Die Vogelwelt am Bodensee ist vielfältig – auch im Winter. Einige Vogelarten fliegen sogar eigens an den See, um hier zu überwintern. Eine Auswahl dieser Arten.

Die Mönchsgrasmücke

Früher flog sie im Winter bis in den Mittelmeerraum. Nach Südfrankreich oder Spanien. Doch inzwischen überwintert die Mönchsgrasmücke am Bodensee. „Besonders häufig sieht man sie jetzt im Raum Konstanz und Radolfzell“, sagt Wolfgang Fiedler vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie. „Wir nehmen an, dass das schon die Vorboten vom Klimawandel sind. Und sie es einfach nicht mehr nötig haben, so weit wegzufliegen.“

Die Mönchsgrasmücke
Die Mönchsgrasmücke | Bild: Sebastian Willnow/dpa

Die Mönchsgrasmücke ist bekannt für ihren melodischen Gesang – und auch für ihre Färbung am Köpfchen. Während die Männchen eine schwarze Kappe tragen, haben Weibchen eine rotbraune. Ihre Kopfbedeckung erinnert an die der Mönche. Daher der Name.

Bleibt der Winter mild, fliegt der Zugvogel nicht so weit oder gar nicht weg.
Bleibt der Winter mild, fliegt der Zugvogel nicht so weit oder gar nicht weg. | Bild: Max-Planck-Institut/dpa

Und was den Klimawandel angeht, so hat sich der kleine Vogel „unheimlich flexibel gezeigt“, sagt Fiedler. Denn: „Sie kann ihr Zugverhalten in relativ kurzer Zeit ändern. Und sich den veränderten Bedingungen anpassen.“

Der Eisvogel und Königsfischer

Ein Eisvogel
Ein Eisvogel | Bild: Julian Stratenschulte/dpa

Je nach Lichteinfall wirkt sein Gefieder kobaltblau bis türkis, wodurch er in Nähe des Wassers perfekt getarnt ist. Denn: Der Eisvogel jagt ausschließlich an Gewässern. Und erbeutet mit seinem dolchartigen Schnabel so manchen Fisch. Im Englischen wird er deshalb nicht umsonst Kingfisher – zu Deutsch Königsfischer – genannt. Er frisst aber auch Insekten, kleine Frösche und Kaulquappen.

Ein Eisvogel fängt ein Fisch.
Ein Eisvogel fängt ein Fisch. | Bild: Pan Zhengguang

„Der Eisvogel kann so lange bleiben, wie die Gewässer nicht zugefroren sind“, sagt Fiedler. „Im Winter fallen sie zwar weniger auf, weil sie sich auf einen größeren Bereich verteilen. Weil sie sich nicht nur am See tummeln, sondern auch entlang der Wasserläufe im Hinterland, in der Regel sind sie aber noch da.“

Das Blässhuhn aus dem Osten

Er ist im Winter der inzwischen häufigste Wasservogel am Bodensee. Doch das war nicht immer so. „Die Blässhühner, die wir hier haben, fliegen größtenteils tausende von Kilometern weit und kommen aus dem Osten“, sagt Wolfgang Fiedler.

Ein Blässhuhn
Ein Blässhuhn | Bild: Tobias Hase/dpa

Warum sie so häufig geworden sind? Dafür nennt Fiedler zwei Gründe. Die Muscheln und den Klimawandel. Wegen der milderen Winter müssten die anderen, nordischen Vögel nicht mehr so weit fliegen und könnten etwa schon in der Ukraine überwintern. Sie tauchten am Bodensee dann gar nicht mehr auf. Und damit auch nicht mehr in der Statistik.

Das könnte Sie auch interessieren

Und dann die Muscheln. „Da ist die jetzt neu eingeschleppte Quagga Muschel zum Beispiel, die Vögeln, wie den Blässhühnern eine neue Nahrungsgrundlage, bietet.“

Der Sperber aus Russland und Finnland

Es gibt zwar auch Sperber, die am Bodensee brüten und überwintern. Doch die meisten dieser Greifvögel kommen aus Russland und Finnland im Winter zu uns. „Das wissen wir aus Ringfunden“, sagt Fiedler. Der Sperber ist eine Art „Mini-Habicht“, der sich bei der Jagd auf kleine Vögel spezialisiert hat und auch mal zu waghalsigen und rasanten Jagdmanövern ausholt.

Der Sperber
Der Sperber | Bild: Polizeipräsidium Rheinpfalz/dpa

„Im Winter greift er besonders gern um die Vogelhäuschen herum an, weil sich da die kleineren Vögel zusammenroten. Es kann also sein, dass im Garten plötzlich – wie ein Blitz – ein Sperber um die Ecke kommt.“

Baukräne und Bäume voller Dohlen

Eine Dohle auf einem Steg.
Eine Dohle auf einem Steg. | Bild: Stefan Sauer/dpa

Sie sind neugierig. Gesellig und sozial. Und doch zählt Stibitzen zu ihren Lebensbeschäftigungen. Die Rede ist von den Dohlen. Im Winter fallen sie besonders auf, „weil sie sich, wie im Raum Radolfzell zum Beispiel, oft mit den Krähen auf Baukränen oder großen Gebäuden sammeln. Und durch die schiere Masse schon ins Auge stechen“, sagt Fiedler.

Fliegende Dohlen am Himmel
Fliegende Dohlen am Himmel | Bild: Karl-Josef Hildenbrand

Viele der Dohlen sind Wintergäste aus Osteuropa. Bei der Futtersuche sind sie gern auf Äckern und Weideland unterwegs.