Acht bis zehn Millionen Päckchen pro Tag – jede davon mit fünf Sammelkarten, die vielleicht das begehrte Konterfei von Fußball-Superstars wie Messi, Neymar oder Ronaldo enthalten: Während das WM-Fieber steigt, laufen im italienischen Modena die Maschinen auf Hochtouren. Hier werden die berühmten Panini-Bilder gedruckt, die auch zur Weltmeisterschaft in Russland wieder eifrig gekauft, auf Schulhöfen oder in Büros getauscht und eingeklebt in Sammelalben konserviert werden.

Die Panini-Fabrik in Modena, Italien.
Die Panini-Fabrik in Modena, Italien. | Bild: MARCO BERTORELLO (AFP)

Dass Italien dieses Mal bei der WM nicht dabei ist, tut dem Hochbetrieb bei Panini keinen Abbruch. „Wir produzieren für die ganze Welt, mit Ausnahme eines Teils von Lateinamerika, da wir in Brasilien noch eine andere Fabrik haben“, sagt Produktionsleiterin Simona Spiaggia. „Aber für den Rest der Welt wird alles hier produziert – also steht Italien nur für einen kleinen Teil.“

Panini produzierte allein im EM-Jahr 2016 mehr als eine Milliarde Sammelkarten-Päckchen. Um mit dem jetzigen Ansturm Schritt zu halten, wurde in Modena die Mitarbeiterzahl im Januar von 130 auf 240 erhöht; produziert wird mit Maschinen, die noch aus den 60er-Jahren stammen.

 

So funktioniert die Produktion:

So entstehen Panini-Karten: Erst wird ein Druckbogen mit den Bildern gedruckt.
So entstehen Panini-Karten: Erst wird ein Druckbogen mit den Bildern gedruckt. | Bild: AFP


Später werden die einzelnen Sammelkarten an einer Schneidemaschine zugeschnitten.
Später werden die einzelnen Sammelkarten an einer Schneidemaschine zugeschnitten. | Bild: AFP


Dann bereitet eine Mitarbeiterin die Sammelbilder für die Sortiermaschine vor.
Dann bereitet eine Mitarbeiterin die Sammelbilder für die Sortiermaschine vor. | Bild: AFP
 


Nun kommen die Karten in die Sortiermaschine, die sie per Zufallsprinzip auf die Päckchen verteilt.
Nun kommen die Karten in die Sortiermaschine, die sie per Zufallsprinzip auf die Päckchen verteilt. | Bild: AFP

Solche Produktionsspitzen gibt es bei Panini alle zwei Jahre zu Europa- und Weltmeisterschaften. Obwohl die Firma auch Verträge mit dem US-Unterhaltungsriesen Disney hat, macht Fußball den Löwenanteil des Umsatzes aus, der – je nachdem ob ein großes Fußball-Turnier ansteht – jährlich zwischen 550 und 800 Millionen Euro ausmacht.

Seit Jahrzehnten hat das 1960 von vier Brüdern der Panini-Familie gegründete Unternehmen einen Exklusivvertrag mit dem Weltfußballverband Fifa. Das Geschäftsprinzip hat sich seitdem nicht geändert. „Es ist diese Einfachheit, die sich auszahlt“, sagt Spiaggia. „Panini ist noch nie in der Krise gewesen – weil es ein einfaches Spiel ist.“ In Modena hat Panini ein historisches Archiv mit alten Alben. 

Ein Mitarbeiter sucht im historischen Archiv nach einem alten Panini-Album.
Ein Mitarbeiter sucht im historischen Archiv nach einem alten Panini-Album. | Bild: AFP

Selbst die Internet-Konkurrenz hat die Anziehungskraft der Papier-Alben kaum geschmälert. Trotzdem will sich auch Panini für die digitale Zeitenwende wappnen. „Online bewegen wir uns vorwärts“, sagt Spiaggia. „Aber es ist wie bei Büchern – manche bevorzugen E-Books, andere werden immer Papier bevorzugen, und das gilt auch für unsere Sammler.“ Günstig ist das Sammelspiel aber nicht: Ein Album hat Platz für 682 Sticker. Angenommen, der Sammler erhält beim Kauf keinen Spieler doppelt, braucht er in diesem Jahr 123 Euro, um das Album zu füllen. Dabei gelingt es jedoch nur fünf Prozent der Kunden, ihr Album komplett zu bestücken. 95 Prozent sammeln 50 bis 60 Sticker.

