Die Projektpartner von Stuttgart 21 haben sich in der S-21-Sonder-Lenkungskreissitzung vom Montag in Stuttgart in einer gemeinsamen Absichtserklärung für den Erhalt der Panoramabahn ausgesprochen. Die Strecke solle saniert und um einen Haltepunkt ergänz werden – den sogenannten „Nordhalt“, einer noch zu bauenden Haltestelle in der Nähe des Stuttgarter Nordbahnhofs, der rund zwei Kilometer vom Hauptbahnhof entfernt liegt. Die Panoramabahn ist das Endstück der Gäubahn aus Richtung Zürich/Bodensee/Singen, das von Stuttgart-Vaihingen aus in den Stuttgarter Stadtkessel bis zum Hauptbahnhof führt.

Geplant war seitens der Bahn zunächst, die Gäubahn im Zuge der S21-Bauarbeiten von Sommer 2025 an in Stuttgart-Vaihingen für mehrere Jahre enden zu lassen, bis die neue direkte Gäubahn-Anbindung über den Stuttgarter Flughafen fertiggestellt ist. Die Bahn wollte die Panorambahnstrecke zunächst stilllegen.

Gegen die Unterbrechung, den erforderlichen Umstieg der Reisenden in Stuttgart-Vaihingen auf die S-Bahn und die damit verbundene Verlängerung der Fahrtzeit hatte sich zuletzt massiver Protest erhoben, insbesondere seitens der Anrainerkommunen der Gäubahn bis nach Singen. Drei unabhängige Rechtsgutachten hatten zudem die Zulässigkeit einer mehrjährigen Unterbrechung und die Stilllegung der Panoramabahn durch die Bahn infrage gestellt.

Der Umstieg bleibt

Zumindest die Stilllegung ist mit der Vereinbarung vom Tisch. Künftige Betreiberin des Streckenabschnitts auf der Panoramabahnstrecke wäre dann nicht mehr die Bahn, sondern eine noch zu gründende neue Betreibergesellschaft im Auftrag des Landes. Für die Reisenden und die Anrainerkommunen aber ändert sich durch diese Entwicklung wenig – sie müssten auch bei Erhalt der Panoramabahnstrecke nach heutigem Stand weiter umsteigen, um zum Hauptbahnhof zu kommen.

Denn die Panoramabahn soll weiter zum Nordbahnhof führen, nicht zum Hauptbahnhof. Einen Umstieg für Gäubahn-Reisende am neuen „Nordhalt“ hatte der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) erst in der vergangenen Woche als „wenig komfortabel“ für die Reisenden bezeichnet.

Im Gegensatz zum Regionalbahnhof in Stuttgart-Vaihingen, wo ein Umstieg in die S-Bahn nur ein paar Meter entfernt ist, müssten Reisende vom Nordhalt aus vermutlich mehrere hundert Meter zur Umstiegsmöglichkeit Richtung Hauptbahnhof zurücklegen.

Tunnel ist beschlossen

Zugleich einigten sich die Projektpartner in der Sitzung auf die Finanzierung des neuen Pfaffensteigtunnels, die die Gäubahn künftig an den Flughafen und darüber an den neuen Tiefbahnhof anschließen soll. 270 Millionen aus dem Budget von Stuttgart 21 für den Umbau des Bahnknotens und den Bau des neuen Tiefbahnhofs sollen in die Erstellung der neuen Röhre zwischen Böblingen und dem Landesflughafen fließen, wie Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) mitteilte. Der Bund sichere die Finanzierung der weiteren Kosten zu.

Der Tunnel soll von 2026 gebaut werden und Ende 2032 in Betrieb gehen. Nach Ansicht der Stuttgart 21-Partner von Land, Verband Region Stuttgart, Landeshauptstadt und Bahn macht der Tunnel die Gäubahn – die Strecke zwischen Stuttgart und Zürich – für den sogenannten Deutschlandtakt fit. Mit ihm will die Bahn den Fern- und Regionalverkehr besser aufeinander abstimmen. Außerdem sollen zwischen den großen Zentren mehr Züge fahren, dafür muss die Schieneninfrastruktur ausgebessert und ausgebaut werden.

Bild 1: Lösung für Gäubahn scheint gefunden
Bild: Steller, Jessica

Die elf Kilometer lange und etwa eine Milliarde Euro teure Röhre soll die Strecke unterirdisch unter den Fildern hindurchführen und am Flughafen in die geplante Fernbahnstation münden. Von dort aus sollen Reisende eines Tages weiter zum neuen Stuttgarter Tiefbahnhof „Stuttgart 21“ fahren. Bisher sollten die Züge aus Richtung Horb über die S-Bahn-Gleise zum Flughafen fahren. Nach Angaben der Deutschen Bahn soll während der Bauzeit des Tunnels ab Mitte 2025 eine durchgängige Verbindung in die Landeshauptstadt nicht mehr möglich sein. Die Bahn spricht nun von einer Zeit von „rund zwei Jahren“.

„Gordischer Gäubahn-Knoten durchschlagen“

Stattdessen sollen Gäubahn-Reisende, wie bislang geplant, in Vaihingen in die S-Bahn Richtung Hauptbahnhof umsteigen. Das kann nach Bahnangaben vereinzelt zu längeren Reisezeiten führen. Außerdem sind sich das Land und die Deutsche Bahn einig, dass Böblingen und Singen am ICE-Netz angeschlossen bleiben sollen. Der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) sagte, der gordische Gäubahnknoten sei durchschlagen. Die Gäubahn werde besser, schneller und leistungsfähiger.

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Der Bahnbevollmächtigte für Baden-Württemberg, Thorsten Krenz, sagte, es sei ein großer Wurf gelungen. Der Bund habe die Deutsche Bahn für die Ausbauplanungen beauftragt. Erst vor kurzem hatten die erneut stark steigenden Kosten für das Großbauprojekt Stuttgart 21 Schlagzeilen gemacht.

Nach aktuellen Annahmen summieren sich die Investitionen für den Bau des Stuttgarter Tiefbahnhofs und weiterer Projekte auf mehreren Trassen auf insgesamt rund 9,15 Milliarden Euro, hinzu kommt ein Vorsorgepuffer. Mit Blick auf die explodierenden Kosten auf dem Bau und stockende Lieferketten erwarten Kritiker weitere Kostensteigerungen. Der Tiefbahnhof soll nach dem Zeitplan der Deutschen Bahn Ende des Jahres 2025 in Betrieb genommen werden.