Das muss man Jorge González lassen: Er ist ein Phänomen, wie man es im deutschen Fernsehen nur selten erlebt. Promis, die besonders aussehen, mag es ja so einige geben – aber im Unterschied zu González tragen sie nicht jedes Mal einen völlig anderen, sondern im Grunde doch immer den gleichen Look. Und dann mag es natürlich Promis geben, die ähnlich unterhaltsam sind – an den gebürtigen Kubaner kommen sie dennoch nicht heran. Woran liegt das bloß?

Es ist eine Kombination aus vielen Dingen. Der 51-jährige González mag belächelt werden – aber das auch immer mit einem Hauch von Bewunderung für seinen modischen Mut. Und den Mut, den er bewies, als er mit 17 Jahren seine Heimat verließ, weil Jorge Alexis González Madrigal Varona Vila in Kuba nicht so leben konnte, wie er es wollte. Homosexualität war ein Tabuthema.

Europa war sein Ziel

Er lernte „wie ein Wahnsinniger“, um ein Stipendium zu bekommen, das ihm den Weg nach Europa ebnete. In der Slowakei studierte González Nuklearökologie, modelte, tanzte, spielte nebenher Theater und ging 1991 mit dem Abschluss in der Tasche nach Deutschland.

Weil er nicht wieder nach Kuba ging, durfte er seine Heimat dann jahrelang nicht besuchen. Hamburg wurde sein Zuhause, seit 2011 hat er auch die deutsche Staatsangehörigkeit. All das hat er in einem Buch aufgeschrieben.

Mit GNTM begann die Karriere

In seinem erlernten Beruf hat González nie gearbeitet, stattdessen kennt man ihn als Stylist, Imageberater und Choreograf von Modenschauen. Bekannt wurde er 2009 als Nachfolger von Bruce Darnell als Laufsteg-Trainer in der Castingshow „Germany‘s Next Topmodel“ – seit 2013 ist er Jurymitglied der RTL-Show „Let‘s Dance“.

Deutscher Fernsehpreis 2019 für die RTL-Show „Let‘s Dance“: Die Juroren Joachim Llambi (links) und Jorge González freuen sich über die Auszeichnung in der Kategorie „Beste Unterhaltung Primetime“.
Deutscher Fernsehpreis 2019 für die RTL-Show „Let‘s Dance“: Die Juroren Joachim Llambi (links) und Jorge González freuen sich über die Auszeichnung in der Kategorie „Beste Unterhaltung Primetime“. | Bild: Henning Kaiser / dpa

Sein extravagantes Auftreten – ausgefallene Kleidung und hohe Absätze inklusive (die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ nannte ihn einen „fleischgewordenen Stöckelschuh“) – machten González zum Dauergast auf roten Teppichen.

Der 51-Jährige hat weit mehr drauf, als bei RTL Promi-Tänzer in schwer verständlichem Deutsch zu bewerten. Er hat eigene Kollektionen entworfen und auch die Kostüme für die kubanische Tanz-Show „Ballet Revolución“, er schauspielert, moderiert, macht Werbung. Schon 153.000 Abonnenten hat er bei Instagram um sich geschart – und diese Zahl ist gar nicht mal so schlecht.

Ein bodenständiger Typ

Egal, wie glamourös er sich gibt – im Grunde seines Herzens ist González total bodenständig. Er lebt in einer Langzeitbeziehung, hat seine krebskranke Mutter bis zu ihrem Tod gepflegt, hat seinen Hund auf Mallorca aus dem Müll gerettet.

Privat trägt er nicht mal Absätze, obwohl er nach eigenen Angaben hunderte Stöckelschuhe besitzt. Die High-Heels sind sein Werkzeug für das Leben im Scheinwerferlicht. Aber sein Motto gilt für den medialen und privaten Jorge: „Wie du auf dem Catwalk gehst, so gehst du durch dein Leben.“

Dem Mann ist kein Absatz hoch genug – Jorge González auf dem roten Teppich.
Dem Mann ist kein Absatz hoch genug – Jorge González auf dem roten Teppich. | Bild: Odd Andersen / AFP

 

Videos seiner bisherigen Show-Karriere: