Wer in diesen Tagen am Bodensee unterwegs ist, sieht zahlreiche Touristen: Die Promenaden sind voll, die Terrassen der Restaurants und die Liegewiesen am Ufer gut besucht. Was die Hoteliers und Gastronomen freuen dürfte, beobachten die Behörden vor dem Hintergrund erneut steigender Corona-Infektionen mit gewisser Anspannung.

„Neben den Einreisenden aus dem Ausland dürfen natürlich auch durch inländischen Tourismus keine Infektionsherde entstehen“, sagte ein Sprecher des Sozialministeriums. „Umso mehr appellieren wir an die Menschen, sich an die Corona-Regeln zu halten.“

Generell gelte: Wenn die Mobilität der Menschen zunehme, steige auch die Gefahr einer Ansteckung, sagte der Sprecher. „Auch wenn sich im Urlaub sicherlich eine gewisse Unbeschwertheit breit macht, sollten die Corona-Regeln unbedingt eingehalten werden.“

Leichtsinniger Umgang mit dem Virus könne sich durch mögliche zweite Welle rächen

Bis ein Impfstoff entwickelt wird, sei es wichtig, Abstand zu halten und Masken zu tragen. Ein allzu leichtsinniger Umgang mit dem Virus im Sommer werde sich durch steigende Fallzahlen und eine mögliche zweite Welle sonst bitter rächen.

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Auch im Bodenseekreis beobachtet man die Tourismus-Entwicklung aufmerksam, wie ein Sprecher des Landratsamtes sagt. „Wenn viele Menschen zusammenkommen, ist auch die Möglichkeit, dass sich das Virus schnell verbreiten kann, theoretisch groß.“ Das hänge natürlich stark davon ab, wie gut die Menschen die Hygieneregeln befolgten.

„Wenn alle mitmachen, kann das funktionieren.“

„Wir raten also nicht per se davon ab, Urlaub zu machen, sondern appellieren daran, die Regeln zu befolgen.“ Zudem könnten Touristen beispielsweise darauf achten, Sehenswürdigkeiten nicht zu Hochzeiten zu besuchen, sagte der Sprecher- „Wenn alle mitmachen, kann das funktionieren.“

Für Kontrollen sind nach Angaben des Sozialministeriums die Kommunen selbst zuständig. Sie müssten im Zweifel auch geeignete Maßnahmen ergreifen, um Ansteckungen zu minimieren. So seien bereits Badeseen im Südwesten aufgrund eines zu großen Andrangs gesperrt worden.

Sipplingen schloss vorübergehend Teile der Uferanlagen

Auch in Sipplingen am Bodensee hatte die Gemeinde vorübergehend Teile der Uferanlagen jeweils von Freitag bis Sonntag geschlossen, um die Hygiene- und Abstandsregeln auch bei sehr großem Besucherandrang einhalten zu können. Und im bayrischen Lindau will die Polizei nach Kritik an Verstößen gegen die Corona-Regeln durch Urlauber am Wochenende verstärkt kontrollieren.

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In den Reiseregionen wie Schwarzwald und Bodensee bestehe derzeit eine gute bis sehr gute Auslastung, hieß es beim für den Tourismus zuständigen Justizministerium in Stuttgart. „Viele Menschen entscheiden sich für einen Urlaub im Inland oder machen vermehrt Tagesausflüge in der Region. Deswegen wird es insbesondere an Wochenenden am Bodensee oder bekannteren Freiluftzielen durchaus voller.“

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Minister Guido Wolf (CDU): „Wir appellieren an die Vernunft der Menschen“

Bislang habe sich nach Informationen des Ministeriums in Baden-Württemberg noch keine touristische Nutzung als größerer Infektionsherd herausgestellt, sagte Minister Guido Wolf (CDU). „Damit das so bleibt, appellieren wir an die Vernunft der Menschen: Auch wenn im Freien die Ansteckungsgefahr sehr wahrscheinlich geringer ist, sollten auch dort Abstände eingehalten werden und eine Maske griffbereit sein. Wolf rät Urlaubern daher, auf weniger bekannte Ziele zu setzen: „Statt an Orte und Ziele zu fahren, die schon vor der Krise sehr beliebt waren, lohnt es sich, auch die Alternativen in Baden-Württemberg in den Blick zu nehmen.“

Traditionell beliebte Ferienregionen seien inzwischen wieder gut gebucht, sagt auch ein Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) im Südwesten. Konkrete Buchungszahlen liegen noch nicht vor. Vollbesetzte Cafes und gut besuchte Urlaubsregionen erweckten den Eindruck, alles sei wieder normal. „Im Gastgewerbe gibt es aber keinen nachholenden Konsum. Die Verluste, die während der Einschränkungen aufgelaufen sind, können unsere Mitglieder nicht mehr reinholen.“

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Zudem gebe es weiterhin Teile der Branche, die im Schatten lägen: „Bei Geschäftsreisen und Tagungen läuft so gut wie nichts“, sagte der Sprecher. Und andere Bereiche wie Diskotheken und Clubs hätten bisher noch gar keine Öffnungsperspektiven.

(dpa)

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