Herr Reim, wie geht es Ihnen gesundheitlich?

Ich bin topfit (lacht). Nein, ganz ernst, es geht mir wirklich gut und ich fühle mich fitter denn je.

Haben Sie nach der Krankheit Ihre Lebensweise geändert?

Ja, auf jeden Fall. Ich habe so etwas wie einen „inneren Beobachtungsposten“ und erkenne wesentlich schneller, was ich will und was ich nicht will, was mir guttut, was ich gerade brauche. Nicht immer einfach, denn ich bin ein ungeduldiger Mensch und bin dann auch manchmal genervt vom Beobachtungsposten, der mich eben auch manchmal ausbremst. Und die Erkenntnis, eben nicht unverwundbar zu sein, war wirklich bitter. Im Endeffekt bin ich aber froh, dass es eine Herzmuskelentzündung und kein Herzinfarkt war. Den hätte ich dann darauf zurückführen müssen, zu wenig Obst zu essen, zu rauchen und mich zu wenig zu schonen.

Wie leben Sie jetzt?

Ich hatte tolle Ärzte, erst Dr. Kollum vom Klinikum Singen und Dr. Schulze von der Mettnau-Klinik, in der ich eine Reha gemacht habe. Beide zusammen haben mich von der Hoffnungslosigkeit wieder auf die Bühne gebracht. Das Konzept der Mettnau sieht Bewegung und Ruhepausen vor und so lebe ich jetzt. Ich treibe regelmäßig Sport, drei Mal pro Woche ein Kardio-Programm und drei Mal mit einem Personal Trainer, der ein gnadenloses Muskeltraining mit mir macht. Und auch wenn ich mich manchmal aufraffen muss, fühle ich mich hinterher super.

Das heißt, Sie sind wieder fit für die Bühne?

Absolut! Ich stehe mittlerweile jedes Wochenende auf der Bühne, mache aber vorwiegend 45-minütige Auftritte und bin mit der Promotions-Phase für mein neues Album „Phönix“ oft zu Gast in TV-Sendungen. Ab Juli geht es dann mit meiner Open Air Tournee los. Als ich im letzten Jahr meine Konzerte wegen der Krankheit absagen musste, haben in Berlin 11 000 Fans ihre Tickets nicht zurückgegeben, sondern behalten. Dieses Zeichen „wir warten auf Dich“ hat mir wahnsinnig viel Trost gespendet und Kraft gegeben. So was passiert in dieser Branche wirklich so gut wie nie.

D as klingt fast nach einer persönlichen Bindung.

Naja, ich bin halt wie ich bin, habe nie aus meinen Schwächen einen Hehl gemacht. Egal, ob damals die private Insolvenz, Scheidungen oder die Herzmuskelentzündung, meine persönlichen Geschichten wie auch meine Songs sind ehrlich. Ich mache keinem was vor.

Ihre private Situation hat sich inzwischen geändert. Sie wohnen nach der Trennung von ihrer Frau Sahra jetzt in Bodman-Ludwigshafen.

Ja, ich habe dort ein wunderschönes Haus gefunden, das aus jeder Etage einen atemberaubenden Blick auf den Bodensee gewährt. Im Erdgeschoss habe ich drei Tonstudios. Ich lebe dort zusammen mit meinem 19-jährigen Sohn Julian und meiner Freundin und Kollegin Christin Stark.

Ihre Freundin ist 26, ein großer Altersunterschied.

Ich denke nicht über das Alter nach und für sie spielt das auch keine Rolle. Wir verstehen uns, es passt einfach, auch musikalisch. Ich habe ihr Album „Hier“, das im Februar rausgekommen ist, produziert und die Songs geschrieben.

Wie gehen Sie mit Kritik um?

Konstruktive Kritik nehme ich aus meinem „inneren Kreis“ an, ansonsten prallt Kritik an mir ab. Das lernt man über die Jahre, sonst geht man daran kaputt. Das versuche ich auch gerade meiner Freundin beizubringen, die sich Kritik oder Häme noch sehr zu Herzen nimmt.

Welche Ziele haben Sie?

Ich möchte auch weiterhin auf Tournee gehen und zwischendurch genügend Zeit finden, mit meinem Boot über den Bodensee zu schippern und das Leben zu genießen.