Als die behäbige Frachtmaschine auf der Landebahn aufsetzt, bricht lauter Jubel aus. Kinder mit schwarz-weißen Mützen schwenken Fähnchen, Erwachsene klatschen gerührt: Willkommen, Wu Wen und Xing Ya! Mit einer Sonder-Eskorte der Feuerwehr wird die Boeing mit den beiden Riesenpandas am Mittwochabend in Amsterdam empfangen: Wie Staatsgäste. Aus dem Cockpit flattern die chinesische und die niederländische Fahne. Dutzende von Kameras verfolgen live die Ankunft des jetzt schon berühmtesten Tierpaares des Landes.

Die Niederlande sind im Pandafieber. Auch das Dorf Rhenen bei Arnheim nahe der deutschen Grenze, wo die Pandas im Tierpark leben werden, ist vorbereitet: Die Panda-Törtchen sind gebacken, im Eissalon liegt Panda-Eis, und ein Schnapshändler verkauft „Panda-Slokje“ - ein Likör mit Schokolade. Rhenen empfängt nicht nur die die ersten Riesenpandas in den Niederlanden. Das Dorf erwartet auch einen ungeheuren Ansturm von Besuchern.

Der Trubel und die Köstlichkeiten werden den Hauptakteuren wohl relativ egal sein. Panda-Dame Wu Wen, was soviel heißt wie „schöne kräftige Wolke“, und ihr Freund Xing Ya, „eleganter Stern“, essen sowieso nur Bambus - davon allerdings etwa 50 Kilo am Tag. Außerdem müssen sie sich nach der langen Reise erst einmal ein paar Wochen an ihre neue Heimat im Tierpark Ouwehands bei Arnheim unweit der deutschen Grenze gewöhnen, bevor sie der Öffentlichkeit präsentiert werden. Viele Fans können die Ankunft der wuschligen und putzigen schwarz-weißen Bären aus China kaum erwarten.
2015 waren Xing Ya und Wu Wen den Niederlanden beim Staatsbesuch des Königspaares Willem-Alexander und Máxima symbolisch von China geschenkt worden. Na ja - Geschenk. Sie sind nur geliehen. In den nächsten 15 Jahren dürfen sie die Stars im Tierpark in Rhenen sein.

Dafür hatte der niederländische Milliardär Marcel Boekhoorn, Eigentümer des Ouwehands Tierparks, 16 Jahre lang auf höchsten politischen Ebenen Lobbyarbeit betrieben und eine Menge Geld gezahlt. Die Bären sind vom Aussterben bedroht. Nur in China leben Riesenpandas in der Wildnis - zurzeit etwa 1800. China überlässt ausgewählten Zoos unter strengsten Bedingungen ein Pärchen.

In erster Linie hofft man, dass die Tiere Nachwuchs bekommen. Übrigens wären auch mögliche Kinder von Wu Wen und Xing Ya Eigentum Chinas und müssten in 15 Jahren wieder dorthin zurückkehren. Außerdem sind Pandas ein Zeichen der tiefen Freundschaft Chinas zum Gastland. Es ist sogar von „Panda-Diplomatie“ die Rede. China nutzt dabei auch die große Begeisterung weltweit für die putzigen Bären.

Gratis ist diese Leihgabe übrigens auch nicht. Die Niederländer bezahlen pro Jahr rund eine Million Euro. Hinzu kommen die rund sieben Millionen Euro für das prächtige Gehege des Pärchens, Häuser im Pagodenstil und ein großes Gelände mit Gärten, Wasserspielen und viel Bambus: Pandasia. Tierpark-Direktor Robin de Lange erwartet einen Besucheransturm. Maximal könnten 10 000 Menschen am Tag zugelassen werden. „Wir wollen ja, dass man die Pandas sieht und nicht nur andere Leute,“ sagt De Lange. Tickets müssen Besucher vorab online kaufen. Auch aus dem benachbarten Deutschland werden Pandafans erwartet, zumal es zur Zeit in deutschen Zoos keine Riesenpandas gibt. Das könnte sich aber schnell ändern: Denn Berlin hofft auf ein neues Pärchen, seit Bao Bao 2012 gestorben ist. Eine neue Anlage ist jedenfalls schon fast fertig.