Der heiße Sommer 2018 hat den Weinbauern am Bodensee in die Karten gespielt. Während viele 2018er Weißweine aus Sachsen, Rheinhessen oder anderen Weinbaugebieten eher schwer geraten sind, sind die Bodensee-Winzer mit ihren Ergebnissen zufrieden.

„Der Hitzesommer hat uns keine Probleme bereitet“, sagt Johannes Aufricht vom Weingut Aufricht in Meersburg und fügt hinzu: „Das haben wir dem See zu verdanken.“ Immerhin sei das südlichste Weinbaugebiet in Deutschland gleichzeitig das höchst gelegene und profitiere von den Bedingungen des voralpinen Seeklimas. „Durch die Höhe war es in unseren Weinbergen etwas kühler als in vielen anderen Regionen, weshalb der Zuckergehalt in den Trauben auch nicht so in die Höhe geschossen ist“, erklärt Aufricht.

Viel Sonne – hoher Alkoholgehalt

Glück für den Meersburger Winzer – in anderen Weinbaugebieten ist nämlich genau das passiert. Die Hitze hatte den Zuckergehalt in den Trauben ansteigen lassen und so für erhöhte Alkoholwerte und letztlich schwere Weine gesorgt, denen es an Spritzigkeit mangelt. Bei einer Verkostung der Spitzenweine des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) zeigten etliche Weiß- und Grauburgunder Alkoholwerte von 13,5 bis 14,5 Prozent.

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„Dieser Alkoholgehalt hängt mit dem besonderen Jahr 2018 zusammen“, sagt Jacques du Preez, Kellermeister des sächsischen VDP-Weinguts Schloss Proschwitz – Prinz zur Lippe. „In den Jahren davor hatten wir keine Probleme mit einem zu hohen Oechsle-Grad“, erklärt er mit Blick auf das Maß für den Zuckergehalt im Traubenmost. „Inzwischen müssen wir darauf achten, dass er nicht durch die Decke schießt.“ Ein Most mit 90 Grad Oechsle hat einen Zuckergehalt von 209 Gramm je Liter. Diese Menge Zucker wird von der Hefe im Fass zu Wein mit einem Gehalt von 12,4 Prozent Alkohol umgewandelt.

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Frühe Lese für leichte Weine

Weil gerade die leichteren Weißweine besonders gut ankommen, sind die Winzer bemüht, die Trauben früh zu lesen, um den Oechsle-Grad unter Kontrolle zu halten. Auch das unterscheidet Bodensee-Winzer Johannes Aufricht von vielen seiner Kollegen. „Während die Lese in anderen Regionen schon in vollem Gange ist, geht es bei uns erst in zwei Wochen los“, sagt er und hofft auf einen weiteren guten Jahrgang.