Herr Pastewka, die Dreharbeiten zu „Der Sommer nach dem Abitur“ scheinen Ihnen viel Spaß gemacht zu haben. Oder trügt der Schein, und alles war echt harte Arbeit?

Natürlich war das ausschließlich harte Arbeit. (lacht) Vor allem die Szene, in der ich nachts im Kettcar über den Campingplatz sause, ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben … Aber nicht, weil sie so anstrengend war, sondern weil der Nachtdreh eine willkommene Abkühlung gebracht hat in dem extrem heißen Jahrhundertsommer 2018, in dem der Film entstanden ist. Aber auch der Rest hat Spaß gemacht. Mit Hans Löw und Fabian Busch zu drehen, war eine große Freude.

Der Film erzählt von drei Freunden, die 30 Jahre nach dem Abitur gemeinsam zum Konzert ihrer Lieblingsband fahren wollen, weil ihnen damals etwas dazwischen kam. Ihr eigenes Abitur liegt 29 Jahre zurück. Erinnern Sie sich noch gut an diese Zeit?

Sehr gut sogar: Ich habe pünktlich ohne Umwege im Jahre 1991 mein Abitur gemacht. Mit einem recht durchschnittlichen Ergebnis, was mich damals arg verstimmt hat. Ich war nämlich zunächst ein recht guter Schüler, doch je mehr es aufs Abitur zuging und diese komische Pubertät dazwischen kam, desto mehr haben mich die anderen überholt. Ich hatte mich auf meinen Lorbeeren ausgeruht und zu spät erkannt: Es reicht im Unterricht nicht immer, die zwar originellste, aber eben nicht richtige Antwort parat zu haben.

Drei alte Schulfreunde (Fabian Busch, Bastian Pastewka, Hans Löw) machen sich in der ZDF-Komödie „Der Sommer nach dem Abitur“ noch einmal gemeinsam auf den Weg.
Drei alte Schulfreunde (Fabian Busch, Bastian Pastewka, Hans Löw) machen sich in der ZDF-Komödie „Der Sommer nach dem Abitur“ noch einmal gemeinsam auf den Weg. | Bild: Britta Krehl/ZDF

Ihre Mitschüler fanden das aber bestimmt sehr lustig …

Ich glaub‘, ich war für die anderen immer so ein Vogel, der speziell kurz vor dem Abitur überwiegend genervt hat. Wir waren in unserem Abschlussjahrgang mit über 100 Schülern ein sehr unübersichtlicher Jahrgang. Aber es war mir möglich, mit rund 15 Personen bis heute Kontakt zu halten. In der Tat sind viele Kolleginnen und Kollegen meines Abiturjahrgangs immer noch meine besten Freunde. Und das ist ein großer Verdienst.

Auch im Film geht es um Freundschaft. Was zeichnet, Ihrer Meinung nach, echte Freunde aus?

Diese Freundschaften, die in meiner Abiturzeit entstanden sind, gäbe es wohl nicht, wenn wir uns nicht acht Jahre lang fast täglich begegnet wären. Ich habe einige Freunde aus dieser Zeit mal kurz aus den Augen verloren, aber sobald wir uns wiedersehen, ist es so, als wären wir wieder 18. Sofort ist alles wieder da: das Vokabular und die Scherze aus der Abiturzeit. Das ist auch heute noch so: Wenn wir uns sehen, brüllen wir uns Sätze aus „Die Ritter der Kokosnuss“ zu. Es gibt in unserem Film diesen Kernsatz: „Wir sind Freunde – das hat mit mögen nicht viel zu tun!“ Das sagt doch alles. Als ich diesen Satz im Drehbuch gelesen hatte, war ich Feuer und Flamme.

Und wie fanden Sie Ihre Filmfigur Alexander?

Es hat mich irgendwie gereizt, diesen tiefenfrustrierten Pharmavertreter zu spielen, der sein Heil im Konsum unzähliger Tabletten sucht. Alex ist Lobbyist, durch seinen Beruf ist er offenbar geübt darin, sein Fähnchen nach dem Wind zu richten. Emotional spürt er nichts mehr. Gleichzeitig hat er eine sehr kurze Zündschnur. Witzig fand ich, dass Alex der Einzige im Trio ist, der die anstrengende „Rumpel-Mucke“ von Madness eigentlich hasst, aber zu verzweifelt ist, um diesen doofen Trip mit seinen Kumpels abzusagen. Toll fand ich auch, dass unser Drehbuchautor Marc Terjung diesen Roadtrip von alten Freunden spektakulär scheitern lässt, um aus den Trümmern etwas Neues entstehen zu lassen.

Ähnlich wie Ihr Sitcom-Alter-Ego Pastewka schrammt Alex immer wieder knapp an seinen Zielen vorbei. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Natürlich. (lacht) Ich finde, Alex gleicht mir schon sehr. Ich mag diesen Typen, ohne dass ich sagen könnte warum. Ich habe ihn als Mann ohne nennenswerte Eigenschaften gespielt.

Verglichen mit heute waren die 80er-Jahre noch relativ unbeschwert – trotz Kalten Kriegs und nuklearer Bedrohung.

Das stimmt. Doch auch damals, in meiner Abi-Zeit, gab es eine gravierende gesellschaftliche Veränderung, die ich natürlich nur sehr vage mit der Corona-Krise vergleichen will: der Mauerfall und damit das Ende der deutschen Teilung. Ich erinnere noch sehr deutlich, wie Lehrpläne damals komplett über den Haufen geworfen wurden und wir im Unterricht mit den täglichen Nachrichten umgehen lernen konnten.

Gibt es eine Rolle, die Sie gerne irgendwann einmal spielen würden?

James Bond natürlich.