Der Konstanzer Friseurmeister Stefan Wallenstein, 54 Jahre, gehört zu den vielen Selbstständigen in Deutschland, die durch die Zwangsschließung von einem auf den anderen Tag keine Einnahmen mehr haben. Wir haben den Inhaber des Friseursalons Stefan zu seinem Gefühlsleben und seinen wirtschaftlichen Sorgen befragt und begleiten ihn bei der Beantragung der Staatshilfen bis zur Wiedereröffnung seines Salons – wann immer dies auch sein wird.

2. April

Wie Wallenstein berichtet, haben einige Kunden ihm und den beiden Friseurinnen, mit denen er sich den Salon teilt, einen Kredit oder einen Vorschuss auf einen künftigen Haarschnitt angeboten. Doch die drei Friseure haben abgelehnt. „Das ist eine schöne Geste. Aber das Problem würde dadurch nur nach hinten geschoben“, so die Begründung von Wallenstein.

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1. April

„Ich merke jetzt wieder, wie gerne ich meinen Beruf ausübe. Mir fehlt es derzeit sehr, morgens zur Arbeit zu gehen“, sagt Stefan Wallenstein. „So richtig kann ich die Auszeit nicht genießen“, so Wallenstein weiter. Es sei etwas anderes, als Urlaub zu machen. Die unfreiwillige Auszeit nutzt er unter anderem, um mit einem Webdesigner seine Homepage auf Vordermann zu bringen.

Bild: Domjahn, Thomas

31. März

Stefan Wallenstein ist voll des Lobes über die Unterstützung, die er bei der Antragstellung für Staatshilfen bekommt. „Am Tag der Antragstellung der Soforthilfe Corona hat es sich dankenswerterweise gezeigt, dass Anlaufstellen, wie zum Beispiel Steuerberater, wie in einer Art Not-Hotline für uns Antragsteller in dieser für uns alle völlig ungewohnten Situation erreichbar waren, ohne Termin und ohne Rechnungsstellung, trotz deren Aus- oder gar Überlastung“, sagt Wallenstein. Das sei für die grundlegende Orientierung eine große Hilfe gewesen.

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30. März

Wann Stefan Wallenstein seinen Friseursalon wieder öffnen kann, steht noch in den Sternen. Er geht im schlimmsten Fall von einer dreimonatigen Schließung aus. „Am liebsten würde ich direkt morgen wieder öffnen“, sagt er.

Video: Domjahn, Thomas

27. März

Stefan Wallenstein hat die staatlichen Hilfen beantragt. Jetzt ist er zum Warten verdammt. „Es ist so, als wenn man mit dem Auto im Stau steht“, sagt der gebürtige Unterfranke.

Video: Domjahn, Thomas

26. März

Das Online-Formular zur Beantragung staatlicher Hilfen ist seit dem Vorabend online. Stefan Wallenstein hat es sich sofort heruntergeladen und will es noch heute einreichen. „Das Formular ist eigentlich gar nicht so kompliziert“, sagt er. Unklar ist ihm, welche Rechnungen er als erstes zahlen soll, wenn er die Hilfen erhält. Die Miete? Strom und Wasser? Oder den Geschäftskredit, den er für die Renovierung seines Friseurgeschäfts aufgenommen hat?

25. März

Stefan Wallenstein wartet auf die Möglichkeit, sich im Internet das Formular für die Beantragung der Hilfen runterladen zu können. Das soll nach Auskunft der Behörden am Abend möglich sein. Wann und wieviel Geld er bekommen wird, weiß er immer noch nicht. Auch die genaue Berechnungsmethode ist ihm noch nicht klar. „Mein Steuerberater hat mir jedenfalls gesagt, dass er mir nicht beim Ausfüllen des Formulars helfen darf“, so Wallenstein.

Video: Domjahn, Thomas

24. März

Stefan Wallenstein befindet sich im Home Office – obwohl das der falsche Begriff ist, wie er erklärt. „Wir Friseure verdienen unser Geld ja nicht durch Home Office und ich habe deshalb auch keines. E-Mail-Verkehr mit den Kunden läuft hauptsächlich im Salon während der Geschäftszeiten. Momentan bedeutet Homeoffice für mich, meinen Kunden gute Worte zu senden, ihnen zu sagen, sie sollen gesund bleiben, und ihnen zu bestätigen, dass der Salon geschlossen ist.“

Der Friseur Stefan Wallenstein sitzt bei sich zu Hause am Computer. „Momentan bedeutet Home Office für mich, meinen Kunden gute Worte zu senden, ihnen zu sagen, sie sollen gesund bleiben, und ihnen zu bestätigen, dass der Salon geschlossen ist“, sagt er.
Der Friseur Stefan Wallenstein sitzt bei sich zu Hause am Computer. „Momentan bedeutet Home Office für mich, meinen Kunden gute Worte zu senden, ihnen zu sagen, sie sollen gesund bleiben, und ihnen zu bestätigen, dass der Salon geschlossen ist“, sagt er. | Bild: Wallenstein

23. März

Die Regierung beschließt Hilfen für Kleinunternehmer. Diese sollen als Soforthilfe und nicht als Kredit ausgezahlt werden. Stefan Wallenstein, der Solo-Selbständiger ist und sich seinen Salon mit zwei anderen selbständigen Friseuren teilt, weiß noch nicht, wieviel Geld bei ihm ankommen wird.

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21. März

Alle Friseure in Baden-Württemberg müssen ihre Salons schließen. „Natürlich mache ich mir seitdem wirtschaftliche Sorgen. So etwas habe ich in 20 Jahren Selbständigkeit noch nicht erlebt“, sagt er. Grundsätzlich habe er habe Verständnis für die Maßnahmen. Jeder müsse seinen eigenen Egoismus zurückstellen, sagt er.

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17.-20. März

Obwohl Friseurgeschäfte noch geöffnet sind, geht kaum jemand hin. „An einem Tag hatten wir gerade mal zwei Kunden“, erinnert sich Wallenstein. Er befindet sich täglich im Austausch mit seinen Geschäftsnachbarn, dem Café Dom und dem indischen Restaurant Rambagh Palace. „Wir hatten gleichermaßen mit dem Kundenschwund und der Unsicherheit zu kämpfen“, sagt Wallenstein.

Video: Domjahn, Thomas

16. März

Die Regierung schließt Spielplätze, Sportstädten, Bars, Cafés und Geschäfte. Restaurants müssen um 18 Uhr schließen. Friseure sind noch von dem Verbot ausgenommen. „Zu diesem Zeitpunkt habe ich mir erstmals wirtschaftliche Sorgen um meinen Friseursalon gemacht“, sagt Wallenstein.

Der Friseur Stefan Wallenstein steht vor seinem Friseurgeschäft in Konstanz.
Der Friseur Stefan Wallenstein steht vor seinem Friseurgeschäft in Konstanz. | Bild: Domjahn, Thomas

Kurz vor Weihnachten

Stefan Wallenstein hört zum ersten Mal vom Coronavirus. „Ich habe damals durch Zufall in den Nachrichten vom Ausbruch der Krankheit in Wuhan erfahren. Das war alles für mich noch weit weg“, sagt er.

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