Waren bei der Gruppenvergewaltigung der 18-jährigen Freiburger Studentin Mitte Oktober K.o.-Tropfen im Spiel? Und wie verbreitet sind diese chemischen Substanzen wirklich im Südwesten? Zumindest die erste Frage kann wohl nicht mehr geklärt werden. Fest steht nur: Das Opfer, das während der Gewalttaten wehr- und hilflos war, hatte Drogen im Blut. Laura Riske von der Pressestelle des Freiburger Polizeipräsidiums:

„Die Frau hat ausgesagt, im Club zuvor Extasy konsumiert zu haben. Und bei den Untersuchungen der Rechtsmediziner vom Landeskriminalamt wurden im Blut des Opfers berauschende Substanzen festgestellt. Aber es ließ sich durch den Zeitverzug bis zur Untersuchung nicht mehr feststellen, ob auch K.o.-Tropfen verabreicht wurden“, so Riske.

Substanzen zum Teil frei erhältlich

Ein beispielhafter Fall dafür, wie schwierig es ist, den Einsatz von K.o.-Tropfen nachträglich nachzuweisen. Unter diesen Begriff fällt eine Vielzahl von chemischen Substanzen. Zwei der verbreitesten sind unter den Kürzeln GBL (Gamma-Butyro-Lacton) und GHB (Gamma-Hydroxy-Buttersäure) bekannt. GHB-Tropfen sind im Medizinhandel erhältlich und fallen als Droge unter das Betäubungsmittelgesetz.

GBL ist ein chemischer Wirkstoff, der in der Industrie als Reinigungs- und Lösungsmittel weit verbreitet ist und legal im Internet bestellt werden kann. Ein Verbot oder eine kontrollierte Abgabe von GBL gilt als politisch nicht durchsetzbar. Im menschlichen Körper wird GBL in GHB umgewandelt. Während GHB praktisch geschmacklos ist, kann das nur leicht bittere GBL schon in einem Getränk mit starkem Eigengeschmack kaum noch wahrgenommen werden. In einem Club heimlich ein paar Tropfen ins Getränk, und das Opfer wird binnen kurzer Zeit benommen, wehrlos, willenlos und je nach Dosis bewusstlos – und kann sich Stunden später an nichts erinnern.

Polizei vermutet Dunkelziffer

Tendenziell aber, so berichten übereinstimmend Sprecher vom Landeskriminalamt sowie den Polizeipräsidien in Konstanz und Freiburg, hat die Zahl der angezeigten Verdachtsfälle auf die Verabreichung von K.o.-Tropfen in den vergangenen Jahren landesweit eher abgenommen. Die Polizei führt das unter anderem auch auf erfolgreiche Aufklärungsarbeit zurück, die Sensibilität bei Clubgängern habe deutlich zugenommen.

Erfasst werden die K.o-Tropfen-Fälle in der Statistik über „gefährliche Körperverletzung durch Vergiftung“, wobei dazu auch andere Vergiftungen zählen. So registrierte das Landeskriminalamt 2017 landesweit dieser 205 Fälle, im Jahr zuvor waren es noch 283, wie Pressesprecher Horst Haug mitteilt.

Auch die Zahlen im Konstanzer Polizeipräsidium sind rückläufig: Nach 40 Verdachtsfällen 2015 und 43 Fällen im Jahr 2016 waren es im vergangenen Jahr noch 26. „Auch bei uns sind das Einzelfälle“, sagt seine Freiburger Kollegin Riske. Generell geht die Polizei allerdings von einer unbekannten Dunkelziffer aus: Opfer, die sich aus Scham nicht melden oder davon ausgehen, durch zu viel Alkohol einen Filmriss gehabt zu haben.

Nur wenige Fälle bestätigt

Auch Uwe Stedtler, Pharmakologe, Toxikologe und stellvertretender Leiter der Giftzentrale am Freiburger Uniklinikum, die landesweit rund um die Uhr bei Verdachtsfällen auf Vergiftungen berät, berichtet von nur wenigen Verdachtsfällen auf K.o.-Tropfen, die sich am Ende bestätigen. "Das ist eher die Ausnahme. Oft zeigt sich, dass der festgestellte Alkoholpegel eines mutmaßlichen Opfers nicht zu den Angaben passt, wie viel getrunken wurde.

Das waren dann doch auch mal mehrere Cocktails statt einem", sagt Stedtler. Ein Soforttest auf K.o.-Tropfen, etwa durch einen Teststreifen, sagt Stedtler, sei auch wegen der verschiedenen Substanzen eher praxisfern. Er empfiehlt, was auch die Polizei als Schutz propagiert: "Mit Freunden unterwegs sein und einfach immer gut aufeinander aufpassen."