Lotto lebt. Mit dieser positiven Botschaft geht die Geschäftsführerin von Lotto Baden-Württemberg, Marion Caspers-Merk, ins neue Jahr. Ihre Gesellschaft machte 2015 fünf Prozent mehr Umsatz, die Spieleinsätze lagen bei 946 Millionen Euro. Und dies in einem „schwierigen Marktumfeld“. Denn die staatliche Lotterie konkurriert zunehmend mit wenig seriösen Anbietern, die keineswegs dem Prinzip „Spielen und Gutes tun“ anhängen, sondern nur Kasse machen wollen.

Die Schmuddel-Konkurrenz heißt „Lottoland“ oder „Lottohelden“. Mit unserem Lotto haben sie nichts zu tun. Dahinter stecken zumeist Aktiengesellschaften mit Sitz in Steueroasen wie Gibraltar oder Malta, die Wetten auf die deutschen Lottozahlen anbieten. Obwohl diese halb-legalen oder illegalen Unternehmen im Internet auf Deutsch potenzielle Spieler ansprechen, steht im Kleingedruckten, dass Spieler aus Deutschland nicht teilnehmen dürfen. „Im Gewinnfall kann dies

zu unangenehmen Überraschungen führen“, so die frühere SPD-Gesundheitsstaatssekretärin Caspers-Merk, die seit 2013 an der Spitze von Lotto BW steht. „Immer wenn die Domain „.com“ hinter dem Namen Lotto erscheint, ist Vorsicht geboten“, warnt sie. „Vielen Online-Tippern ist gar nicht bewusst, dass sie bei diesen Anbietern an schwarzen Lotterien und eben nicht am deutschen Original teilnehmen.“ Caspers-Merk fordert, illegale Finanzströme zu diesen schwarzen Schafen zu kappen. Auf der Lotto-Homepage ist eine „White List“ zu finden mit Anbietern, die eine Erlaubnis besitzen. Die Geschäftsführerin ist aber mindestens ebenso sauer auf die deutsche Politik, der es nicht gelingt, illegales Glücksspiel einzudämmen. „Das macht uns zu schaffen.“

Illegale Wetten boomen

So sank der Anteil der Sportwetten erheblich, weil der Bundesgesetzgeber es nicht schafft, 20 Lizenzen zu vergeben. Oddset hält sich mit plus 4,3 Prozent zwar gut, aber „Toto“ stürzte 2015 geradezu ab. Die schnellen illegalen Wett anbieter boomen. „Das entzieht dem Staat Geld“, hält Caspers-Merk dagegen. Für die Lottogesellschaft geht es darum, Terrain zurückzugewinnen. Das Spiel „6 aus 49“, gerade 60 Jahre alt geworden, hat viele treue Spieler. Es ist mit 55 Prozent und 523,5 Millionen Euro Einsatz die Brot-Wette der Lotto-Gesellschaft, aber die Jungen sind damit eher weniger zu begeistern. Lotto BW setzt deshalb auf neue Spiele und neue Plattformen. Seit einem Jahr kann über eine App auf dem Smartphone Lotto gespielt werden, 120 000 Spieler sind bereits registriert. Seit vier Jahren ist der Eurojackpot fest etabliert. Dessen Umsatz stieg um 33,3 Prozent an. Die Gesellschaft investiert auch in ihre 3300 Annahmestellen im Land. „Wir brauchen beides: Neue Technik und Betreuung“, so Caspers-Merk. Bald sollen neue Terminals mit Kamera eine schnellere Abwicklung garantieren.

Und die Suche nach neuen Glücksspiel-Ideen geht weiter: Seit 4. Januar gibt es das Zehn-Euro-Rubbellos. Bald will Lotto BW mit einem neuartigen, geo basierten Lotteriespiel auf den Markt kommen: Jeder Spieler nimmt mit seiner Adresse teil, es gewinnt aber die ganze Umgegend. Regionale Gruppendynamik ist dabei erwünscht.

Das Land der Tüftler und Denker zeigt sich gespalten. „Es gibt schon Mentalitäten“, berichtet Caspers-Merk. Das kleine Saarland sei ein Phänomen. Der statistische Spieleinsatz pro Kopf und Jahr liege mit mehr als 100 Euro deutlich höher als der in Baden-Württemberg mit 88 Euro. Aber auch innerhalb Baden-Württembergs gibt es Unterschiede: Großstädter sind spielfreudiger als die Menschen auf dem Land, die Stuttgarter machen erheblich häufiger ihr Kreuzchen auf den diversen Lotto-Scheinen als etwa die Hohenloher. Und: Badener sind spielfreudiger als die Württemberger. Caspers-Merk, selbst Badenerin, kann nur Vermutungen anstellen, warum dies so ist. „Da sitzt das Geld vielleicht etwas lockerer.“

Füllhorn Lotto

Lotto Baden-Württemberg schüttete 2015 463,5 Millionen Euro aus. 134 Gewinne von 100 000 Euro und mehr waren darunter. 44 Lottospieler erzielten einen „Sechser“, 18 Teilnehmer wurden Millionäre. Ein Ehepaar aus dem Raum Heilbronn gewann im Eurojackpot den bislang höchsten Einzelgewinn mit 32,6 Millionen Euro. Das Land Baden-Württemberg profitierte mit 372,9 Millionen Euro. So viel Geld führte die Gesellschaft an den Staat ab – 159 Millionen Euro aus Lotteriesteuer und 213,9 Millionen Euro an „Zweckerträgen“ für Sport, Kunst und Kultur, Denkmalpflege und Soziales. Lotto BW selbst sponsert den Kleinkunstpreis Baden-Württemberg mit rund 25 000 Euro. Das Sportjugendförderprogramm ist mit gut 100 000 Euro dotiert. Neu ist der Lotto-Museumspreis, um kleine Museen zu unterstützen. Die ersten 20 000 Euro gehen nach Ravensburg. (gar)