Frau Thalbach, sind Sie eigentlich ein Krimi-Fan?

Na klar. Ich liebe Krimis und alles, was mit Mystery zu tun hat. Ich bin auch ein großer "Die drei ???"-Fan gewesen.

Gewesen?

Ich bin immer noch Fan, habe aber lange nicht mehr reingehört.

Oder gelesen … Gibt es auch Krimi-Formate im Fernsehen, die Sie sich anschauen?

Tatort guck' ich natürlich immer gern. Ich liebe alle Tatorte, die gut gemacht sind. Allerdings muss ich zugeben, dass ich seit längerer Zeit kein Fernsehen mehr schaue. Aber Krimis kann man ja auch in der Mediathek schauen. Ich habe früher, wenn ich nicht schlafen konnte, immer Serien gekuckt. Ich war zum Beispiel ein Fan von "Twin Peaks", wenn das als Krimi zählt.

Sicher. Passenderweise sind Sie demnächst in einem Krimi zu sehen, "Lotte Jäger und die Tote im Dorf" heißt der. Die Rolle ist eher klein, aber fein, könnte man sagen.

Ja, einer muss halt dran glauben. (lacht)

Ihre Figur ist nur in Rückblenden zu sehen, weil es um ein lange zurückliegendes Verbrechen geht. Ist es schwierig, so etwas zu drehen?

Das macht schon etwas aus. Aber Leiche ist Leiche, würde ich sagen. (lacht)

Haben Sie den fertigen Film schon gesehen?

Bisher nur zur Hälfte. Obwohl ich die Zeit dazu eigentlich nicht hatte, habe ich aus Neugier trotzdem angefangen, konnte ihn dann aber leider nicht zu Ende sehen. Ich fand das, was ich gesehen habe, schon ganz spannend, das muss ich sagen. Auch durch die Musik. Der Film hat eine besondere Stimmung.

So geht er auch weiter – ich habe ihn bis zum Ende gesehen.

Dann aber nichts verraten!

Nein, ich sage nichts. Aber mal etwas anderes: Der Film spielt ja in einer eingeschworenen Dorfgemeinschaft, die den Ermittlern ihre Arbeit sehr schwer macht. Wäre so ein Landleben denn was für Sie?

Als ich zwölf war, bin ich auf ein Internat in der Nähe von Hamburg gegangen, dort war ich fünf Jahre lang. Das war auch auf dem Land, und dadurch durfte ich das Landleben kennenlernen und Landluft schnuppern. Tatsächlich bin ich froh über diesen Einfluss, weil man so eine Menge lernt. Aber es ist schon etwas ganz anderes als in der Großstadt, gerade was die Aufmerksamkeit angeht. Die Tabus sind auf dem Land auf jeden Fall andere als in der Stadt. Aber ich finde, dass beides Vor- und Nachteile hat. In der Stadt kann man leichter anonym sein, was schon ein Vorteil ist. Ich bin jedenfalls froh, dass ich in Berlin aufgewachsen bin.

Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann mal aus Berlin wegzugehen?

Definitiv. Ich glaube, dass es gesund für den Geist ist, sich auf nichts zu beschränken. Dass es auch ein Zeichen für Intelligenz und Offenheit ist, wenn man bereit ist, mit dem Gedanken zu spielen, sein Leben auch woanders weiterzuführen.

Auch wenn Sie aus einer Schauspieler-Familie kommen, war es ja lange Zeit nicht Ihr dringendster Wunsch, auch eine Karriere auf der Bühne oder vor der Kamera einzuschlagen. Woran lag das?

Das Interesse an der Schauspielerei war bei mir immer schon auf irgendeine Art da, das geht gar nicht anders, wenn man so früh damit konfrontiert wird. Ich glaube, dass es einfach eine Zeitlang dauert, bis man sich sein eigenes Bild gemacht hat. Ich habe verschiedene Phasen durchlebt. Meine Einstellung ist immer gleich geblieben, obwohl, sie hat sich vielleicht auch ein bisschen geändert in den vergangenen Jahren. Jedenfalls hatte ich nie das Gefühl, mich beruflich von meiner Familie abgrenzen zu wollen, weil ich ja auch wahnsinnig stolz auf sie bin. Aber bestimmt hat mein Zögern auch etwas damit zu tun, dass ich so wahnsinnig viele Interessen habe und so viele Dinge liebe und erst mal für mich gucken musste, wo ich mehr als 100 Prozent geben möchte.

Gab es einen speziellen Anlass, der Sie dann letztendlich zur Schauspielerei gebracht hat?

Es war eher so ein Gefühl. Es fängt mit einem leichten Kribbeln an und wird dann immer größer. Wenn man dann Blut geleckt hat und den Beruf wirklich liebt, dann ist es wahnsinnig schwer, sich dem Spiel-Trieb zu entziehen. Die Schauspielerei ist ja auch ein tolles Ventil, um Geschichten zu verbreiten.

Wenn man wie Sie aus einer Schauspieler-Familie kommt, ist der Beruf dann reines Handwerk oder hat er auch etwas Glamouröses?

Ich würde sagen, es ist auf jeden Fall ein besonderer Beruf. Einer, über den sich auch streiten lässt. Für mich hat die Schauspielerei auf keinen Fall nur mit Glamour zu tun, dazu gehört für mich sozusagen auch ein proletarisches Herz. Ein bisschen Glamour gehört natürlich dazu, aber es geht auch komplett ohne. Und eigentlich ist es ja auch ganz normal, dass Berufe in einer Familie weitergegeben werden.

