„Mit Humor wird vieles leichter“

Marianne Schätzle, Kabarettistin aus Hilzingen, lange als „Angela die Zweite“ bekannt

Marianne Schätzle ist Kabarettistin und lebt in Hilzingen.
Marianne Schätzle ist Kabarettistin und lebt in Hilzingen. | Bild: Schierle, Beate

„Manches ist unabänderlich. Da nützt es nichts, immer zu hadern und zu zetern. Wenn man die Dinge mit Humor betrachtet, werden sie oft leichter. Für meine Bühnenprogramme schöpfe ich aus allen Bereichen, oft aus dem Alltag. Zum Beispiel über das Älterwerden oder dass man beim Arzt keinen Termin mehr bekommt, gern auch Sozialkritisches. Wenn Menschen in mein Programm kommen, möchten sie einen lustigen Abend haben und lachen können. Über Krankheit und Tod mache ich keine Witze. Da gibt es nichts zu scherzen.

Meine Idee war die Merkel-Nummer übrigens nicht. Tatsächlich waren es Bekannte, die mir Fotos zeigten und sagten: Du siehst aus wie die Merkel! Das überraschte mich, denn ich hätte nie gedacht, dass es mich so hart getroffen hat. Als mein damals zweijähriger Sohn eines Morgens mit dem Finger auf ein Bild in der Zeitung von Angela Merkel zeigte und dabei ‚Mama‘ sagte, ab da war klar: Es ist etwas dran.

Das könnte Sie auch interessieren

Diese Rolle hat mich eine lange Zeit begleitet und mir tolle Auftritte beschert. Als Kabarettistin hat man es mit ihr jedoch schwer. Sie macht zu wenige Fehler, und als Figur bietet sie nur die Raute und ihre Mundwinkel. Ich schlüpfe gern in die Rolle der Kanzlerin. Die Leute lieben diese Nummer und begrüßen mich dann mit großem Applaus. Als Annegret Kramp-Karrenbauer werde ich aber nicht auftreten. Ich bin eine Kabarettistin, die über Themen spricht; ich muss nicht eine Rolle an die nächste reihen.

Beim Humor mag ich eher die sanfte Art. Früher habe ich eher die Revoluzzerin gegeben. Vor knapp 20 Jahren hatte ich mit Auftritten in der Konstanzer Gruppe ‚Menschen, zufällig weiblich‘ angefangen. Wir hatten hauptsächlich politische und sozialkritische Themen. In meinem Soloprogramm bin ich nur noch am Rande politisch.“ (Protokoll: Beate Schierle)

Auftritte in der Region:

11. Januar um 20 Uhr im Bürgerhaus/Scheune in Denkingen (Kreis Tuttlingen)
1. Februar um 20 Uhr Dachsberg (Kreis Waldshut)

------------------------------

„Humor ist für mich Notwehr“

Christoph Sieber, Jahrgang 1970, kommt ursprünglich aus Niedereschach

Christoph Sieber kommt ursprünglich aus Niedereschach und ist heute bundesweit bekannt.
Christoph Sieber kommt ursprünglich aus Niedereschach und ist heute bundesweit bekannt. | Bild: TATIANA KURDAFOTOGRAFEN-WELT - NullProblemo

„Humor ist für mich Notwehr. Notwehr gegen Dinge, die ich nicht ändern kann: Unrecht, Ungerechtigkeit, schlechte Politik und schlechtes Wetter. Ich kann es nicht ändern, also lache ich darüber. Das befreit.

Humor ist die Notwehr der Ohnmächtigen gegen die Mächtigen. Wenn ich diese schon nicht stürzen kann, dann kann ich ihnen wenigstens ab und an ans Schienbein treten.

Und Humor ist am Ende auch eine Lebenseinstellung, weil so die entscheidende Frage gestellt wird: Kann ich auch über mich selbst lachen? Deshalb gibt es für mich auch keinen ‚guten‘ oder ‚schlechten‘ Humor. Wer Humor hat, kann kein schlechter Mensch sein!

Es gibt ein, zwei alte Regeln im Kabarett, die ich mir zu Herzen genommen habe: Erstens: Trete nie nach unten. Witze über Schwächere sind für mich tabu. Und zweitens: Wenn du Witze über Personen machst, dann mache sie so, dass du sie diesen jederzeit ins Gesicht sagen könntest. Außerdem habe ich es mir zur Maxime gemacht, nicht jeden Witz zu machen, nur weil ich ihn machen kann.

