Juristische Auseinandersetzungen gehören für den Schwarzwälder Kleinwaffenhersteller Heckler & Koch (HK) fast schon zum Alltagsgeschäft. Die aktuell vor dem Landgericht Rottweil ausgetragene Auseinandersetzung hat dennoch Seltenheitswert. "Es geht um nichts Geringeres als die Frage, wem Deutschlands umstrittenste Waffenschmiede eigentlich gehört", sagt Stephan Möhrle, Vorstand des Freiburger Rüstungsinformations-Büro (Rib) und gleichzeitig kritischer Aktionär bei Heckler & Koch unserer Zeitung. Dem langjährigen Mehrheitseigner Andreas Heeschen, einem Deutschen, oder einen französischen Investor.

Um Geld geht es natürlich auch, um 500 000 Euro, um genau zu sein. Diesen Betrag nämlich hatte sich nach einem Bericht des Magazins "Bilanz" der ehemalige HK-Geschäftsführer Nicola Marinelli bei seinem Amtsantritt im Jahr 2015 vertraglich zusichern lassen, falls ein neuer Hauptanteilseigner ihn vor die Türe setzt. Klar ist: Seinen Vertrag ist der ehemalige Rheinmetall-Manager Marinelli mittlerweile los. Die Frage aber, wer ihn eigentlich gefeuert hat, muss nun die Rottweiler Kammer klären. Marinelli behauptet nämlich, Alt-Eigner Heeschen sei es nicht gewesen. Vielmehr habe der Firmen-Patriarch einen Teil seines Aktienpakets an den Franzosen Nicolas Walewski weitergereicht. Unter der Ägide des Neu-Investors sei ihm später gekündigt worden. Daher pocht Marinelli vor Gericht auf Vertragserfüllung – und auf die halbe Million Euro. "Walewski kontrolliert die Mehrheit der Aktien. Er greift aktiv in die Geschäfte von Heckler & Hoch ein", sagte Marinelli gegenüber "Bilanz". Heckler & Koch selbst ließ eine Anfrage unserer Zeitung unbeantwortet.

Heeschens Anwalt wiederum dementiert, dass sein Mandant Aktien oder Stimmrechte veräußert hat. Dafür spricht, dass entsprechende aktienrechtliche Mitteilungen auf der Webseite des Oberndorfer Unternehmens fehlen. Allerdings gibt es nach Ansicht von Experten Wege, diese sogenannte Ad-Hoc-Meldepflicht zu umgehen.

Ein Sprecher des Landgerichts Rottweil bestätigte dem SÜDKURIER am Freitag jedenfalls, dass es bei der anhängigen Klage um "die Zahlung von zusätzlichen Geldern an Herrn M." gehe. Die Beweisaufnahme habe schon stattgefunden. Auch der Kläger sei zugegen gewesen. Eine Fortsetzung der Verhandlung ist nach Informationen unserer Zeitung allerdings daran gescheitert, dass ein wichtiger Zeuge der Vorgänge nicht habe vorgeladen werden können. Wann der Prozess fortgesetzt wird, ist daher offen.

Der Fortgang ist auch deshalb brisant, weil für Besitzer- oder Kontrollwechsel bei Firmen – sogenannte Change-of-Control-Situationen – in strategischen Branchen wie der Rüstungsindustrie besondere Regeln gelten. Einem Verkauf ans Ausland muss beispielsweise die Bundesregierung zustimmen. Diese aber schweigt zu dem Thema.

Die Rüstungsschmiede, die neben der Schnellfeuerwaffe G 36 auch Polizeipistolen wie die P 30 im Programm hat und sich selbst schon mal als "Waffen-Porsche" bezeichnet, war schon einmal in ausländischen Händen. 1991 wurde das kriselnde Unternehmen, das heute gut 200 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet, an eine Tochter der britischen Rüstungsriesen BAE Systems verkauft. 2002 dann stieg Heeschen ein und ist bis heute am Ruder – möglicherweise.