Im dritten und letzten TV-Duell haben sich Olaf Scholz und Annalena Baerbock so einig gezeigt wie nie in diesem Wahlkampf. Gleich zu Beginn des Aufeinandertreffens im Fernsehstudio in Berlin geht es um Löhne und Sozialstaat und dabei lassen der Kanzlerkandidat der SPD und die Kanzlerkandidatin der Grünen keinen Zweifel, mit wem sie nach der Wahl gerne zusammenarbeiten wollen.

Bild: Kay Nietfeld / dpa

Scholz und Baerbock sind sich einig, dass der Mindestlohn auf zwölf Euro steigen soll, die Härten des Hartz-System gemildert und Wohlhabende höher besteuert werden sollen. „Es sind zehn Millionen Bürgerinnen und Bürger, die von einem Mindestlohn von zwölf Euro profitieren“, erklärte Scholz. Und Baerbock versprach: „Mit Grün gibt es einen Aufbruch in der sozialen Gerechtigkeit.“

Laschet hielt dagegen mit der klassischen Antwort aus der Wirtschaftspolitik seines Lagers. Niedrigere Steuern führen demnach zu höheren Investitionen, wodurch mehr Menschen eine Arbeit finden können. „Hartz-IV ist kein Beruf“, sagte der CDU-Vorsitzende. Er will das Wachstum beschleunigen und auf diesem Wege Menschen ein besseres Leben ermöglichen. Eine Erhöhung des Mindestlohnes auf zwölf Euro lehnte er ab.

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Weniger harmonisch ging es zwischen Scholz und Baerbock beim Klimaschutz zu. Es ist das Kernthema der Grünen und die Spitzenkandidatin nutzte die Chance, Union und SPD als realitätsferne Bremser anzugreifen, die weiter auf Kohle setzen. „Diese Sturzfluten werden alle paar Jahre zunehmen“, warnte sie. Das Programm der Grünen fordert, dass dreimal mehr Windräder und Solaranlagen aufgestellt werden als jetzt, um Kohle- und Gaskraftwerke abschalten zu können.

Wirtschaft darf nicht zu sehr unter Klimaschutz leiden

Sowohl Laschet als auch Scholz stellten heraus, dass der klimafreundliche Umbau der Wirtschaft keine Stellen kosten darf. „Wie bleiben wir klimaneutrales Industrieland?“, ist für Laschet die Leitfrage. Scholz sieht das genauso, gestand aber den Grünen zu, dass zwei Prozent der Landesfläche für Windräder und Solarfelder reserviert werden sollen.

Parteiübergreifende Einigkeit herrschte bei der Digitalisierung. Alle drei Bewerber um das Erbe von Kanzlerin Angela Merkel versprachen, dass eine neue Regierung überall für schnelles Internet und ein gutes Handynetz sorgen werde. Das Desaster in Afghanistan und die Zukunft der Europäischen Union spielten als Themen keine Rolle.

Der Blick auf das letzte, aber auch die beiden vorangegangenen Trielle zeigt, dass dieser Wahlkampf für Baerbock und Laschet hätte anders laufen können, hätten sie ihre Kampagnen nicht frühzeitig schwer beschädigt. Die Grünen-Frontfrau hatte Einkünfte zu spät gemeldet, ihren Lebenslauf aufgeblasen und ein Buch voller kopierter Textbausteine fabriziert.

Baerbock will für neuen Aufbruch stehen

Laschet hatte im Hochwassergebiet gefeixt und sich einige verbale Patzer geleistet, die ihn als inkompetent erscheinen ließen. Wenn sich beide nicht zu ihren Altlasten äußern müssen, können sie dem in Umfragen enteilten SPD-Mann in der Diskussion das Wasser reichen.

Baerbock kann schlagfertig sein und nutzte die TV-Bühne, um vor einem Millionenpublikum ihre Konkurrenten als Vertreter der großen Koalition darzustellen, die den Stillstand verwaltet haben. Sie rollt mit den Augen, wenn ihr etwas nicht passt. „Ich frage mich, was mit Ihnen eigentlich los ist, Herr Laschet“, fuhr sei den CDU-Kandidaten einmal an.

Laschet machte dieses Mal nicht den Fehler, zu aggressiv aufzutreten, sondern trug seine Argumente nachdrücklich vor, aber ohne Wadlbeißerei. Am Schluss der Sendung brachte er den Klassiker der konservativen Wahlkampfschlager und warnte vor einem Linksrutsch: „Dann müssen sie Rot-Rot-Grün machen, da haben sie sonst keinen Partner.“

Scholz setzt auf die Methode Merkel

Scholz blieb einfach Scholz. Er hat sich vorgenommen, bis zum Wahltag unerschütterlich die Methode Merkel durchzuexerzieren – im Auftreten nüchtern, sachlich, stoisch. Eigenschaften, die für viele Wählerinnen und Wähler als attraktiv gelten. Von den Fragen nach Fehlern bei der Geldwäschebekämpfung ließ er sich nicht aus der Fassung bringen. Das galt nicht nur für den 63-Jährigen. Auch die beiden anderen Streiter um das Kanzleramt wirkten im dritten Anlauf sattelfest.

In seinen Schlusssätzen machte der in den Meinungsumfragen führende Scholz Baerbock noch den Antrag, sehr gerne mit den Grünen zusammen eine Regierungskoalition formen zu wollen. Dass die Umworbene es noch schafft, sich in der letzten Woche auf Rang 1 zu schieben und dann Scholz die Frage nach einem Zusammengehen stellt, gilt hingegen als ausgeschlossen. Ihre Partei erreicht Werte zwischen 15 und 17 Prozent.

Eine Blitzumfrage nach der Sendung kürte auch diesmal Olaf Scholz zum besten Triellanten.