Den immer wieder erhobenen Verdacht, Abbilder von Superstars wie Neymar oder Ronaldo seien in den Päckchen seltener zu finden, weist Panini zurück. „Wenn sie selten sind, liegt das daran, dass sie begehrter sind“, sagt Spiaggia. „Sie sind weniger in Umlauf, weil sie nicht eingetauscht werden – aber nicht von Anfang an.“ Und so liegt es an den Maschinen in der Fabrik in Modena, über Glück oder Pech beim Aufreißen der Päckchen zu entscheiden.

 

Die Sammler in der Redaktion

  • Auswendiglernen ohne Schulqualen

    "Bei der WM 1990 war ich gerade mal acht Jahre alt. Mein Kopf war also noch nicht überfüllt mit binomischen Formeln, Englischvokabeln oder Schiller und Goethe. Und so blieb viel Platz, um mit Hilfe des Panini-Albums jedes Detail des gesamten Deutschlandkaders auswendig zu lernen. Geburtsort von Rudi Völler? Hanau! Größe von Lothar Matthäus? 1,74 Meter! Gewicht von Jürgen Klinsmann? 76 Kilogramm! All dieses unnütze Wissen ist bis heute in meinem Kopf geblieben – ohne dass es mir je ein Lehrer eintrichtern musste."

    Thomas Domjahn, 36, Wirtschaftsredakteur

    Thomas Domjahn
    Thomas Domjahn. | Bild: SK
  • Der Onkel entfachte das Sammelfieber

    "Dem Reiz der Paninibildchen kann man sich einfach nicht entziehen. Mit 15 Jahren schenkte mir mein Onkel das Sammelalbum zur WM 2006. Die damals herrschende WM-Euphorie brachte uns dazu, enorme Summen für die Bildchen auszugeben. Das vollständige Album wird wohl knapp 400 Euro gekostet haben. Auf Tauschbörsen im Internet wurden eifrig die Bildernummern notiert und verglichen. Wenn ich heute das abgegriffene Album in den Händen halte, denke ich jedoch gerne an die Freude am Sammeln zurück."

    Lukas Schäfer, 26, Volontär

    Lukas Schäfer
    Lukas Schäfer. | Bild: SK
  • Magische Sommer 1982 und 1986

    "Die Pausenhof-Formel der 80er-Jahre war simpel: drei Völler für einen Rummenigge. Die Sommer 1982 und 1986 waren magisch. Nicht nur wegen der Weltmeisterschaften in Spanien und Mexiko – vor allem wegen unserer Sammelleidenschaft. Der Besitzer des Kiosks auf dem Schulweg hat das Geschäft des Lebens gemacht. 20 Pfennig pro Päckchen, fünf Gesichter pro Päckchen. Schnell eingeklebt, die Doppelten zwischen 10.10 und 10.30 Uhr getauscht. Voll wurden die Alben nie. Gestört hat uns das nicht."

    Andreas Schuler, 48, Lokalredakteur

    Andreas Schuler
    Andreas Schuler. | Bild: SK
  • Bildchen als Belohnung 

    "Hausarbeiten erledigt man als kleiner Bub eher ungern, da war ich keine Ausnahme. Doch meine Mama wusste Abhilfe: Im Küchenschrank lag immer ein kleiner Stapel Panini-Bilder. Mit der Aussicht auf die Abziehbilder meiner Idole räumte sich die Spülmaschine viel einfacher aus und auch der Rasen mähte sich fast ohne Mühe. Bevor Sie nun denken, dass ich nur der Belohnung wegen im Haushalt geholfen habe: Wenn ich auf den Tisch geklettert wäre, hätte ich mir die Bildchen auch selbst aus dem Schrank holen können."

    Sascha Meißner, 29, Online-Redakteur

    Sascha Meißner
    Autorenbild von Sascha Meißner