Deutsche Urlauber zieht es in diesem Jahr vor allem zu deutschen Zielen. Das ergab kürzlich eine Online-Befragung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Gebucht würden vor allem Ferienwohnungen und -häuser. Auch am Bodensee macht sich dieser Trend bemerkbar. Besonders begehrt sind derzeit Ferienwohnungen und Campingplätze, hatte Ute Stegmann, Geschäftsführerin der Deutschen Bodensee-Tourismus GmbH (DBT), kürzlich dem SÜDKURIER erklärt: „Bei den Ferienwohnungen gibt es nicht mehr viel Auswahl.“

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Heike Marx, Inhaberin von „Marx managt“ in Überlingen, die 38 Ferienwohnungen am Bodensee für Gäste anbietet, schildert ähnliches: Nach dem Lockdown „sind wir direkt von der Storno- in die Reisewelle gestartet“. Derzeit seien die Wohnungen, die sie in Überlingen, Sipplingen, Salem, Uhldingen, Meersburg, Konstanz und Bodman anbietet, alle ausgebucht. Hin und wieder gebe es diesen Sommer noch kleine Lücken von zwei bis drei Tagen, „die werden dann meist kurzfristig angefragt und sind auch schnell weg“, so die Tourismusexpertin.

Heike Marx vermietet 38 Ferienwohnungen im westlichen Bodenseekreis.
Heike Marx vermietet 38 Ferienwohnungen im westlichen Bodenseekreis. | Bild: Martin Deck

In Friedrichshafen gibt es im August noch vereinzelt freie Ferienwohnungen für bis zu zwei Personen, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Speziell Ferienwohnungen für drei bis vier Personen, also eine klassische Familiengröße, sowie Objekte in Seenähe seien aber bereits ausgebucht. Auffallend sei, dass die Anfragen, die speziell hier in der Tourist-Information eingehen, sehr kurzfristiger Natur seien.

Bild: Daniel Reinhardt

„Speziell zur Wiederöffnung der Ferienwohnungen ab 18. Mai und der Hotellerie ab 25. Mai war eine klare Tendenz zu erkennen, dass Ferienwohnungen eine hohe Anzahl an Buchungen generieren konnten“, heißt es von der Häfler Tourist-Information weiter. Diese Entwicklung lasse sich wahrscheinlich damit begründen, dass sich Gäste mit einer autarken Versorgungsmöglichkeit sicherer und unabhängiger gefühlt haben. Die Entwicklung habe sich im Laufe der vergangenen Wochen relativiert. „Inzwischen weisen auch Hotels, speziell seit Ende Juni, sehr gute und teilweise auch sehr hohe Auslastungen auf.“

Die Urlaubsgäste hätten ihre eigenen vier Wände, könnten in der Ferienwohnung kochen und müssten sich nicht zwangsläufig unter viele Menschen begeben, nennt Heike Marx einige Gründe, warum Ferienwohnungen bei Urlaubern derzeit begehrt sind. „Die Ferienwohnungen werden gründlich desinfiziert, ansonsten gibt es für Ferienwohnungen kaum Restriktionen.“

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Das Unternehmen DS Destination Solutions, Teil der HRS-Gruppe und eigenen Angaben zufolge Vermittler von insgesamt rund 250 000 Ferienunterkünfte in Deutschland und Österreich, hat für den Bodensee erhoben, dass im August nur zehn Prozent der Ferienwohnungen und Häuser frei bleiben. Mehr Kapazität gebe es für Spätsommer und Herbst. „Im September sind 26 Prozent der Wohnungen und Häuser noch frei – im Oktober 50 Prozent“, so deren Erhebung.

Schwierige Prognosen: Wie geht es im Herbst weiter?

Laut DBT-Chefin Ute Stegmann ist es im Moment schwierig, eine Prognose für den Herbst zu treffen, die aktuelle Lage sei dafür zu unsicher. Die Buchungsanfragen sind auch noch nach den Ferien gut, sagt hingegen Heike Marx. Dann kämen viele Menschen, die nicht auf die Ferien angewiesen seien. Sie rechnet hier auch noch mit vielen kurzfristigen Anfragen. „Insgesamt wird seit einigen Jahren eher kurzfristig gebucht“, sagt Marx.

Aus Friedrichshafen heißt es: „Wie sich der Trend in der zweiten Jahreshälfte entwickelt, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht feststellen und hängt von vielen Faktoren ab. Bis jetzt ist der Monat September in Friedrichshafen noch nicht komplett ausgelastet, der Oktober ist noch verhalten.“

Ute Stemann (DBT)
Ute Stemann (DBT) | Bild: Lisa Dünser Fotografie

Aus der Sicht von Heike Marx verhalten sich die Urlauber am Bodensee sehr verantwortungsvoll. „Wenn die Gäste den Schlüssel zur Ferienwohnung bei uns an der Rezeption abholen, tragen sie eine Maske und halten sich auch ansonsten an die bestehenden Regeln“, sagt Marx. Seit einiger Zeit mache sich bei den Urlaubern allerdings auch wieder eine größere Verunsicherung bemerkbar: „Die Diskussionen über eine zweite Welle sorgen dafür, dass Gäste wieder vermehrt bei uns anfragen, was passiert, wenn sie nicht anreisen dürfen.“

Dass Urlauber in der Corona-Krise als Sicherheitsrisiko wahrgenommen werden, hält sie für falsch. Wenn Deutsche extra in Deutschland urlauben, dann dürfe man ihnen das nicht auch noch vermiesen, findet sie. Auch für Touristiker seien Gäste jetzt wichtig: Die Saison sei schließlich schon kurz genug.

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Die Erhebung von DS Destination Solutions zeigt auch Entwicklungen zur durchschnittlichen Aufenthaltslänge der Gäste. „Sie bleiben im Schnitt 5,2 Nächte. Damit verbringen sie 31 Prozent mehr Zeit pro Reise in der Region als 2019. Der Trend geht hier also klar zu längeren Aufenthalten“, so die Ergebnisse.

Lange oder kurze Reisen? Trends in der Reisebranche

„Die Erhebung von DS Destination Solutions können wir zum Teil bestätigen“, erklärt die Stadt Friedrichshafen: „Friedrichshafen und speziell der Bodensee waren schon immer ein beliebtes Urlaubsziel auch für längere Aufenthalte, speziell für die Zielgruppe Familien, jedoch auch viele Stammgäste. Die Urlauber, die länger am See bleiben, suchen sich oft eine Ferienwohnung als Unterkunft.“ Jedoch sei beim Tourismus insgesamt nicht erst seit Corona die Entwicklung erkennbar, dass immer mehr Urlauber für kürzere Aufenthalte von zwei bis drei Tagen eine Unterkunft mit autarker Versorgung wählen, „dies nicht zuletzt durch den Trend, öfters und dafür aber kürzer zu verreisen“, so die Stadt.

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