Seilbahnen an sich sind spektakulär. Sie schweben weit über dem Boden durch die Luft oder kraxeln auf steilen Rampen Hänge hinauf. Manche Konstruktionen aber stechen heraus - weil sie höher fahren als jede andere Bahn ihrer Art oder an einem einzigartigen Ort gebaut wurden. Wo sind in Europa die außergewöhnlichsten Bahnen unterwegs? Eine Auswahl:

Die höchste Dreiseilumlaufbahn der Welt: Der Glacier Ride im Schweizer Zermatt bringt stündlich bis zu 2000 Menschen hinauf zum Klein Matterhorn in den Walliser Alpen. Dort liegt die höchste Bergstation Europas auf mehr als 3800 Metern Höhe, wo sich ein hochalpines Panorama mit 38 Viertausendern und 14 Gletschern auftut. Neben Europas höchstgelegenen Sommerskigebiet lockt im Inneren des Berges ein mit Licht und Musik inszenierter Gletscherpalast. (www.zermatt.ch, www.matterhornparadise.ch)

HANDOUT - Zum Themendienst-Bericht von Karin Willen vom 4. April 2019: Vorbei am berühmtesten Berg der Schweiz: Wer mit den Gondeln der Glacier Ride in Zermatt fährt, blickt auf das Matterhorn. Foto: Pedro Rodrigues/Zermatt Bergbahnen AG/dpa-tmn - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit dem genannten Text und nur bei vollständiger Nennung des vorstehenden Credits - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++
Wer mit den Gondeln der Glacier Ride in Zermatt fährt, blickt auf das Matterhorn. | Bild: Pedro Rodrigues (Zermatt Bergbahnen AG)/dpa-tmn

Im Doppeldecker mit Frischluft: Der erste offene seilbahngeführte Doppeldecker der Welt trägt den passenden Namen „CabriO“ - und fährt ausschließlich im Sommer von der Talstation Kälti im Schweizer Kanton Nidwalden auf den Gipfel des Stanserhorns mit Blick auf den Vierwaldstättersee. In ihrem Zubringer aus dem Ort Stans, der nostalgischen Standseilbahn mit Holzkabinen aus dem Jahre 1893, erfahren Passagiere hautnah ein Stück Seilbahngeschichte.

Anders als bei klassischen Pendelbahnen werden die beiden Cabrio-Gondeln nicht oben, sondern seitlich zwischen zwei Seilen geführt. 60 Personen passen unten in die vollverglaste Kabine, 30 weitere können sich auf dem Oberdeck alpine Luft um die Nase wehen lassen. Auf 1900 Metern Höhe wartet bei klarem Wetter ein Rundumblick auf 100 Kilometer Alpenkette und zehn Seen. (www.stanserhorn.ch/de)

HANDOUT - Zum Themendienst-Bericht von Karin Willen vom 4. April 2019: Ein Gondel mit Aussichtsplattform fährt im Sommer hinauf zum Stanserhorn. Die Seilbahn im Schweizer Kanton Nidwalden trägt den passenden Namen CabriO. Foto: Stanserhorn-Bahn/dpa-tmn - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit dem genannten Text und nur bei vollständiger Nennung des vorstehenden Credits - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++
Ein Gondel mit Aussichtsplattform fährt im Sommer hinauf zum Stanserhorn. Die Seilbahn im Schweizer Kanton Nidwalden trägt den passenden Namen CabriO. | Bild: Stanserhorn-Bahn/dpa-tmn

Um die eigene Achse auf den Gletscher: Mit der Titlis-Rotair hat der Branchenriese Doppelmayr/Garaventa 1992 oberhalb von Engelberg im Schweizer Kanton Obwalden schon die erste Luftseilbahn der Welt mit rotierendem Kabinenboden gebaut. Seit 2014 schrauben sich von der Station Stand sogar komplett drehbare Gondeln in fünf Minuten einmal um die eigene Achse. Sie passieren auf dem Weg zur Bergstation am Kleinen Titlis eine einzige schrägstehende Stütze. Beste Sicht also auf steile Felswände, Gletscher und Gipfel. (www.titlis.ch)

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Im Seilbahn-Oldie: Die nach eigenen Angaben älteste im Original erhaltene Großkabinenseilbahn der Welt fährt in Bad Reichenhall. Bei der Inbetriebnahme 1928 galt sie als Muster einer vollendeten Luftseilbahn - was Ästhetik, Geschwindigkeit, Lautlosigkeit und Sicherheit anging. Die Bahn auf den 1614 Meter hohen Predigtstuhl steht unter Denkmalschutz. Noch immer arbeitet ein Maschinist in der Bergstation, damit die beiden roten zwölfeckigen Kabinen des bayerischen Oldies den Höhenunterschied von 1140 Metern überwinden.