Warum ich Kabarettist geworden bin? Ich wollte halt schon immer was Vernünftiges machen. Und da kamen halt Banker, Beamter und Bürgermeister nicht infrage.

Letztlich bin ich privat eher schüchtern und zurückhaltend. Den Drang, sich auf die Bühne zu stellen, kann ich mir nur damit erklären, dass ich genau jene Schüchternheit zu überspielen versuche. Also wieder ein wenig Notwehr.

In Erinnerung ist mir tatsächlich einer meiner ersten Auftritte in Villingen geblieben. Ich war auf einer privaten Geburtstagsfeier im Franziskaner-Hotel gebucht. Da es dort keine Garderobe für mich gab, bin ich schon in vollem Kostüm angereist: Schlaghose, kariertes Jackett, Hornbrille, Schuhe in Größe 52.

Fand ich damals lustig. Die Einlasskontrolle allerdings nicht. So sehr ich auch beteuerte, der Showact für die Geburtstagsparty zu sein – man wollte mich nicht einlassen. Schlimmer noch: Man war kurz davor, mich einliefern zu lassen.

Bis irgendjemand dem Geburtstagskind (ein Freund meines Vaters) zuflüsterte, dass ein Verrückter vor der Tür stehe und behaupte, Kabarettist zu sein. Da wusste das Geburtstagskind sofort: Das kann nur der Sohn von Bürgermeister Sieber sein. Ich glaube, der Auftritt war dann ein voller Erfolg.“ (bea)

Auftritte in der Region: Am Samstag, 7. Dezember, um 20 Uhr bei einer Benefiz-Veranstaltung in der Niedereschacher Eschachhalle.

-----------------------------------

„Es ist immer eine Gratwanderung“

Lilo Braun, 67, Kabarettistin und Theaterpädagogin, Sauldorf-Bichtlingen

Lilo Braun ist Kabarettistin und lebt in Sauldorf-Bichtlingen.
Lilo Braun ist Kabarettistin und lebt in Sauldorf-Bichtlingen. | Bild: Michelberger, Isabell

„Humor ist dann gut, wenn man sich selbst nicht allzu ernst nimmt und fähig ist, mit seinen persönlichen Schwächen humorvoll umzugehen. Da fallen mir spontan Loriot und Gerhard Polt ein, die sich selbst auf die Schippe nehmen. Deshalb schätze ich sie sehr.

Auf keinen Fall sollte Humor mit erhobenem Zeigefinger daherkommen. Für mein Bühnenprogramm wähle ich Themen aus meinem direkten Lebensumfeld, die mir nah sind und die mich beschäftigen. Das können Dorftratsch oder die Erzählungen von Freundinnen sein – und das natürlich auf Schwäbisch, da bin ich am authentischsten.

Es geht immer um die Kommunikation untereinander und Situationskomik. Meinen ersten Bühnenauftritt hatte ich bei der Weiberfasnet, dem ‚Frauenrabatz‘, in Meßkirch. Eigentlich sollte ich nur etwas schreiben, das eine andere spielt. Da sich aber niemand fand, baten mich die Frauen, selbst auf die Bühne zu gehen. Ich sagte zu, weil ich damals, vor 20 Jahren, dachte, dass ich unter Frauen ja nicht viel zu verlieren hätte. Heute würde ich das nicht mehr so eng sehen.

Also setzte ich den schrecklichen Moment in der Umkleidekabine eines Bekleidungsgeschäfts in Szene, den ich selbst so erlebt habe. Ich brauchte einen neuen Badeanzug. Können Sie sich vorstellen, wie unförmig man in einer engen Kabine mit greller Beleuchtung in einem riesigen Spiegel aussieht? Ich habe meine Schamgrenze überwunden und mich tatsächlich auf der Bühne so gezeigt.

Nach diesem Auftritt ermunterten mich viele, mit Kabarett weiterzumachen. Es gab etliche Auftritte, was aber noch wichtiger war: Über das Kabarett kam ich zur Theaterpädagogik. Mittlerweile leite ich mehrere Theatergruppen, die zwar ernste Themen wie Demenz, die Frauenrolle im Zweiten Weltkrieg oder das Frauenwahlrecht haben, doch immer auch ein gutes Stück Humor enthalten.

Ich bewundere Kolleginnen und Kollegen, die sich kritisch mit unserer deutschen Vergangenheit befassen, und ich liebe den schwarzen Humor, der vor gar nichts haltmacht. Ich werde nie auf der Bühne die Judenverfolgung oder die Nazizeit thematisieren.

