Auch drei Jahre nach ihrer Einführung hat die Prämie für Elektro- und Hybridautos in Deutschland noch nicht richtig gezündet. Bis Ende August gingen laut dem zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) insgesamt nur 135.000 Anträge auf die staatliche Förderung ein. Davon fielen knapp 90.000 auf reine Elektro-Fahrzeuge, 45.000 auf Plug-in-Hybride und 93 auf Brennstoffzellen-Fahrzeuge. Damit führen Elektroautos nach wie vor ein Nischendasein auf den deutschen Straßen – auch wenn die Hersteller auf der in dieser Woche beginnenden Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt ihre neuen Modelle vorstellen und anpreisen.

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Um die schwache Nachfrage anzukurbeln, hat die Bundesregierung die Prämie zuletzt bis Ende 2020 verlängert. Im Topf liegen insgesamt 1,2 Milliarden Euro, je zur Hälfte finanziert vom Bund und der Autoindustrie.

Für reine Elektrowagen gibt es 4000 Euro. Für Hybridautos, bei denen ein E-Antrieb mit einem Verbrennungsmotor kombiniert ist, sind es 3000 Euro. Als ein Grund für die schleppende Nachfrage nach Elektroautos gilt das noch dünne Netz an Ladestationen hierzulande.

 

So viele Elektroautos rollen durch die Region

Wir haben uns in der Region umgehört und nachgefragt, wieviel Elektroautos auf den Straßen in Südbaden und Oberschwaben rollen. Wie die folgende Übersicht zeigt, führen auch bei uns E-Autos noch ein Nischendasein.

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  • Kreis Konstanz: Im Landkreis Konstanz sind 490 Autos mit einem reinen Elektroantrieb unterwegs. Knapp 1800 Fahrzeuge sind mit einem Hybridantrieb ausgestattet. „Die Tendenz der Zulassungszahlen für E-Autos sind in diesem Jahr leicht steigend“, sagt ein Sprecher des Landratsamts.
  • Bodenseekreis: Am nördlichen Bodenseeufer sind derzeit 605 reine Elektro-Fahrzeuge unterwegs. 1100 Autos fahren mit einem Hybridantrieb (E-Antrieb und Benzinmotor) durch den Bodenseekreis. Wie der Landkreis mitteilt, setzen 140 Fahrer auf eine Kombination von Elektroantrieb und Dieselantrieb. „Es gibt durchaus einen leichten Trend nach oben“, sagte ein Sprecher des Landratsamts Bodenseekreis.
  • Schwarzwald-Baar-Kreis: Im Schwarzwald und auf der Baar sind derzeit 357 reine Elektrofahrzeuge angemeldet. 982 Autofahrer setzen auf eine Kombination von E- und Benzinmotor, 151 auf eine Kombination von E- und Dieselmotor. „Die Zulassungszahlen sind in diesem Jahr im Vergleich zum letzten Jahr stagnierend“, sagt Landratsamt-Sprecherin Kristina Diffring.
  • Landkreis Sigmaringen: In dem Landreis sind von insgesamt gut 85 000 Autos gerade einmal 1049 mit einem Elektroantrieb ausgestattet. Rein elektrisch fahren davon 160 Autos. 889 fahren mit einem Hybrid-Antrieb. Spitzenreiter unter den Gemeinden im Landkreis Sigmaringen ist Pfullendorf mit insgesamt 277 Elektroautos.
  • Landkreis Waldshut: Am Hochrhein sind 398 reine Elektroautos und 807 Fahrzeuge mit Hybridantrieb registriert. Mit 56 reinen Elektrofahrzeugen und 152 Autos mit Hybridantrieb führt Waldshut-Tiengen die Elektro-Rangliste der Hochrhein-Gemeinden an.

„E-Autos werden bald besser werden“

Kathrin Goldammer
Kathrin Goldammer | Bild: Reiner Lemoine Institut gGmbH

Kathrin Goldammer, Energietechnik-Expertin beim Berliner Reiner Lemoine Institut, traut der Elektromobilität trotz ihrer heutigen Defizite langfristig einen Durchbruch zu.

Frau Goldammer, warum verkaufen sich E-Autos bisher so schlecht?

Die Autos, die in Deutschland sehr beliebt sind, wie zum Beispiel der klassische Kombi, gibt es bisher kaum in der E-Variante. Einen E-Golf gibt es zwar, aber er hat sehr lange Lieferzeiten. Die großen Hersteller werden erst ab 2021 in die Elektro-Offensive gehen. Wenn die Hersteller dann in die Großserie gehen, werden die Preise automatisch sinken. Deswegen warten viele Autokäufer noch mit der Anschaffung eines Elektroautos. Außerdem lässt die Ladeinfrastruktur noch zu wünschen übrig. Zudem sind wir vom Verbrenner höhere Reichweiten gewöhnt.

Werden sich E-Autos trotzdem langfristig durchsetzen?

Ich glaube ja. Die Deutschen kaufen gerne neue Autos und die E-Auto-Angebote werden besser werden. Auch bei der Reichweite erwarte ich Fortschritte.

Was können wir von anderen Ländern bei der E-Mobilität lernen?

In Norwegen gibt es zum Beispiel extra Spuren und kostenlose Parkplätze für E-Autos. Die Niederlande haben ein gigantisches Ladenetz. Davon kann Deutschland viel lernen. Die Prämie für E-Autos bei uns war gut gemeint. Aber der Preis ist nicht allein ausschlaggebend für den Kauf eines E-Autos.

Fragen: Thomas Domjahn

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