Seit die Strompreise auf breiter Front steigen, suchen viele Energiekunden nach Alternativen zum teuren Stromversorger. Eigene Solaranlagen auf dem Dach, verbunden mit Stromspeichern im Keller, versprechen Unabhängigkeit. Aber lohnen sich die Systeme schon? Eine Übersicht:

Kann man als Hausbesitzer seinen Strom überhaupt vollständig selbst erzeugen?

Theoretisch ist das möglich, wirtschaftlich ist es allerdings nicht. Die dafür nötigen Komponenten, also etwa eine Fotovoltaikanlage, ein Stromspeicher, Wärmepumpen oder auch Gasmotoren, die Strom und Wärme erzeugen, sind zusammengenommen so teuer, dass sich die Investition momentan nicht lohnt. Allerdings ist es durchaus möglich, mit einigen der genannten Technologien den Einkauf von großen Mengen Energie vom Stromversorger zu vermeiden und dabei noch zu sparen.

Die Strompreise steigen seit Jahresbeginn an – damit wird die Eigenstromerzeugung rentabler.
Die Strompreise steigen seit Jahresbeginn an – damit wird die Eigenstromerzeugung rentabler. | Bild: dpa

Gibt es einen Königsweg zur Energieautarkie?

Für Hausbesitzer sind Solaranlagen der einfachste Weg, sich vom Stromversorger unabhängiger zu machen. Aktuell gibt es auf deutschen Dächern rund 1,7 Millionen Fotovoltaikanlagen, der Großteil davon steht auf Privathäusern. Wurden die Anlagen früher angeschafft, um von den üppigen Einspeisevergütungen von bis zu 50 Cent pro Kilowattstunde zu profitieren, ist die Idee heute eine andere. Weil die staatlich garantierten Einspeisevergütungen auf Solarstrom seit 2012 radikal auf aktuell elf Cent gesunken sind, lohnt es sich nicht mehr, die selbst erzeugte Solarenergie erst ins allgemeine Netz einzuspeisen und danach Strom zum normalen Preis – knapp 30 Cent pro Kilowattstunde – wieder zurückzukaufen. Vielmehr gilt es, so viel wie möglich selbst erzeugten Strom auch selbst zu verwenden.

Wie geht das?

Generell gilt: Je höher der Anteil des selbst erzeugten Stroms am gesamten Stromverbrauch im Haus ist, desto mehr lohnt es sich. Solarspeicher sind dabei der Königsweg, den Eigenverbrauch nach oben zu treiben. Durch sie lässt sich genügend Energie speichern, um das Haus oder die Wohnung zu versorgen. Nach Daten des Speichermonitorings der RWTH Aachen schaffen es die meisten Systeme, 50 Prozent des benötigten Stroms im Haus selbst bereitzustellen – Halb-Autarkie sozusagen. Deutlich mehr ist aber auch drin.

Solarbatterien, die die Energie einer PV-Anlage wegspeichern können, sind nur so groß wie eine Waschmaschine.
Solarbatterien, die die Energie einer PV-Anlage wegspeichern können, sind nur so groß wie eine Waschmaschine. | Bild: Senec

Wie viele Solarspeicher gibt es in Deutschland schon?

Solarspeicher werden immer beliebter. Franz Pöter, Geschäftsführer des Solar-Clusters Baden-Württemberg, spricht von einem „Run“ auf die kühlschrankgroßen Anlagen. Ende 2018 waren deutschlandweit rund 125 000 Solar- oder PV-Speicher in Betrieb – ein Zuwachs von 40 000 Anlagen innerhalb eines Jahres. Auch die Fachleute der RWTH-Aachen sehen ein „rasantes Wachstum des Speichermarkts“. Die allermeisten Anlagen stehen übrigens in Baden-Württemberg und Bayern, weil im sonnenreichen Süden auch der Großteil der Fotovoltaikanlagen installiert ist.

Woran liegt der Speicher-Boom?

Die Preise für die Geräte sind stark gefallen. Seit 2013 hätten sich die Endkundenpreise für die Akku-Pakete – die allermeisten davon sind auf Lithium-Ionen-Basis – mehr als halbiert, sagt David Haberschusz von der RWTH. Solar-Fachmann Pöter geht davon aus, dass die Preise weiter sinken werden. Nicht ganz so optimistisch sind die Experten der RWTH Aachen. Weil auch im Automobilbereich die Nachfrage nach Akkumodulen stark steigt, halten sie es für möglich, dass der Preisverfall enden könnte – schlicht weil nicht mehr genügend Module für alle da sind.

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Lohnt sich die Anschaffung eines Speichers derzeit?

Nach Angaben des Solar-Clusters ist der Zeitpunkt nicht fern, an dem sich die Speicher wirtschaftlich betreiben lassen. Aktuell ist das nur unter bestimmten Bedingungen der Fall. Eine davon ist, dass die Akku-Geräte 20 Jahre betrieben werden. Das Problem: Die Hersteller garantieren nur zehn Jahre. Klar ist, dass sich die Speicher umso schneller rentieren, je höher der allgemeine Strompreis steigt –schlicht weil ein Solarspeicher dazu führt, den Stromeinkauf zu vermeiden. Vielen Hausbesitzern ist die Wirtschaftlichkeit aber gar nicht so wichtig. „Sie setzen eher auf Energieautarkie und den eigenen Beitrag zur Energiewende“, sagt Haberschusz.

Zwei Mitarbeiter einer Firma für Solartechnik installieren in Frittlingen (Zollernalbkreis) Solarmodule. 1,7 Millionen Systeme liefern in Deutschland bereits Energie.
Zwei Mitarbeiter einer Firma für Solartechnik installieren in Frittlingen (Zollernalbkreis) Solarmodule. 1,7 Millionen Systeme liefern in Deutschland bereits Energie. | Bild: dpa

Gibt es eine staatliche Förderung?

In Baden-Württemberg fördert die L-Bank noch bis Ende des Jahres 2019 die Investitionen für die Speicher mit einem Zuschuss von bis zu 30 Prozent. Allerdings werden nicht alle Anlagentypen gefördert. Vorausschauende Beratung ist hier, genauso wie bei der Wahl der Anlagengröße, sehr wichtig.

Was kostet ein Speicher überhaupt?

Im Durchschnitt kostet ein Solarspeicher, der mit einer Kapazität von acht Kilowattstunden den Bedürfnissen eines Einfamilienhauses entspricht, rund 10 000 Euro. Die RWTH sieht hier auch die „emotionale Grenze“ dessen, was die Häuslebauer ausgeben wollen. Dazu kommen allerdings noch die Kosten für die PV-Anlage auf dem Dach. Auch dafür können noch einmal 10 000 Euro veranschlagt werden.