Das würde ich mir nicht zutrauen, da ich die Zeit nicht selbst erlebt habe. Allerdings humorvoll über Depression oder Angstzustände zu sprechen, das ginge. Humor ist immer eine Gratwanderung zwischen guter Unterhaltung und Geschmacklosigkeit. Da kann man leicht in Fettnäpfchen springen oder den falschen Ton erwischen.“ (Protokoll: Isabell Michelberger)

----------------------

„Humor ist das Spiel mit Erwartungen“

Tobias Bücklein, Jahrgang 1967, ist Moderator und Kabarettist in Konstanz

Tobias Bücklein ist Kabarettist und Moderator und lebt in Konstanz.
Tobias Bücklein ist Kabarettist und Moderator und lebt in Konstanz. | Bild: Schierle, Beate

„Humor ist für mich Spiel mit dem Bekannten, mit Erwartungen. Man muss im gleichen Kontext denken, damit man Erwartungen enttäuschen kann. Deshalb funktionieren ja auch die Witze mit den Männer- und Frauenrollen so gut; das ist ein sehr dankbares Thema.

Manchmal habe ich aber auch echte Himmelfahrtskommandos. Ich sollte mal die Eröffnung einer Palliativstation humorvoll gestalten... Charlie Chaplin hat gesagt, dass in einem guten Film einmal gelacht und einmal geweint wird. Wenn man dem Traurigen Raum gibt, fällt es dem Publikum leichter, zu lachen. Man braucht die Tiefe und die Höhe.

Witze unter der Gürtellinie gehen bei mir nicht. Ich mache am liebsten Witze in Bereichen, in denen ich mich gut auskenne, zum Beispiel Social Media oder Familie; politisches Kabarett weniger. Der Respekt vor dem anderen oder dem Thema muss trotz des Witzes erkennbar bleiben. Dann kann man auch über Tabuthemen witzeln.

Ich hatte schon Menschen mit Behinderungen in Shows, die machen ja selbst beinharte Witze. Da muss man mit feinem Gespür abwägen und die Tonfarbe gut wählen.

Natürlich kann ein Abend auch mal schiefgehen. Ich hatte mal einen Auftritt mit dem Programm ‚Testosteron – der Stoff, aus dem die Männer sind‘. Im Saal waren lauter frauenbewegte Frauen. Die haben nicht verstanden, dass ich nicht dieser Mann war, der diese bitteren Sprüche machte, sondern dass das eine Rolle war.

Wenn das Thema zwar bekannt ist, das Publikum damit aber nicht spielen will, dann wird es für mich richtig schwer. Wenn der Anfang eines Abends gut ist, dann habe ich die Zuschauer. Ich komme vom Theater, und da sind die Abende ziemlich durchchoreografiert.

Falls mal etwas schiefgeht, ist das aber nicht schlimm. Gerade daraus entstehen viele Gags. Einmal stand noch ein Tisch auf der Bühne, der weg sollte. Da habe ich den Oberbürgermeister gefragt, ob er mit anpacken kann. In Konzerten ist das Publikum ja auch dann am wachsten, wenn dem Gitarristen eine Saite reißt.

Klamauk ist nicht so meins. Ich habe eher so eine flapsige Art, auch gegenüber Würdenträgern und Politikern. Wenn man auf seriöse Weise dumme Fragen stellt, das mögen die Leute. Wenn Günter Oettinger in der Show erzählt, dass er Latein hatte, und ich frage: Wie sah‘s mit Englisch aus?, da weiß jeder, worauf ich anspiele. Das muss man sich in dem Moment trauen.

Wenn das Gespräch so eine gewisse Leichtigkeit hat, klappt das ganz gut. Was ich nicht mache, ist jemanden vorzuführen. Der Einzige, den ich vorführe, bin ich selber. Witze auf meine Kosten: jederzeit.“ (Protokoll: Beate Schierle)

------------------------------------

„Immer noch was draufpacken, ohne zu überladen“

Peter Zahrt, 76, ist Karikaturist und Grafiker in Orsingen-Nenzingen

Peter Zahrt lebt in Orsingen-Nenzingen.
Peter Zahrt lebt in Orsingen-Nenzingen. | Bild: Claudia Ladwig

„Ich sage es gern mit Joachim Ringelnatz: ‚Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.‘ Oder, und das ist meine Interpretation, auch reine Notwehr, nämlich dann, wenn uns der Kragen geplatzt ist.

Humor ist etwas Zweischneidiges – ich als Sender habe Humor, über den Empfänger wird er ausgeschüttet. Humor ist etwas, das zum Lächeln, prustenden Lachen oder auch zum Nachdenken animiert. Außerdem heißt es doch, wenn ein Mann Humor hat, hat er mehr Chancen bei Frauen.