Ein echter Seilbahn-Oldie: Die roten Gondeln der Predigtstuhlbahn sind seit 1928 zwischen Bad Reichenhall und dem Predigtstuhl unterwegs.
Ein echter Seilbahn-Oldie: Die roten Gondeln der Predigtstuhlbahn sind seit 1928 zwischen Bad Reichenhall und dem Predigtstuhl unterwegs. | Bild: Berchtesgadener Land Tourismus/dpa-tmn

Ein kleines Museum auf dem Berg zeigt die Anfänge der Predigtstuhlbahn im Stil der Neuen Sachlichkeit. Die Sonnenterrasse des ebenfalls denkmalgeschützten Bergrestaurants bietet einen schönen Blick auf die Kurstadt. (www.bad-reichenhall.de)

Von Frankreich nach Italien durch das Mont-Blanc-Massiv: Während der Fahrt mit der Téléphérique de l'Aiguille du Midi von Chamonix ins französische Bergsteigerparadies rauschen in 20 Minuten etliche Dreitausender vorbei. Auf der zweiten Teilstrecke hat die Südtiroler Firma Leitner Ropeways das Seil 2742 Meter weit ohne Zwischenstützen bis zur steilen Nordwand der 3842 Meter hohen Felsnadel gespannt. Nach dem Stopp in der dünnen Luft des felsigen Vorpostens auf dem Mont-Blanc-Massiv eröffnet sich ein schöner Blick auf Europas höchsten Berg, bei guter Sicht bis zum Genfer See. Mutige genießen auf dem Skywalk den Rundumblick in einem Ausguck mit Glasboden mehr als tausend Meter über dem Boden.

Vom französischen Chamonix geht es mit der Téléphérique de l'Aiguille du Midi steil hinauf ins Mont-Blanc-Massiv.
Vom französischen Chamonix geht es mit der Téléphérique de l'Aiguille du Midi steil hinauf ins Mont-Blanc-Massiv. | Bild: F. Bodet/dpa-tmn

Über die Gletscherwelt geht es mit der Kleinkabinenbahn Vallée Blanche fünf Kilometer weiter zur Helbronner Spitze auf der italienischen Seite. Wer dann noch mit der rotierenden Pendelbahn Skyway Monte Bianco nach Courmayeur im Aostatal herunterfährt, hat eine innereuropäische Grenze überquert − und am Pavillon du Mont Fréty zwischen Juni und September den höchstgelegenen Alpengarten gesehen. (www.chamonix.com, www.montebianco.com)

Von der Innenstadt in den Naturpark: Mit Standseilbahnen fährt man an vielen Orten auf den Berg. Doch keine ist so schön und vielfältig wie die Hungerburgbahn in Innsbruck nach Plänen der Architektin Zaha Hadid. Die geschwungenen Dächer der Bahnstationen erinnern in Form und Farbe an fließende Gletscherzungen und Moränen. Die Bahn bringt Passagiere in knapp zehn Minuten von der Innenstadt über die Inn an Europas höchstgelegenen Zoo vorbei in den Stadtteil Hungerburg. Von dort kann man mit Gondelbahnen die Nordkette hinauf zur Seegrube und zum 2300 Meter hohen Hafelekar fahren. (www.nordkette.com)

HANDOUT - Zum Themendienst-Bericht von Karin Willen vom 4. April 2019: Die Hungerburgbahn in Innsbruck ist bekannt für ihr futuristisches Design. Sie wurden von der bekannten Architektin Zaha Hadid entworfen. Foto: Günther Egger/dpa-tmn - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit dem genannten Text und nur bei vollständiger Nennung des vorstehenden Credits - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++
Die Hungerburgbahn in Innsbruck ist bekannt für ihr futuristisches Design. Sie wurden von der bekannten Architektin Zaha Hadid entworfen. | Bild: Günther Egger (Günther Egger)/dpa-tmn

