrieb als die erste der fünf hiesigen Atomanlagen stillgelegt worden. Das Land hatte nach dem verheerenden Unglück im japanischen Atomkraftwerk Fukushima im Jahr 2011 beschlossen, keine neuen Atomkraftwerke mehr zu bauen.

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Alte Anlagen dürfen unter hohen Sicherheitsauflagen aber am Netz bleiben. Vier Reaktorblöcke sind noch in Betrieb: Beznau I und II aus den Jahren 1969 und 1971 sowie Leibstadt (1984) nahe der deutschen Grenze südwestlich von Waldshut-Tiengen, außerdem Gösgen (1979), das weiter südwestlich gelegen ist.