Ich mache grundsätzlich keine Witze über unterlegene, unterdrückte oder gequälte Kreaturen, auch nicht über die Ärmsten der Armen. Behinderte habe ich aber manchmal schon zum Anlass genommen, um Satire zu zeichnen.

Ich mache Witze mit bissigstem Humor gegen Gewalt, Obrigkeit, Dummheit, Trump und AfD, eben gegen all das, was man angreifen muss. Mit Witz, Humor und Satire.

Das Wichtigste ist immer, eine Idee zu haben und dem Betrachter verständlich rüberzubringen. Meine ZAHRTOONS grenzen schon an gemaltes Kabarett und sind Gemälde für Auge, Hirn und Zwerchfell.

Schon als Bub war ich ein guter Beobachter und so etwas wie ein Hofnarr: kämpferisch, respektlos und angstfrei. Ich war lang und dünn und habe mich fast nie geprügelt. So wusste ich nie, wie stark ich bin. Meine Kraft habe ich dann in verbale Stärke umgesetzt.

Mehr als 50 Jahre war ich in den Bereichen Grafik, Werbung und Gestaltung tätig. Mein besonderer Anreiz war dabei immer die Entwicklung außergewöhnlicher Ideen und deren adäquate Umsetzung. Wortwitz ist ein wichtiges Stilmittel für mich.

Die Kunst ist, immer noch was draufzupacken, ohne die Botschaft zu überladen. Ich ergründe gerne Menschen und beschäftige mich leidenschaftlich mit der Darstellung dieser Spezies. Feinfühlig mit meisterhaften Porträts. Meine schrägen, komischen Bilder sollen treffen und betroffen machen und zum herzhaften Lachen animieren, was in den heiligen Hallen der Kunst selten vorkommt.

Ein schönes Erlebnis: Eine Besucherin verabschiedete sich mit den Worten: ‚Danke für das Lachen in meinen Augen … und in meiner Seele‘. Was will man mehr?“ (Protokoll: Claudia Ladwig)

------------------------

„Guter Humor wirkt nach“

Thomas Kuphal, 55, stammt aus Hamburg und lebt heute in Überlingen. Sein aktuelles Programm heißt „Überleben in Überlingen“

Thomas Kuphal, 55, Kabarettist aus Überlingen, mit seiner Handpuppe „Jammerlappen“.
Thomas Kuphal, 55, Kabarettist aus Überlingen, mit seiner Handpuppe „Jammerlappen“. | Bild: Johanson, Kirsten

„Ich bin ein Kabarettist der eher leiseren Art. Schenkelklopfer, platter Wortwitz und billige Pointen sind nicht mein Ding. Auf der Bühne habe ich oft Handpuppen als Dialogpartner dabei, wie zum Beispiel den ‚Jammerlappen‘, der mischt sich gerne ein.

Es ist durchaus eine Herausforderung, das Publikum zum Lachen zu bringen – eine Reaktion, die man sich natürlich immer wünscht, dass der Funke überspringt! Guter Humor ist für mich hintergründig, stiftet zum Nachdenken an und darf Tiefgang haben. Ich mag überraschende, unerwartete Gags.

Ich definiere mich in erster Linie als politischen Kabarettisten und nehme das aktuelle Geschehen der Lokalpolitik dabei genauso aufs Korn wie das Kuriositätenkabinett in Berlin. Ich setze mich aktiv mit dem politischen Geschehen auseinander und lege gerne den Finger in die Wunde.

Ich parodiere auch gerne mal den einen oder anderen Politiker, Boris Johnson liegt mir da gerade nahe. Früher waren es Leute wie Christian Wulff oder Ursula von der Leyen. Teilweise arbeite ich mit Dialekten, etwa Wienerisch oder Bayerisch, oder trage Literaturparodien vor.

Guter Humor wirkt nach, er bleibt eine Weile im Gedächtnis. Schadenfreudiger, obszöner oder ein sich anbiedernder Humor liegen mir nicht. Ich mache auch keine Witze über Behinderte oder Religionen, nur um des komischen Effekts oder einer Pointe willen.

Inspirierend finde ich zum Beispiel die Parodien von Matthias Richling, die Eloquenz von Sebastian Puffpaff oder die Satire von Oliver Welke in der heute-show. Ich mag auch die derbe Art von Carolin Kebekus und die trockene Art von Hazel Brugger. Jeder hat eben seinen eigenen Stil.“ (Protokoll: Kirsten Johanson)