„Zum Greifen nah“ sieht Marian Schreier einen „Neuanfang“ in Stuttgart – will heißen: einen Wahlsieg bei der OB-Wahl, die an diesem Sonntag mit einem zweiten Wahlgang entschieden wird. „Die Zahlen zeigen deutlich, dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem CDU-Kandidaten und mir gibt“, sagte Marian Schreier gestern in Stuttgart, „alle Stuttgarterinnen und Stuttgarter haben jetzt die Wahl zwischen Aufbruch und Rückschritt.“

Schreier setzt auf Unentschlossene

Zuvor hatte der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim eine neue Umfrage zur Stuttgarter OB-Wahl veröffentlicht. Demnach zeichnet sich zwar derzeit im Stimmungsbild ein Sieg des CDU-Kandidaten Frank Nopper ab, für den laut Befragung 40 bis 47 Prozent der Wähler votieren, die sich bereits entscheiden oder die ihre Stimme per Briefwahl bereits abgegeben haben. Nopper hatte bereits im ersten Wahlgang die meisten Stimmen bekommen.

Frank Nopper wird im Wahlkampf von Ehefrau Gudrun und den Söhnen Söhne Carl und Franz-Ferdinand unterstützt.
Frank Nopper wird im Wahlkampf von Ehefrau Gudrun und den Söhnen Söhne Carl und Franz-Ferdinand unterstützt. | Bild: Sebastian Gollnow

Der 30-jährige Tengener Bürgermeister Marian Schreier, der trotz SPD-Parteibuch als unabhängiger Kandidat antritt, kommt demnach auf einen Stimmenkorridor von 31 bis 38 Prozent. Damit liegt er deutlich vor dem Stadtrat Hannes Rockenbauch vom Fraktionsbündnis SÖS/Linke, der auf 17 bis 23 Prozent kommt.

Hannes Rockenbauch (links) mit seinen Stuttgarter SÖS/Linke-Ratskollegen Thomas Adler und Luigi Pantisano (rechts). Pantisano ist bei der OB-Wahl in Konstanz nur knapp gescheitert.
Hannes Rockenbauch (links) mit seinen Stuttgarter SÖS/Linke-Ratskollegen Thomas Adler und Luigi Pantisano (rechts). Pantisano ist bei der OB-Wahl in Konstanz nur knapp gescheitert. | Bild: Sebastian Gollnow

Allerdings gaben elf Prozent der Befragten an, noch unentschieden zu sein. Auf diese setzt Marian Schreier jetzt – und auf diejenigen, die einen CDU-Oberbürgermeister in Stuttgart verhindern wollen und einen linken Kandidaten wie Rockenbauch nicht wählen wollen. „Eine Stimme für den Drittplatzierten ist eine Stimme für den CDU-Kandidaten“, sagt Schreier. „Viele haben ihren Wahlzettel noch nicht abgegeben und sind noch nicht entschieden. Deshalb werde ich in den kommenden Tagen nochmals in der gesamten Stadt unterwegs sein und für unseren Aufbruch werben.“

Marian Schreier, hier bei einer Wahlveranstaltung, ist zuversichtlich.
Marian Schreier, hier bei einer Wahlveranstaltung, ist zuversichtlich. | Bild: Tom Weller

Schreier hat inzwischen – wie auch Nopper – eine Reihe von prominenten Unterstützern, die sich öffentlich für ihn aussprechen, darunter etwa auch Grünen-Urgestein Rezzo Schlauch. Dagegen haben die Kreisverbände von SPD und Grünen in Stuttgart beschlossen, keine Wahlempfehlung auszusprechen.

Die Umfrage indes ist nicht repräsentativ, Brettschneider verwies darauf, dass es sich um eine selbst initiierte und finanzierte Befragung seines Instituts handle, die eine Momentaufnahme und keine Prognose darstelle.

Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider.
Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider. | Bild: Marijan Murat

Bereits eine Woche vor der dem ersten Wahlgang hatte der Hohenheimer Wissenschaftler eine vergleichbare Umfrage veröffentlicht, die aber zum Ergebnis teils deutliche Abweichungen aufwies. So erzielte Nopper ein deutlich besseres Ergebnis als vorhergesagt, die mittlerweile ausgestiegene Grünen-Kandidatin Veronika Kienzle aber ein deutlich schlechteres.

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Nopper hatte im ersten Wahlgang 31,8 Prozent der Stimmen erzielt, Kienzle 17,2 Prozent, Schreier 15 Prozent und Rockenbauch 14 Prozent. Stuttgart wählt einen Nachfolger von Fritz Kuhn (Grüne), der nach einer Amtszeit nicht erneut antritt.