Kaffee – damit verbinden die meisten Menschen Wärme, Liebe, Freude, Energie, Geborgenheit, Ruhe und Heimat. Ausgewählt wurden diese Begriffe von 3000 Menschen in fünf europäischen Ländern, die für den Kaffeereport 2017 von Tchibo und dem Magazin Brand Eins befragt wurden. Die Deutschen trinken durchschnittlich 162 Liter pro Jahr. Somit könnte man eigentlich auch sagen: Koffein ist die am häufigsten konsumierte pharmakologisch aktive Substanz in Deutschland oder gar auf der Welt.

Die Kaffeeindustrie ist zufrieden mit der Entwicklung, denn der Absatz mit Vollautomaten, Kaffeekapseln und der Umsatz im sogenannten Außer-Haus-Markt ist 2017 erneut gestiegen. Auch wenn der klassische gemahlene Filterkaffee weiterhin die Nummer 1 in der Gunst der Deutschen ist und einen Marktanteil von über 59 Prozent verzeichnet, gibt es derzeit viele neue Kaffeetrends, die weitere Märkte und Kunden erobern wollen. 

Zurück zum guten alten Filterkaffee
Klassischer Filterkaffee ist hierzulande immer noch am beliebtesten. | Bild: Roland Weihrauch (dpa)

„Die Nachfrage nach Kaffeewissen ist groß“

Gleichzeitig wächst das Interesse an handfesten Informationen. „Die Nachfrage nach Kaffeewissen ist groß. Unsere Kurse sind fast immer ausgebucht“, sagt Geschäftsführerin Patricia Nabitz von der Kaffeerösterei Konstanz. Es sei mittlerweile das Bewusstsein gewachsen, dass Kaffee nicht immer gleich schmecke, wie beim Wein auch, so die Expertin. „Aber viele Leute haben sich natürlich auch eine tolle Siebträgermaschine angeschafft und wissen dann gar nicht damit umzugehen.“

Qualität spiele nach ihrer Ansicht für die Kunden eine zunehmende Rolle. Beim Deutschen Kaffeeverband e. V. heißt es: „In den letzten Jahren ist bei Kaffee wie in anderen Genussmittelbereichen auch ein Up-Trading der Verbraucher zu erkennen, also eine Mehrausgabebereitschaft für besondere Qualität.“

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Das sieht auch Thomas Mohr so, ein junger Barista, der seine Leidenschaft gleich im Namen seines Cafés in Heidelberg verewigte. Die Gäste in seinem „Coffee Nerd“ seien bereit, für hochwertigen Kaffee mehr Geld auszugeben. An dem Bewusstseinswandel haben nach seiner Meinung auch die vielen kleinen Cafés ihren Teil beigetragen: „Wir setzen eben auf Qualität und viel Information. Das ist eine kleine Bewegung geworden.“

Handfiltern und türkischer Kaffee

Dass Kaffee nicht gleich Kaffee ist, wird auch an dem vielen teilweise nur wiederbelebten Brühtechniken deutlich. Vor allem der Filterkaffee erlebt ein neues Zeitalter von klassisch bis hip. Der Porzellanhandfilter, 1908 von Frau Melitta Bentz erfunden, ist mit der Bezeichnung Hario V60 und verbesserter Technik in der Neuzeit angekommen.

Auch Großmutters „Karlsbader Kanne“ kommt wieder zum Zuge. Ebenso der Ibrik, das kleine metallene Kännchen, mit dem traditionell der türkische Kaffee zubereitet wird, ist im Kommen. Hierfür wird pulverfein gemahlener Kaffee und die gleiche Menge Zucker mit Wasser bis zu dreimal aufgekocht. Die Beigabe von Gewürzen wie Kardamom und Zimt verleiht dem Kaffee eine ganz besondere Geschmacksnote.

Angesagt in Cafés ist auch die sehr stilvolle und zeitintensive Zubereitungsart mit dem Kaffeesyphon. Er besteht aus zwei durch ein Steigrohr und Filter getrennte Gläser. Im unteren Gefäß befindet sich Wasser, im oberen gemahlener Röstkaffee. Durch Erhitzen des Wassers mit einer Flamme bildet sich Dampf, der das Wasser in die obere Glaskugel drückt, wo es sich mit dem Kaffeepulver vermengt. Stoppt man die Wärmezufuhr, wird es mithilfe von Unterdruck wieder abgesaugt, das Kaffeepulver bleibt als Kaffeesatz zurück.

In diesem Jahr steht der „Cold Brew“ oder „Cold Drip“-Kaffee ganz oben auf der Liste der In-Getränke. Beim Cold Brew werden Wasser und gemahlener Kaffee miteinander vermischt und das Konzentrat nach einer Ruhephase von mindestens 12 Stunden gefiltert. Beim Cold Drip hingegen wird das Kaffeepulver im Laufe mehrerer Stunden im sogenannten „Cold Dripper“ langsam mit Wasser beträufelt und sofort gefiltert.

Essbarer Kaffeebecher

Ebenfalls aus den USA und aus der Ernährungsrichtung des Paleo kommt die Neuheit „Bulletproof Coffee“. Der frisch aufgebrühte Kaffee wird mit einem Stück Butter oder einem Esslöffel Kokosöl veredelt. Die Extra-Kalorien sollen für Extra-Energie sorgen. Einzug hält sicher auch bald die neueste Kreation von Lavazza, die auf der letzten Bäckerhandwerksmesse ihren essbaren Kaffeebecher vorgestellt hat. Schon bald kann man dann seinen Kaffee trinken und anschließend die Waffel mit Schokorand verspeisen. Wenn dann der Barista noch die „Latte Art“ beherrscht und einen Teddybären in den Milchschaum zeichnet, dann ist die trendige Version perfekt.