Als Günther Jauch kurz nach dem Start von „Wer wird Millionär?“ erklären sollte, warum die Sendung so beliebt ist, nannte er unter anderem die „Rückbesinnung auf das Einfache, auf das Klare“, denn optisch sei das statische Format schließlich „Steinzeitfernsehen“.

Daran hat sich bis heute ebenso wenig geändert wie am Erfolg der im September 1999 gestarteten Show. Seinen eigenen Anteil hat Jauch damals heruntergespielt: Das Konzept sei so gut, „da könnte man auch einen Besenstiel als Moderator hinsetzen.“

Ohne Jauch wäre das Format wohl längst abgesetzt

Das ist natürlich maßlos untertrieben; ohne Jauch wäre das Format vermutlich längst abgesetzt.

Aber auch die Kollegen Alexander Bommes, Kai Pflaume, Jörg Pilawa (alle ARD) und Johannes B. Kerner (ZDF) haben in den letzten Jahren ihren Teil dazu beigetragen, dass das ewig junge Quiz-Genre im deutschen Fernsehen eine Renaissance nach der anderen erlebt.

 

Das „Quizduell“ mit Jörg Pilawa basiert auf der gleichnamigen App aus Schweden.
Das „Quizduell“ mit Jörg Pilawa basiert auf der gleichnamigen App aus Schweden. | Bild: Uwe Ernst/dpa

Völlig verschwunden war die älteste Unterhaltungsform der Rundfunkgeschichte ohnehin nie. Die Grundformen, erläutert der Marburger Medienwissenschaftler Gerd Hallenberger, „sind seit der Erfindung vor neunzig Jahren fürs amerikanische Radio unverändert: Einer stellt Fragen, andere antworten.“

Die große Stärke des Genres sei seine Anpassungsfähigkeit: „Quiz ist auf der ganzen Welt beliebt, weil es sich mühelos in jeweilige kulturelle Kontexte integrieren lässt. Das Basiskonzept ist universell und unkaputtbar.“ Deshalb lassen sich die Formate auch so leicht adaptieren.

In über 100 Länder verkauft

„Wer wird Millionär?“, ursprünglich für den britischen Privatsender ITV 1 entwickelt, ist in über hundert Länder verkauft worden. „Gefragt – gejagt“ (Bommes) stammt ebenfalls aus Großbritannien. „Quizduell“ (Pilawa) basiert auf der gleichnamigen App aus Schweden.

Zur Zeit sehr erfolgreich: Alexander Bommes mit der Show "Gefragt – Gejagt".
Zur Zeit sehr erfolgreich: Alexander Bommes mit der Show "Gefragt – Gejagt". | Bild: Uwe Ernst/dpa

Quizsender Nummer eins ist derzeit die ARD. In „Gefragt – Gejagt“ (werktags um 18.00 Uhr) tritt ein Kandidatenteam gegen einen Profi-Quizspieler (den Jäger) an.

„Gefragt – Gejagt“ legt kontinuierlich zu

Maßgeblichen Anteil am Erfolg hat nicht zuletzt der Moderator. Bommes (43), dank „Sportschau“ und „Sportschau-Club“ mittlerweile eines der bekanntesten ARD-Gesichter, hat seine Handballkarriere (Bayer Dormagen, VfL Gummersbach) zugunsten eines Jurastudiums beendet und nach dem ersten Staatsexamen ein Volontariat beim NDR absolviert.

Dort führte er im dritten Programm durch verschiedene Unterhaltungssendungen, darunter bis 2015 auch die „NDR-Quizshow“, deren Moderation er zugunsten der NDR-Talkshw „Bommes und Tietjen“ abgab. „Gefragt – Gejagt“ präsentiert er bereits seit 2012. Die Rateshow hat seit 2017, als sie vom NDR Fernsehen ins „Erste“ wechselte, kontinuierlich zugelegt.

Bei „Wer weiß denn sowas?“ mit Kai Pflaume gibt es zwei Prominenten-Teams aus je zwei Spielern.
Bei „Wer weiß denn sowas?“ mit Kai Pflaume gibt es zwei Prominenten-Teams aus je zwei Spielern. | Bild: Christian Charisius/dpa

Dritte Erfolgsshow der ARD – die drei Sendungen wechseln sich staffelweise ab – ist „Wer weiß denn so was?“ (seit 2015, mit Kai Pflaume), für den Unterhaltungsexperten Hallenberger „eins der besten in Deutschland entwickelten Formate der letzten zehn Jahre.“

Warum sind Quizsendungen immer noch so beliebt?

In jeder Folge gibt es zwei Prominenten-Teams aus je zwei Spielern; die Teams werden jeweils von Bernhard Hoëcker und Elton angeführt. Bei „Da kommst Du nie drauf!“ (seit 2017 im ZDF) wirken ebenfalls Prominente mit, allerdings in stetigem Wechsel.

Das Format mit Johannes B. Kerner ist ein bisschen durchs Programm gewandert und hat zuletzt ebenso viele Zuschauer erreicht wie „Gefragt – Gejagt“ (im Schnitt gut 2,2 Millionen).

"Da kommst du nie drauf!" mit Johannes B. Kerner erreicht im Schnitt 2,2 Millionen Zuschauer.
"Da kommst du nie drauf!" mit Johannes B. Kerner erreicht im Schnitt 2,2 Millionen Zuschauer. | Bild: Frank W. Hempel/dpa

Trotzdem stellt sich die Frage, warum Quizsendungen in all ihrer Schlichtheit immer noch so beliebt sind. Hallenberger bezeichnet das Genre als „erste Form von interaktivem Fernsehen: Auf dem Bildschirm werden Fragen gestellt, und zuhause kann jeder mitraten. Das bringt einem zwar keinen materiellen Gewinn, aber man erfährt sich selbst als kompetent“, selbst wenn damit ein gewisser Selbstbetrug verbunden sei: „weil man im heimischen Wohnzimmer natürlich nicht im Scheinwerferlicht steht, weil kein Moderator auf die Antwort wartet und weil man nicht befürchten muss, ausgelacht zu werden, wenn man komplett daneben liegt.“

Als weiteren wichtigen Punkt betrachtet der Marburger die Ergebnisspannung. „Ein ‚Tatort’ muss sich an bestimmte Parameter halten: Der Mörder wird gefasst, und den Kommissaren wird nichts passieren. Beim Quiz dagegen weiß man nicht, wie’s ausgeht.“

Diese Horror-Kandidatin machte Jauch das Leben schwer: