Klar in der Stimme, sachlich in der Analyse – so kennen Millionen Fernsehzuschauer den ARD-Korrespondenten Volker Schwenck. Der Journalist vom Bodensee, der in Tuttlingen geboren wurde, in Konstanz studierte und viele Jahre in Überlingen wohnte, erklärte in den vergangenen Jahren den Arabischen Frühling von den Brennpunkten Nordafrikas aus, er berichtete über den syrischen Bürgerkrieg, aus den Kurdengebieten und dem vom Bürgerkrieg geschundenen Sudan.

Die Tagesthemen schalten inzwischen regelmäßig nach Kairo um, wo Schwenck das ARD-Studio leitet. Auf seinem Weg zur türkisch-syrischen Grenze, wo Abertausende Menschen auf ihrer Flucht gestrandet sind, verweigerte die türkische Regierung dem 48-Jährigen jetzt die Einreise und setzte ihn knapp zwölf Stunden auf dem Flughafen Istanbul fest. Aus Sicherheitsgründen, lautet inzwischen die offizielle Lesart. Der stellvertretende Ministerpräsident Numan Kurtulmus fügte vor Journalisten in Ankara hinzu, Schwenck habe keine Presseakkreditierung für die Türkei besessen.

Die Einreiseverweigerung sollen nun Anwälte prüfen, wie der betroffene Journalist, inzwischen wieder in Kairo, mitteilte. Er werde sein Vorhaben aber nicht aufgeben. Schwenck gilt als hartnäckiger Rechercheur, damit machte er sich schon am Bodensee einen Namen. Beim Flugzeugunglück von Überlingen im Juli 2002 berichtete er über die Hinterbliebenen der 71 Todesopfer und über das, was bei der Schweizer Fluggesellschaft damals schief gelaufen war. Zuvor hatte er als freier Rundfunk-Reporter für den damaligen Südwestfunk aus Konstanz gearbeitet. Das Regionale war sein Markenzeichen.

2003 zog es Schwenck mit seiner Familie zunächst nach Stuttgart in die landespolitische Redaktion, anschließend zu ARD aktuell. „Bis 2007, dann ging es nach Genf“, berichtet Schwenck gegenüber dem SÜDKURIER. Eigentlich hatten es ihm die Sprachen angetan. Neben Philosophie hatte er an der Uni Konstanz Germanistik und Französisch studiert, doch nach dem Volontariat bei Radio 7 und bei der Schwäbischen Zeitung in Leutkirch ging er 1995 zum Rundfunk. Sprachlich lernte er dazulernen, um sich durchzuschlagen. „Mein Arabisch ist so gut, dass ich dem Taxifahrer sagen kann, wohin ich will, und dass ich mit ihm ein klein bisschen über den Fahrpreis streiten kann“, so Schwenck im fernen Kairo. „Für alles Weitergehende haben wir unsere einheimischen Producer, die auch Nuancen verstehen und zwischen den Zeilen lesen können.“

Seine Zeit am Bodensee, die vielen Geschichten aus Überlingen, Salem und Meersburg, hat der Schwabe und Vater zweier erwachsener Kinder nach wie vor in guter Erinnerung. Allerdings ist die Landeshauptstadt Stuttgart längst für ihn die zweite Heimat geworden. „Dort ist noch immer die gemeinsame Wohnung mit meiner Frau, ebenfalls Journalistin, die lange Jahre am Bodensee aktiv war. Im Moment pendle ich zwischen Kairo und Stuttgart – im Abstand mehrerer Wochen.“