Nadja Groß kann erst dann aufatmen, wenn sie ihren Freund aus der Schweiz tatsächlich auf deutschem Boden umarmen kann. „Das ist eine schwierige Zeit, die wir durchmachen müssen“, sagt die 25-Jährige aus Allensbach. Sieben Wochen konnte sich das Paar, das getrennt voneinander in Deutschland und der Schweiz lebt, nicht persönlich sehen.

Hotelrechnungen und Fotos als Nachweis für ihre Beziehung

Immerhin: Seit einigen Tagen darf Nadja Groß zu ihrem Freund in die Schweiz fahren. Eine Sondergenehmigung der Schweizer Ausländerbehörde macht es möglich. Mittels Nachweisen wie Hotelrechnungen und gemeinsamen Bildern habe das Paar ihre Beziehung glaubhaft nachweisen müssen, sagt die Personalerin.

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Sie wollen weiter Abwarten

Nun hofft Nadja Groß darauf, dass die deutschen Grenzbehörden nachziehen, damit sie ihr Verlobter auch in Deutschland besuchen kann. Eine neue Grenzregelung des Bundesinnenministeriums sieht vor, dass sich Ehe- und eingetragene Lebenspartner, aber auch Lebenspartner, die nicht eingetragen sind, unter Umständen in Deutschland treffen dürfen. Weil aber noch immer viele, die aus diesem Grund nach Deutschland reisen möchten, nicht über die Grenze gelassen werden, will das junge Paar noch abwarten.

Am Emmishofer Zoll in Konstanz strandeten am Freitag, 23. April, viele Menschen, die zu ihrem Partner oder Partnerin nach Deutschland wollten.
Am Emmishofer Zoll in Konstanz strandeten am Freitag, 23. April, viele Menschen, die zu ihrem Partner oder Partnerin nach Deutschland wollten. | Bild: Lukas Ondreka

„Ich war sehr traurig und verzweifelt, weil ich den wichtigsten Mensch so lange nicht sehen und berühren konnte“, sagt sie.

Bundestagsabgeordneter Jung beantwortete ihre Nachricht

Für die Liebe ist Nadja Groß bereit, auf die Barrikaden zu gehen: Die gelernte Personalerin schrieb zahlreiche Politiker an, auch die Ursula von der Leyen. Von der EU-Kommissionspräsidentin habe sie aber keine Antwort erhalten. Im Gegensatz zu dem Konstanzer Bundestagsabgeordneten Andreas Jung, mit dem sie vor einer Woche wegen der für das Paar belastenden Situation in Kontakt getreten sei. Sie sei froh und dankbar, dass Jung und andere Politiker aus der Region die Neuregelung durchgedrückt hätten, sagt sie. Und ergänzt: „Jetzt muss das nur noch bei den Beamten an der Grenze ankommen.“

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Nadja Groß ist beileibe nicht die Einzige, die von den Regularien des Schweizer Staatssekretariats für Migration (SEM) profitiert. Auch Jacqueline Siewert berichtet dem SÜDKURIER, dass auch unverheirateten Paaren ein Wiedersehen auf Schweizer Seite leichter möglich ist. Anfang April beantragte die Radolfzellerin eine Ausnahmegenehmigung beim SEM, seit Anfang der Woche darf sie nun rüber zu ihrem Verlobten, der in Berg im Kanton Thurgau lebt.

Treffen jeden Tag am Grenzzaun

Nun sei sie froh, ihren Partner wieder sehen zu können. „Es war eine ganz schwere Zeit ohne ihn“, schildert die 27-Jährige die Situation der vergangenen Wochen. „Bei ihm ist mein Zuhause.“ Jeden zweiten Tag haben sie sich am Grenzzaun getroffen, um sich nah sein zu können. Im Juli will das Paar nun standesamtlich heiraten, sofern das möglich ist. Die kirchliche Trauung soll nach Corona folgen. Ehepartnern ist der Grenzübertritt nach der Lockerung uneingeschränkt möglich.