Sie haben neben der Schauspielerei schon ein bisschen was ausprobiert. Was war denn bei Ihren vielen Interessen der ernsthafteste Berufswunsch, der da aufkam?

Ich habe mich lange irgendwie dafür geschämt, das zu kommunizieren aber woran ich immer noch arbeite, ist das Schreiben und Fotografieren. Das ist schon mehr als eine Leidenschaft, würde ich sagen. Ich spiele auch tatsächlich mit dem Gedanken, mich für ein Studium der Kameratechnik zu bewerben.

Was schreiben Sie denn so?

Ich schreibe Gedichte, und ich arbeite auch an einem Drehbuch. Ach, ich schreibe eigentlich alles und sehr, sehr viel. Das habe ich schon als Kind getan – fotografieren auch.

Ist denn die Schauspielschule auch noch eine Option?

Dafür habe ich mich beworben. Ich habe mich ein halbes Jahr ein bisschen rausgezogen aus allem, mich vorbereitet und weitergebildet und mich dann beworben – aber ich wurde leider abgelehnt. Ich galt laut der Schauspielschule als talentfrei. In allen Bereichen! Die waren echt mies zu mir, das muss ich wirklich sagen. Aber ich bin trotzdem stolz und froh, dass ich das ausprobiert habe.

Versuchen Sie es noch an einer anderen Schauspielschule oder ist das Thema abgehakt?

Das Thema ist für mich abgeschlossen. Ich würde jetzt lieber dieses Kamera-Ding machen. Ich finde es toll, sich, wenn man jung ist, einfach die Zeit zu nehmen, etwas zu lernen und sich längere Zeit mit einem Thema auseinanderzusetzen.

Die Schauspielerei wird ja sicher ein wichtiger Teil Ihres Lebens bleiben. Auf was haben Sie denn Lust? Komödie, Action oder Schnulze? Theater, Kino oder Fernsehen?

Ich bin ein Film-Mädchen. Ich liebe Filme! Ich kann mir tatsächlich vorstellen, alles Mögliche zu spielen. Zum Beispiel eine richtige Gangster-Braut, das habe ich mir schon immer gewünscht. Und Komödie geht sowieso immer. Ich stehe auch auf Trash-Filme – wo man beim Spielen so richtig auf die Kacke hauen kann. (lacht)

Lassen Sie sich dabei von Ihrer Mutter und Ihrer Großmutter beraten?

Mal so, mal so. Ich hole mir immer gern Ratschläge. Aber manchmal kommt man ja auch gar nicht dazu, über so etwas zu reden. Oder man ist froh, wenn man mal nicht über die Arbeit reden muss. Ich habe das große Privileg und Glück, zwei so coole, tolle Menschen um mich zu haben, von denen ich lernen darf.

Haben Sie denn als Schauspielerin schon neue Projekte in Arbeit?

Ich drehe eine Doppelfolge von "Letzte Spur Berlin", dann steht noch eine "Soko"-Folge an und ein, zwei Projekte, über die noch nicht gesprochen werden darf. Aber es kommen coole Sachen, auf jeden Fall! Auch am Theater. Am Berliner Schiller-Theater spielen wir mit der ganzen Familie – darauf freue ich mich auch schon sehr.

Apropos Familie: Wenn man aus einer so bekannten Familie kommt und das durch die Ähnlichkeit auch gar nicht leugnen kann, ist das Fluch oder Segen?

Es ist beides in einem. Es ist ein großes Glück, aber es hat auch Nachteile. Das ist immer ausgeglichen, wie Yin und Yang.

Sie hatten Ihre Zeit im Internat schon angesprochen. Sie sind ja freiwillig dorthin gegangen. Haben Sie diese Entscheidung mal bereut?

Nein. Die Zeit dort hat mir wahnsinnig viel gegeben. Ich habe mich viel mit dem Bereuen auseinandergesetzt, und natürlich kam mir auch der Gedanke, wie es gewesen wäre, wenn ich in Berlin groß geworden wäre, was mir dort so passiert wäre. Aber ich will die Zeit im Internet auf keinen Fall missen, weil sie mich zu dem Menschen gemacht hat, der ich bin, und ich mir dort ganz ohne den Einfluss meiner Familie oder der Großstadt mein eigenes Bild vom Leben machen konnte.

Sie haben in einem Video der Band Feine Sahne Fischfilet mitgespielt. Wie kam es denn dazu?

Das war ganz lustig. Der Regisseur des Videos, Christoph Letkowski, ist ein Schauspieler-Kollege, und er hat auch bei "Lotte Jäger und die Tote im Dorf" mitgespielt. Dort am Set haben wir uns kennengelernt und uns total freundschaftlich ineinander verliebt. (lacht) Er macht selbst auch Musik gemacht und ist mit den Jungs ganz gut befreundet. Als er bei "Niemand wie ihr" Regie geführt hat, hat er mich mit ins Boot geholt. Und ich noch meine Mutter mit ins Boot geholt. So kam das.

Punk – ist das die Art von Musik, die Sie gern hören?

Früher schon. Es fing an mit Punk, aber dann war ich voll das Hip-Hop-Mädchen. Aber so ein Punk-Song ist schon hin und wieder auch dabei.

Fragen: Nicole Rieß

"Lotte Jäger und die Tote im Dorf": 3. September um 20.15 Uhr im ZDF