Wie viele transsexuelle Patienten gibt es an der Uni Freiburg?

Knapp 200 Transmänner und –frauen pro Jahr.

Hat die Zahl der Geschlechtsangleichungen zugenommen?

Ja, man merkt eine stetige Zunahme im klinischen Alltag. Das lässt sich vermutlich damit begründen, dass die Gesellschaft liberaler geworden ist und das Thema auch mehr Präsenz in der Öffentlichkeit hat. Dadurch findet das Outing heute viel früher statt. Das heißt nicht, dass es Transsexualität davor nicht gegeben hat. Aber die Betroffenen haben sich oft nicht oder erst später getraut, sich zu outen.

Wann ist denn eine Hormontherapie sinnvoll?

Bei Transsexualität, heutzutage korrekter bezeichnet als „Geschlechstinkongruenz“, besteht das Bewusstsein, dass die körperlichen Merkmale nicht mit der gefühlten Geschlechtsidentität übereinstimmen. Das führt meist zu einer sogenannten „Geschlechtsdysphorie“ – also einem psychosozialen Leidensdruck, der chronische Stressreaktionen und depressive Phasen zur Folge haben kann. Der Wunsch nach Anpassung des Körpers an das psychische Geschlecht zur Linderung dieses Spannungszustandes ist dann die eigentliche Indikation zur Hormontherapie.

Ab welchem Alter nehmen Sie Geschlechtsangleichungen vor?

Operationen werden gemäß internationaler Empfehlungen in der Regel erst ab 18 Jahren vorgenommen, Hormontherapien ab 16, davor werden allenfalls pubertätshemmende Maßnahmen ergriffen. Aber es kann im Einzelfall sein, dass es sinnvoll ist, schon früher zu beginnen, um massiven Leidensdruck abzubauen.

Es gibt ja auch Fälle, bei denen jemand später den Schritt bereut. Wie oft kommt das vor?

Das ist zum Glück sehr, sehr selten. Um die Diagnose so sicher wie nur möglich zu machen, ist eine psychotherapeutische Begutachtung notwendig. Wir sind da besonders vorsichtig und wünschen vor einer irreversiblen Hormongabe neben der üblichen Diagnostik zwei unabhängige Statements. Wichtig ist es, das Ganze nicht zu früh anzugehen, weil im Kindesalter transidente Gefühle noch sehr viel häufiger sind als bei Erwachsenen, nach der Pubertät aber keineswegs immer fortbestehen.

Welche Operationen muss, welche kann man machen?

Es gibt keine feste Regel. Sämtliche geschlechtsangleichenden Maßnahmen sind eine Einzelfallentscheidung nach Maßgabe des Betroffenen. Meist gewünscht von Transmännern ist die Entfernung der Gebärmutter und der Eierstöcke, sowie der Brustdrüsenwegen des Körperbildes, sinnvoll aber auch aus gynäkologischer Sicht, um Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut oder der Brustdrüsen vorzubeugen. Als weiterer Schritt kommt ein Penoidaufbau in Frage. Ob das subjektiv notwendig ist für den Patienten kann nur durch ihn selbst entschieden werden, insbesondere auch, da es sich hierbei um einen sehr komplexen Eingriff mit häufigeren Komplikationen handelt.

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