Auf den Vulkan: Nicht immer sind die Ausbrüche von Europas höchstem und aktivstem Vulkan Ätna harmlos. 2002 hat es die Seilbahn erwischt - sie wurde zerstört. Inzwischen steht an dieser Stelle aber eine neue Bahn. Die Funivia dell’Etna bringt ihre Passagiere in etwa 15 Minuten von der Station Rifugio Sapienza an der Südseite des Vulkans auf 2500 Meter Höhe. Von der Bergstation La Montagnola geht die geführte Exkursion in Allradbussen über die Lavafelder.

Dann beginnt die Wanderung durch die bizarre Landschaft zum Kraterrand, wo die Gäste nah an der dampfenden Urgewalt stehen. Zudem bietet sich ein schöner Ausblick auf das Mittelmeer. In der Rifugio Sapienza kann man einen Vulkanausbruch im 7D-Simulator mit allen Sinnen erleben. (www.funiviaetna.com, nur italienisch)

HANDOUT - Zum Themendienst-Bericht von Karin Willen vom 4. April 2019: Der Ätna in Sizilien ist der höchste aktive Vulkan Europas - an der Südseite des Berges fährt eine Seilbahn bis auf 2500 Meter Höhe. Foto: Antonio Zimbone/Funivia dell'Etna/dpa-tmn - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit dem genannten Text und nur bei vollständiger Nennung des vorstehenden Credits - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++
Der Ätna in Sizilien ist der höchste aktive Vulkan Europas - an der Südseite des Berges fährt eine Seilbahn bis auf 2500 Meter Höhe. | Bild: Antonio Zimbone (Funivia dell'Etna)/dpa-tmn

Über wilden Tieren schweben: In den Bergen von Kantabrien, 20 Kilometer von Santander entfernt, schweben Touristen im Naturpark Cabárceno gemächlich in Achterkabinen hinweg über Bären, Elefanten, Gorillas, Löwen oder Nashörner und andere, teils gefährliche Tiere. Die Bahn deckt über einen dreieckigen Verlauf die Höhepunkte dieser Landschaft mit spitzen Felsen, idyllischen Seen und Schluchten im Norden Spaniens ab. Mehr als hundert Tierarten aus fünf Kontinenten leben hier. Zwei Kabinen haben einen Glasboden und bieten damit besonders gute Sicht auf die Tiere. Der Ausblick reicht bis nach Santander, den Golf von Biskaya und bei gutem Wetter zum Kalkstein-Massiv Picos de Europa. (www.parquedecabarceno.com, nur spanisch)

HANDOUT - Zum Themendienst-Bericht von Karin Willen vom 4. April 2019: Ein Nashorn in der wilden Landschaft Nordspaniens: Im Naturpark Cabárceno leben mehr als hundert Tierarten aus fünf Kontinenten. Touristen können sie aus den Kabinen einer Gondelbahn heraus beobachten. Foto: www.parquedecabarceno.com/Turismo de Cantabria/dpa-tmn - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit dem genannten Text und nur bei vollständiger Nennung des vorstehenden Credits - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++
Ein Nashorn in der wilden Landschaft Nordspaniens: Im Naturpark Cabárceno leben mehr als hundert Tierarten aus fünf Kontinenten. Touristen können sie aus den Kabinen einer Gondelbahn heraus beobachten. | Bild: www.parquedecabarceno.com (Turismo de Cantabria)/dpa-tmn

Im Schein der Mitternachtssonne: Nicht viele Seilbahnen fahren nachts. Mit der komplett erneuerten Seilbahn in der nordnorwegischen Hafenstadt Narvik genießen Touristen von Anfang Juni bis Mitte Juli Meerblick in der Mitternachtssonne und im Frühherbst und Spätwinter tagsüber das legendäre Polarlicht.
Auf der 650 Meter hohen Aussichtsplattform im Gebiet Narvikfjellet eröffnet sich der Ofotfjord in seiner ganzen wilden Schönheit. Der Schweizer Seilbahnbauer Bartholet hat die windstabilen Kabinen so ausgerüstet, dass neben Skiern auch Mountainbikes mitkönnen. Die Bahn soll erweitert werden und bald vom Stadtzentrum aus fahren.