Der Aufsichtsratsvorsitzende des Münchner Automobilzulieferers Knorr-Bremse und langjährige Vorstandschef von ZF Friedrichshafen, Hans-Georg Härter, steht kurz vor dem Rückzug aus allen Ämtern. Der Arzt habe ihm die gelb-rote Karte gezeigt, sagte Härter dem SÜDKURIER. Eine "umfassende kardiologische Untersuchung" habe Ergebnisse gezeigt, die "nicht allzu günstig" ausgefallen seien, sagte Härter. Eine andere Quelle sagte unserer Zeitung: "Es geht ihm nicht gut." Kurz zuvor hatte Knorr-Bremse Härters Rückzug vom Posten des Chef-Kontrolleurs bei dem Münchener Konzern zum 1. September dieses Jahres angekündigt. Der 1945 an der Hessischen Bergstasse geborene Härter bekleidete das Amt seit 2016.

Sein Nachfolger bei Knorr wird der ehemalige Vorsitzende des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, der gebürtige Pforzheimer Klaus Mangold.

Gelb-rote Karte vom Arzt

Härter, der ZF von 2007 bis 2012 führte, sagte unserer Zeitung, sein Komplett-Rückzug aus allen Ämtern stehe kurz bevor und werde sicherlich "im Laufe dieses Jahres stattfinden". Der 73-Jährige ist unter anderem auch in den Kontrollgremien des Zulieferers Faurecia, des Schweizer Fräßmaschinenbauers Klingelnberg und im Stiftungsrat der Friedrichshafener Zeppelin Universität vertreten.

Mit den Wirren um einen möglichen Börsengang des Bremsenspezialisten Knorr habe sein Rückzug nichts zu tun, sagte Härter. Er gehe "friedlich und in vollem Einvernehmen". Der Knorr-Eigner, Heinz Hermann Thiele, sagte, er wünsche Härter "eine baldige Genesung".

Medienberichten zufolge soll Knorr-Bremse an die Börse gebracht werden. Weil es aber offenbar auch Großinvestoren gibt, die sich für das Unternehmen mit einem Umsatz von zuletzt rund sechs Milliarden Euro interessieren, soll Firmenpatriarch Thiele zuletzt in direkte Verhandlungen mit Interessenten eingestiegen sein, etwa mit Conti-Chef Elmar Degenhart. Auch ZF, das 2017 einen Umsatz von gut 36 Milliarden Euro einfuhr, wird immer wieder Interesse an Knorr-Bremse nachgesagt. Bestätigt wurde dies nie.

"Irgendwie fühle ich mich auch befreit"

Knorr und ZF verbindet eine wechselvolle Geschichte. Im Verlauf des Jahres 2016 war es zwischen den beiden Unternehmen zu einem Bieterwettstreit um den schwedischen Bremsenbauer Haldex gekommen, aus dem Knorr zunächst als Sieger hervorging. Vergangenes Jahr platzte der Deal am Widerstand der Schweden und wegen kartellrechtlicher Bedenken allerdings auf der Zielgeraden. Im Laufe der Verhandlungen legte auch Hans-Georg Härter sein Aufsichtsratsmandat bei ZF wegen möglicher Interessenkonflikte mit Knorr-Bremse nieder.

Der gebürtige Bensheimer Härter gilt als Ziehvater des 2017 gechasssten ZF-Chefs Stefan Sommer. Der Auto-Fan und Porsche-Sammler Sommer fängt nun ab Anfang 2019 bei Volkswagen als Einkaufsvorstand an.

Zu seinem anstehenden Komplett-Rückzug sagte Härter unserer Zeitung: es falls ihm nicht leicht. "Aber irgendwie fühle ich mich auch befreit."