Seit dem 21. März sind alle Restaurants in Baden-Württemberg geschlossen. Für die Gaststättenbranche, in der die Gewinnmargen ohnehin niedrig sind, ist das ein herber Schlag. „Irgendwann laufen die Kosten weg. Wenn wir am 1. Mai nicht öffnen können, wird es sehr eng“, sagt zum Beispiel Tino Schumann, der gemeinsam mit seiner Frau das Hörnle-Restaurants und den Gasthof Adler in Konstanz betreibt. Die aktuelle Unsicherheit mache ihm am meisten zu schaffen: „Wir können mit unseren Einkäufen nicht planen, wir können mit unseren Mitarbeitern nicht planen und wir können auch für uns nicht planen.“

„Katastrophal und existenzbedrohend“

Ähnlich geht es Dino Gianotti, der ein Eiscafé in Villingen-Schwenningen betreibt. „Die Situation bedroht unsere Existenz“, sagt er. Lange halte er das nicht mehr durch. „Die Lage ist katastrophal“, sagt Niko Sokolis vom griechischen Restaurant „Metropol“ in Waldshut-Tiengen.

Nicole Werneth und Tino Schumann haben nach dem Hörnle nun auch den Adler in Allmannsdorf übernommen. „Ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt“, wie sie sagen.
Nicole Werneth und Tino Schumann haben nach dem Hörnle nun auch den Adler in Allmannsdorf übernommen. „Ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt“, wie sie sagen. | Bild: Scherrer, Aurelia

Vergleichbar schlecht geht es der Hotelbranche, zumal gerade jetzt zur Osterzeit die Urlaubssaison begonnen hätte. Der Hotelbetrieb im Konstanzer Hotel Ko’Ono ist bereits beendet, da nur noch Geschäftsreisende beherbergt werden dürfen und fast ausschließlich Urlaubs- und Wochenendreisende das Ko‘Ono nutzten. „Quasi über Nacht mussten wir von einer 90-prozentigen Auslastung auf Null zurückfahren“, sagt Inhaber Martin Hübner. Damit fallen nicht nur die Einnahmen der Übernachtungen weg, denn die meisten Hotelgäste essen im hauseigenen Restaurant. „Wir wissen aktuell nicht, wie es weitergeht“, sagt auch Barbara Wilts, Chefin des Hotels Kammerer in Sankt Georgen.

Gespenstische Stimmung in den Innenstädten

Der Einzelhandel ist ebenfalls durch die Zwangsschließung der Geschäfte bis ins Mark getroffen. „Die ganze Stadt steht fast still. Als hätte man alle Lichter ausgemacht. Das wirkt gespenstisch, zeigt aber auch, wie sehr die Singener Innenstadt von Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistern lebt“, beschreibt Hans Wöhrle, Vorsitzender des Singener Einzelhandelsverbandes die Lage in der Stadt. Die wenigsten Geschäfte können über Nacht einen Online-Handel aufbauen, und selbst wenn kann dieser nur einen kleinen Teil der Umsatzeinbußen ausgleichen.

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Fahrradwerkstätten dürfen zwar noch öffnen, doch auch sie verzeichnen große Umsatzeinbrüche. „Verkauf und Verleih finden ja nicht statt und damit sind die Einnahmen gering“, sagt Luciano Rossetti vom Konstanzer Fahrradlanden Rocco. Viel sei derzeit nicht los, berichtet Rossetti. Wie im Gastronomie- und Tourismussektor kommt der Zeitpunkt der Schließung ungünstig, denn gerade jetzt beginnt die Fahrradsaison. „Eine Punktlandung im schlechtesten Sinne. Als wenn das Virus einen Hass auf Fahrradläden hätte“, kommentiert Michael Schäuble, Inhaber eines Fachgeschäfts in Gurtweil.

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