Wegen steigender Corona-Infektionszahlen und einer noch immer zu niedrigen Impfquote will die baden-württembergische Landesregierung das Impfangebot im Südwesten weiter ausbauen. Dies kündigten Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Sozialminister Manfred Lucha (beide Grüne) an. „ Das Infektionsgeschehen nimmt rasant zu. Die vierte Welle trifft vor allem die Nicht-Geimpften mit voller Wucht“, erklärte Kretschmann. Deshalb appelliere er noch einmal an alle Menschen, sich impfen zu lassen.

Impfstützpunkte in 44 Stadt- und Landkreisen

Grün-Schwarz plant, das Impfangebot mit zielgerichteten Angeboten vor Ort deutlich hochzufahren. Dazu sollen in allen 44 Stadt- und Landkreisen Impfstützpunkte eingerichtet und jedem Kreis mindestens ein mobiles Impfteam zur Verfügung gestellt werden. Die Gesamtzahl dieser Impfteams soll zudem fast verdoppelt werden – von aktuell 80 auf dann 155. Wichtig sei aber, dass an den Stützpunkten in jedem Kreis sieben Tage die Woche geimpft werde, erklärte ein Sprecher des Sozialministeriums.

Hunderte Menschen ließen sich beim Impftag in Singen immunisieren und mussten lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Der Großteil der Menschen wurde zum ersten oder dritten Mal geimpft.
Hunderte Menschen ließen sich beim Impftag in Singen immunisieren und mussten lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Der Großteil der Menschen wurde zum ersten oder dritten Mal geimpft. | Bild: Tesche, Sabine

Ob die Verantwortlichen – also vor allem die Kommunen – dann an einem Stützpunkt ein oder mehrere Teams einsetzten, könne vor Ort entschieden werden, so der Sprecher. Die Impfstützpunkte sollen demnach „in den nächsten Wochen“ in allen Kreisen eingerichtet werden. Alle Infos zur Impf-Kampagne des Landes gibt es auf www.dranbleiben-bw.de/.

23.000 Impfungen pro Tag im Land

An jedem Impfstützpunkt sollen pro Tag und Team 130 Impfungen vorgenommen werden – also Erstimpfungen ebenso wie Auffrischimpfungen. Somit wolle das Land pro Tag bis zu 23.000 Impfungen durchführen. Diese sollen zusätzlich zu den Impfungen in den Arztpraxen erfolgen. „Durch dieses Angebot schaffen wir eine flexible Versorgungsstruktur“, erläuterte Lucha. Laut seinem Sprecher bleibt es aber dabei, dass die früheren großen Impfzentren nicht wieder in Betrieb genommen werden sollen.

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In Baden-Württemberg waren zuletzt knapp 75 Prozent der Über-Zwölfjährigen, für die eine Empfehlung ausgesprochen worden ist, vollständig gegen das Coronavirus geimpft.

In den vergangenen Wochen sind laut Sozialministerium bereits über 350.000 Auffrischungsimpfungen vor allem in Pflegeeinrichtungen, bei Personen über 70 Jahre sowie bei weiteren vulnerablen Gruppen durchgeführt worden. Grundsätzlich steht im Südwesten allen Menschen eine Auffrischungsimpfung offen, sofern ihre Zweitimpfung mindestens sechs Monate zurückliegt. Ob die dritte Spritze verabreicht wird, entscheidet aber der Arzt.

Die Kommunen begrüßten die geplanten Stützpunkte. Baden-Württembergs Gemeindetagspräsident Steffen Jäger erklärte, die Kommunen könnten ergänzend zu den Impftstützpunkten auch dezentrale Impftage organisieren. Die kassenärztliche Vereinigung bewertete die Pläne ebenfalls als sinnvoll.