Die biographischen Eckdaten des Mannes, um den es in dieser Geschichte gehen soll, klingen nach deutschem Musterbürger: 21 Jahre alt, unbefristeter Arbeitsvertrag bei einem mittelständischen Betrieb, beliebt bei den Nachbarn, als Spieler und Jugendtrainer aktiv im Fußballverein. Aber Buba Jaiteh ist kein Deutscher. Und das ist sein Problem. Er ist aus Gambia, lebt als Wirtschaftsflüchtling in Hondingen, einem Stadtteil von Blumberg im Schwarzwald-Baar-Kreis. Und trotz seines mustergültigen Lebenswandels ist für die Behörden klar: Jaiteh muss raus aus Deutschland, und das möglichst bald.

Doch diese Rechnung hat das zuständige Regierungspräsidium Karlsruhe ohne die Blumberger gemacht. Ohne Jaitehs Mitspieler bei der SG Riedöschingen/Hondingen, ohne seinen Arbeitgeber und auch ohne Politiker, die sich mittlerweile für ihn einsetzen. Und dennoch droht Jaiteh weiterhin jederzeit die Abschiebung. Zwar wurde seine Duldung zuletzt um 30 Tage verlängert, eine langfristige Perspektive hat er Stand heute jedoch weiterhin nicht.

Die Spieler der SG Riedöschingen-Hondingen und die Zuschauer solidarisieren sich mit Jugendtrainer Buba Jaiteh, der abgeschoben werden soll.
Die Spieler der SG Riedöschingen-Hondingen und die Zuschauer solidarisieren sich mit Jugendtrainer Buba Jaiteh, der abgeschoben werden soll. | Bild: Oliver Gilly

Doch von vorne: Buba Jaiteh kam als Flüchtling in das Erstaufnahmelager in Donaueschingen. Über eine Mitarbeiterin der Caritas entstand dann der Kontakt zum SV Hondingen, wo er als Aktiver begann. Doch nach einem Spiel in November 2018 teilte er dem Verein plötzlich mit, dass er nach Engstingen im Landkreis Reutlingen verlegt werden solle. Der Verein versuchte, dass Jaiteh in Blumberg zu halten, auch die Stadt unterstützte dies. Trotzdem wurde der Gambier nach Engstingen verlegt.

Eine heftige Forderung des Amts

Die Bemühungen gingen weiter. Doch den Behörden reichte nicht, dass die Stadt und der SV Hondingen sich einsetzten. Jaiteh sollte auch noch einen Arbeitsplatz nachweisen. Es kam Kontakt zu Norbert Lay zustande, dem Geschäftsführer von Wieländer+Schill, einem Spezialwerkzeughersteller in Tuningen. Doch Lay platzte der Kragen, als er die Forderungen des Landratsamtes hörte: Das habe gefordert, Jaiteh einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu geben, „und ohne Probezeit“, ergänzt Personalleiterin Sylvia Wipf empört. Und trotzdem ließen sie sich darauf ein.

Und dann kam die Ablehnung

Seit März arbeitet Jaiteh bei Wieländer+Schill, eine Zeit lang schien alles gut zu werden. Doch Mitte Oktober kam der Schock: Er erhielt den Bescheid, dass sein Asylantrag abgelehnt wird und er zurück nach Italien müsse – von wo er einreiste – um von dort zurück nach Afrika geschoben zu werden. Jaiteh ist kein Einzelfall, nicht einmal jeder zwanzigste Gambier wird in Baden-Württemberg als Asylbewerber anerkannt. Doch der Verlauf im Fall Jaiteh macht viele Menschen wütend.

Arbeitgeber ist sauer

Etwa Geschäftsführer Lay, der ihm den bedingungslosen Sondervertrag aushändigte und sich verschaukelt fühlt: „Zuerst werden wir aufgefordert, die Leute im Betrieb zu integrieren und sie einzulernen, und dann nimmt man sie uns wieder weg.“ Auch Kollege Manuel Martin kann die erzwungene Rückkehr nicht verstehen: „Dass ein Mensch, der wirklich gute Arbeit leistet, abgeschoben werden soll, finde ich vom deutschen Staat eine Frechheit.“ Denn: „Er kostet den Staat ja nichts mehr.“

Der Bundestgsabgeordnete Marcel Klinge (rechts) informiert sich bei Wieländer + Schill bei Ali Keysan (Mitte) über den Asylbewerber Buba Jaiteh (links).
Der Bundestgsabgeordnete Marcel Klinge (rechts) informiert sich bei Wieländer + Schill bei Ali Keysan (Mitte) über den Asylbewerber Buba Jaiteh (links). | Bild: Lutz, Bernhard

Große Solidarität im Fußball

Enorme Solidarität erfährt Jaiteh auch im regionalen Fußball. Und das nicht nur von seiner Mannschaft. An einem Spieltag Ende Oktober bekundeten gleich neun Teams mit den Buchstaben „Er gehört zu uns“ ihre Solidarität mit Jaiteh. Auch der Südbadische Fußballverband setzt sich für ihn ein. Ebenso macht sich der FDP-Bundestagsabgeordnete Marcel Klinge für Jaitehs Verbleib stark. Mehr als 600 Menschen haben sich an einer Unterschriftenaktion für Jaitehs Verbleib beteiligt.

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Jaiteh macht seine Tore

Die Verlängerung der Duldung, die eigentlich bereits am kommenden Sonntag ausgelaufen wäre, kann hier als erster Erfolg geben. Doch wie es mit Jaiteh langfristig weitergeht, weiß niemand, es bleibt nur die Hoffnung auf eine Härtefallregelung. Und was macht Jaiteh selbst? Der kommt weiter pünktlich zur Arbeit und macht seine Tore für den Fußballverein, zuletzt erst am Wochenende gegen die SG Schluchsee/Feldberg. Doch immer bleibt die Sorge, dass es sein letzter Auftritt im SG-Trikot gewesen sein könnte.

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