Mit großen Hoffungen, aber auch realistischen Einschätzungen sind die vier WM-Debütantinnen Chile, Jamaika, Schottland und Südafrika nach Frankreich gereist. Sieben Spiele haben sie zusammen bisher absolviert – und sieben Niederlage mit insgesamt 18 Gegentoren kassiert. Dennoch sind die Mannschaften und ihre Fans eine Bereicherung für den Frauenfußball und das Turnier.

  • Chile: Die Südamerikanerinnen enttäuschen bei ihrer WM-Premiere nicht. In der Vorbereitung war das Team von Trainer Jose Letelier der letzte Testgegner der deutschen Elf und schlug sich beim 0:2 in Regensburg achtbar. In Frankreich haben es die Chileninnen in der Gruppe F mit zwei übermächtigen Gegnern, Rekordtitelträger USA und Schweden, sowie Thailand zu tun. Zum Auftakt gegen die erfahrenen Skandinavierinnen wehrte sich Chile lange tapfer, verlor erst in der Schlussphase. Die 40-minütige Unterbrechung nutzen die Fans in Rennes, um mit ihren in den Smartphones integrierten Taschenlampen und Tänzen zu Musik eine wundervolle Atmosphäre zu schaffen. Chiles Fußballerinnen tat der Regenguss und der aufgeweichte Rasen nicht so gut. Durch späte Tore von Kosovare Asllani (83.) und Madelen Janogy (90.+4) verloren sie unglücklich. Im letzten Gruppenspiel gegen Underdog Thailand könnte der historische erste WM-Sieg gelingen.
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  • Jamaika: Das Land war stolz, als sich die „Reggae Girlz“ als erste karibische Frauen-Mannschaft für eine WM qualifizierten. Seit fünf Jahren wird das Team von Trainer Hue Menzies von Bob Marleys ältester Tochter Cedella gefördert, sponsort und gepusht. Die Frauenrechtlerin kämpft gegen Widerstände, Sexismus und Vorbehalte gegenüber dem Frauenfußball in ihrer Heimat. Es war klar, dass der in der FIFA-Weltrangliste am niedrigsten platzierte WM-Teilnehmer (Rang 53) Lehrgeld zahlen würde. Insofern fielen die Niederlagen gegen Brasilien (0:3) und Italien (0:5) noch erträglich aus. Die Fans und Sympathisanten feiern ohnehin. Für Stürmerin Khadija Shaw, die in der Qualifikation 19 Tore schoss und in den USA studiert, haben sich die Mühen besonders gelohnt. Die 22-Jährige unterschrieb im WM-Teamhotel kürzlich beim französischen Erstligisten Girondins Bordeaux.
  • Schottland: Die Schottinnen sind noch ein gutes Stück näher an der Weltspitze. Shelley Kerr, die als erste Trainerin in Großbritannien eine Männermannschaft betreute, war einst Spielführerin des schottischen Frauenteams und hat eine tolle Einheit geformt. Kein Wunder, dass sie sich mit ihrer Elf schon über zwei WM-Tore freuen konnte. Beim 1:2 gegen England bereitete Schottland dem Favoriten große Probleme, und die 25 Jahre alte Claire Emslie schrieb mit dem ersten WM-Tor für Schottland Geschichte. Auch Japan musste zittern, ehe das knappe 2:1 gegen die Schottinnen feststand. Mit einem Sieg gegen Argentinien können die Schottinnen als einer der besten vier Gruppendritten sogar noch den Sprung ins Achtelfinale schaffen.
  • Südafrika: Auch die Südafrikanerinnen sorgen bei der WM für Furore. Zum Auftakt in der deutschen Gruppe B ging das Team von Desiree Ellis durch die nur 1,55 Meter große Thembi Kgatlana gegen Spanien sogar 1:0 in Führung und schnupperte an der Sensation, ehe „La Roja“ durch drei Treffer im zweiten Durchgang noch 3:1 gewann. Dennoch: Auch beim knappen 0:1 gegen die einstige Frauenfußball-Weltmacht trat „Banyana Banyana“ herzerfrischend und mit nimmermüdem Einsatz auf. Die DFB-Auswahl ist vor dem letzten Gruppenspiel am Montag (18.00 Uhr) in Montpellier gewarnt. „Sie sind gut im Umschaltspiel und eklig in den Zweikämpfen“, sagte Torhüterin Almuth Schult. (dpa)