Blandina Withum kennt sich mit Waffen aus. Sie ist Jägerin, Sportschützin und Waffenfachhändlerin. Fotografiert werden will sie für diesen Artikel nicht. Denn ihr Geschäft ist nicht ganz unumstritten: Seit über 50 Jahren verkauft sie im Waffenhaus Bodensee in der Fußgängerzone Friedrichshafen Waffen aller Art. „In unserem Geschäft brauchen wir viele Genehmigungen, ohne die läuft gar nichts“, sagt die 71-Jährige und meint die Erlaubnisse der Behörden aber auch die Waffenscheine ihrer Kunden, die sie für den Kauf einiger Waffen benötigen.

Versuche, trotz fehlender Berechtigung an eine Waffe zu kommen, gebe es immer wieder. Jemand legt 500 Euro als Bestechungsversuch auf ihre Theke und ein Jugendlicher wollte eine Waffe ab 18 Jahren ohne Ausweis kaufen. „Den Ausweis muss hier jeder vorlegen.“ Ausnahmen gibt es nicht, Withum bleibt stets hart, „man muss auch nein sagen können“, sagt sie: „Es gibt in unserem Geschäft nur zwei Möglichkeiten: Entweder zu 100 Prozent sauber zu bleiben oder es zu lassen.“

Anfeindungen gehören zum Arbeitsalltag

Für Withum ist der Umgang mit Waffen Alltag. Doch sie hat auch täglich mit Menschen zu tun, für die das unvorstellbar wäre. „Viele laufen hier vorbei und schimpfen über uns.“ In ländlichen Regionen sei der Umgang mit Waffen besser anerkannt, sagt Ulrich Eichstädt vom Verband Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler. „In den Städten gibt es schon fast eine Hysterie gegenüber Waffen.“

Ulrich Eichstädt, Pressesprecher vom Verband Deutscher Büchsenmacher.
Ulrich Eichstädt, Pressesprecher vom Verband Deutscher Büchsenmacher. | Bild: Wetschera, Wiebke

Die kann die Waffenfachhändlerin nicht verstehen. Die „Intoleranz“ mache sie wütend: „Ich erwarte, dass die Leute das Schießen und den Handel mit Waffen akzeptieren“, sagt Withum. „Wir machen das rechtmäßig, es ist nicht verboten.“ Und fügt an: „Im Schützenverein lernt man, verantwortungsvoll mit Waffen zu hantieren.“ Sie habe schon viele Kundinnen gehabt, die ihren Söhnen eine Softair gekauft hätten. Das Schießen im Wald halte sie nicht für besser. Diese Meinung teilt auch der VDB: „Missbrauch gibt es sicher überall, aber im Verein zu schießen sorgt für eine bessere soziale Einbindung“, sagt Eichstädt.

Argumente gegen Waffen wollen Eichstädt und Withum nicht hören. „Dann müsste man ja alles verbieten – auch schnelle Autos„, sagt Withum. Eichstädt geht noch weiter: „Wir sind froh über jeden, der einen kleinen Waffenschein hat“, denn dadurch sei diese Person überprüft. „Der Gesetzgeber hat sich bewusst dazu entschieden, Ausnahmen zu machen.“ Regelungen zu verschärfen sei der falsche Weg, das würde sich auf die Falschen auswirken: „Man versucht etwas durch Gesetze zu ändern, ohne dabei daran zu denken, dass sich Straftäter ohnehin nicht an diese halten.“

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