Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen erwartet für das Jahr 2019 deutlich weniger Umsatzwachtum als im Vorjahr. "Grundsätzlich wird 2019 ein schwieriges Jahr, wenn man das mit den letzten Jahren vergleicht, die doch immer sehr gut gelaufen sind," sagte ZF-Vorstandsvorsitzender Wolf-Henning Scheider auf dem Internationalen Automobilsalon in Genf vor Journalisten. Allerdings trifft die Entwicklung das Unternehmen nicht aus heiterem Himmel. "Wir bereiten uns darauf vor, in dem wir mit einer geringeren Umsatzerwartung in das neue Jahr hineingegangen sind", sagte Scheider, der ZF seit rund einem Jahr führt.

Eingetrübte Aussichten für Autobranche

Im Jahr 2017 lag der Jahresumsatz von Deutschlands drittgrößten Autozulieferer bei über 36,4 Milliarden Euro. Unterm Strich kam ein Gewinn nach Steuern von 1,12 Milliarden Euro heraus. Für 2018 liegen noch keine Zahlen vor. Doch wie von ZF zu hören ist, liefen die Geschäfte auch im zurückliegenden Jahr gut. Dass sich das 2019 voraussichtlich ändern wird, liegt an den eingetrübten Geschäftsaussichten der Automobilbranche. Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR-Zentrums für Automotive-Forschung an der Universität Duisburg-Essen, führt dazu gleich eine ganze Reihe von Gründen ins Feld: Er spricht von "Überkapazitäten" bei rückläufiger Nachfrage. "So ist zum Beispiel der chinesische Markt richtig eingebrochen in den letzten Monaten", so Dudenhöffer, Zudem bereite der Brexit der Branche große Sorgen. Da weiß keiner, wo es hingeht." Hinzu kommt: Der türkische Fahrzeugmarkt sei wegen der schlechten Wirtschaftslage am Bosporus weitgehend zusammengebrochen, ebenso die Nachfrage nach Fahrzeugen aus dem Iran, nachdem die USA die Wirtschaftssanktionen wieder in Kraft setzten.

US-Handelspolitik verunsichert

"US-Präsident Donald Trump hat viel dazu beigetragen, dass die Konjunktur so schlecht ist," meint Dudenhöffer. Das wirke sich vor allem auf die Hersteller BMW und Mercedes aus. Die unterhalten große Werke in den USA. Insbesondere die dort vom Band laufenden großen Geländewagen werden oft in China gekauft. Die chinesische Regierung hatte in Folge des Handelskonfliktes allerdings Strafzölle von 40 Prozent auf in den USA gefertigte Autos erhoben, selbst wenn die Mutterkonzerne ihren Sitz in Deutschland haben. Diese Zölle wurden zwar zu Jahresbeginn auf 15 Prozent abgesenkt, allerdings nur befristet für einen Zeitraum von drei Monaten. Wie es danach weitergeht, ist unklar.

Mehr Kurzarbeit für Autobranche erwartet

"Nach unserer Einschätzung hat BMW bereits seine Produktion in den USA in den vergangenen zwei Monaten deutlich heruntergefahren," so Dudenhöffer. Der Automobilexperte erwartet deshalb 2019 "mehr Gewinnwarnungen und Meldungen über Kurzarbeit als Erfolgsmeldungen." Dass davon auch ZF in Friedrichshafen betroffen sein wird, liegt auf der Hand. BMW in den USA bezieht von ZF beispielsweise 8-Gang-Automatgetriebe. Ein Rückgang der Autoexporte aus den USA nach China wirkt sich somit ungünstig auch auf die ZF-Geschäfte aus.

"Nicht mehr mit Vollgas"

"Wir bereiten uns auf dieses schwierige Jahr vor," betont ZF-Vorstandschef Scheider. Schließlich seien die Unwägsamkeiten in Zusammenhang mit dem Brexit und ganz generell mit möglicherweise neuen Zöllen "durchaus reell – wir gehen davon aus, dass sie unsere Geschäfte in diesem Jahr beeinflussen werden." ZF werde daher vorsichtiger in das Jahr hineingehen und "auf Sicht fahren". Manche Faktoren ließen sich derzeit noch nicht einordnen und überblicken, so Scheider. Seine Schlussfolgerung: "Wir stehen nicht mehr mit Vollgas auf dem Gaspedal."

Auf dem Genfer Autosalon wird der Elektrobus e-GO Lux präsentiert. ZF liefert hierfür den Antrieb – unter anderem eine komplexe Elektro-Achse.
Auf dem Genfer Autosalon wird der Elektrobus e-GO Lux präsentiert. ZF liefert hierfür den Antrieb – unter anderem eine komplexe Elektro-Achse. | Bild: Uli Deck/dpa

Umso wichtiger sei es, die Entwicklung von Zukunftstechnologien weiter voranzutreiben. Ein Beispiel: Der sogenannte e-Go People-Mover – ein elektrischer Kleinbus für 15 Fahrgäste, den ZF in einem Joint Venture mit dem Hersteller e-Go aus Aachen entwickelt hat. Das Fahrzeug soll nicht im Rahmen eines fixen Fahrplans unterwegs sein. Im Oktober geht es in Friedrichshafen in den Praxistest. Der Bus funktioniert wie eine Art Ruftaxi. "Dieses Fahrzeug kann mit dem Handy angefordert werden. Es sammelt mehrere Passagiere auf. Die haben alle eine ähnliche Strecke. Und sie werden ähnlich komfortabel transportiert wie mit dem eigenen Fahrzeug", so Scheider. Allerdings: Die Parkplatzsuche fällt weg – und die Belastung der Straßen geht zurück, ebenso die Schadstoffemissionen.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels lautete die Überschrift: "ZF rechnet für 2019 mit spürbar weniger Umsatz". Die entsprechende Aussage von Konzernchef Wolf-Henning Scheider, die der Überschrift zugrunde lag, hat ZF mittlerweile präzisiert und spricht von einem "langsameren Umsatzwachstum" im Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr.