Der Tarifabschluss bei der Deutschen Bahn hat frohe Botschaften für eine ganze Reihe der Betroffenen parat. Zunächst können die Bahnkunden aufatmen. Bis Februar 2021 brauchen sie keine Zugausfälle zu fürchten, weil irgendwo Stellwerke lahm gelegt werden oder Loks in den Schuppen stehen bleiben. Die 36 000 Bahnler und ihre Gewerkschaft GdL wiederum haben ein Lohnplus erstritten, das sich auch im Vergleich zu gut dotierten Branchen wie der Chemie- oder Metallindustrie sehen lassen kann. Das Ergebnis ist auch Ausfluss der von Anfang an guten Verhandlungsposition, die die Arbeitnehmerseite hatte. Immerhin fehlt der Bahn massiv Personal. Die Stammbelegschaft in dieser Lage zu vergrätzen, schien wohl auch dem Konzern die falsche Verhandlungstaktik.

Um künftig Erfolg zu haben, bedarf es aber mehr als eines geräuschlosen Tarifabschlusses. Die Bahn braucht zuverlässigere Züge und vor allem im Güterverkehr endlich ein schlüssiges Konzept, um dem überbordenden Lkw-Verkehr Marktanteile abzunehmen. Erst dann wären Bahn und Beschäftigte über den Berg.