Der Salar de Uyuni ist mit mehr als 10 000 Quadratkilometern, einer Fläche, fast zwanzigmal so groß wie der Bodensee, die größte Salzwüste der Welt. Auf einer Höhe von über 3600 Metern in den Anden erstreckt sich Salz, so weit das Auge reicht; der Blick über die blendend weiße Oberfläche ist großartig, am Horizont spiegeln sich in dieser schneebedeckte Vulkane. Dazwischen Lagunen mit Flamingos, bizarre Steinformationen und meterhohe Kakteen. Die Landschaft des bolivianischen Altiplano, des Hochlandes, ist für viele Touristen ein einmaliges Erlebnis. 25 000 Tonnen Salz im Jahr bauen die Bolivianer hier ab, der Tourismus ist ein gutes Geschäft. Doch der Schatz des Salzsees ist ein anderer.

Im Salar de Uyuni lagert eines der größten Lithium-Vorkommen der Welt. Der wissenschaftlichen Behörde „United States Geological Survey“ zufolge vermutet man hier 5,4 Millionen Tonnen Lithium. Um es zu fördern, gehen das bolivianische Staatsunternehmen Yacimientos de Litio Bolivianos (YLB) und ACI Systems Alemania (ACISA) aus Zimmern ob Rottweil eine strategische Partnerschaft ein. Den Vertrag unterzeichneten in der baden-württembergischen Vertretung in Berlin, mit dabei waren unter anderem Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), der bolivianische Energieminister Rafael Alarcón und Boliviens Präsident Evo Morales.

Lithium gilt als neues Erdöl

„Lithium ist einer der Schlüsselrohstoffe des 21. Jahrhunderts“, sagte ACISA-Chef Wolfgang Schmutz, ein Mittelständler, der in dem Joint Venture von 2021 an über 70 Jahre bis zu 50 000 Tonnen Lithium im Jahr fördern möchte. Manche bezeichnen den Rohstoff, der im Vergleich zu anderen Mineralen selten in der Erdkruste vorkommt, auch als „weißes Gold“ oder „neues Erdöl“; das Lithiumdreieck zwischen Bolivien (Salar de Uyuni), Chile (Salar de Atacama) und Argentinien (Salar del Hombre Muerto), in dem mindestens die Hälfte des weltweit bekannten und technisch abbaubaren Lithiums liegt, als „Saudi Arabien des Lithiums”.

Bisher haben Silber, Zinn und Erdgas den Export Boliviens bestimmt. Mit den Einnahmen aus dem Erdgasverkauf hat Präsident Morales, der seit 2006 im Amt ist, Sozialprogramme für die Armen und eine Seilbahn in La Paz finanziert. „Lithium ist das neue Erdgas“, sagt Morales, was auch damit zu tun hat, dass das Leichtmetall bei der Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien Verwendung findet, die wiederum bei Herstellern von Elektro- oder Hybrid-Fahrzeugen sehr begehrt sind. Volkswagen etwa plant, bis 2023 über 44 Milliarden Euro für Zukunftstechnologien auszugeben, die VW-Tochter Audi mit 14 Milliarden Euro für die Entwicklung von Elektroautos und autonomen Fahren. Prognosen zufolge wird sich die Nachfrage nach Lithium bis 2025 verdreifachen.

Präsident Morales will Ausbeutung verhindern

Auch wenn bei deutschen Autobauern und internationalen Unternehmen großes Interesse an dem Schatz aus dem Salzsee besteht, hat der linke und nationalistische Morales dessen Hebung bereits vor mehr als zehn Jahren zur Chefsache erklärt. Er wollte einen Vertrag mit einer ausländischen Firma verhindern, die nur am Verkauf des Rohstoffes interessiert ist und versuchte, die Lithium-Produktion aus eigener Kraft zu stemmen.

Das hat dazu geführt, dass das Geschäft der Nachbarländer Chile und Argentinien längst blüht, während Bolivien im Rahmen eines Pilotprojektes geringe Mengen förderte und sämtliche Angebote aus dem Ausland ablehnte. „Partner, nicht Herren“ ist Morales´ Motto. In der Provinz Potosí, zu der der Salar de Uyuni gehört, haben einst spanische Eroberer riesige Silbervorkommen geraubt und geplündert. Die Geschichte soll sich nicht wiederholen, Lithium der Entwicklung Boliviens dienen, so die Hoffnung der Regierung.

Bolivien behält die Mehrheit des Joint Ventures

So lud die bolivianische Regierung acht internationale Konzerne ein, Konzepte für den Aufbau einer Wertschöpfungskette von der Rohstoffgewinnung zur fertigen Batterie vorzulegen. Auch weil sie seit drei Jahren Vertrauen aufgebaut und gute Kontakte nach Bolivien hat – einer von Wolfgang Schmutz’ engsten Mitarbeitern ist mit einer Bolivianerin verheiratet –, bekam die deutsche ACI Systems, die Teil der ACI Group mit Sitz in Zimmern ob Rottweil und auf Energiespeicher und -generatoren spezialisiert ist, den Zuschlag für die strategische Partnerschaft. „Durch das Joint Venture sichert sich Deutschland erstmals nach Jahrzehnten wieder den direkten Zugriff auf wichtige, nicht heimische Rohstoffe”, sagt ACISA-Chef Schmutz. Mit 51 Prozent behält Bolivien allerdings die Mehrheit. Durch sozial verträglichen und ökologisch gerechten Abbau soll das Panorama möglichst nicht nur für Touristen, sondern auch für die Umwelt erhalten bleiben.