Bevor seine Fans die Heimreise antreten, gibt Kontra K ihnen noch einen Rat mit auf den Weg: „Scheißt auf schlechte Energie und seid einfach gute Menschen!“ Solche Sätze hört man in der deutschen Hip-Hop-Szene selten. Während Rapper wie Farid Bang oder Kollegah mit regelmäßigen Skandalen ihr Gangsta-Image pflegen, hat sich der Berliner Kontra K genau davon losgesagt. Er beweist, dass man auch ohne provokante Texte in dem Genre erfolgreich sein kann.

Bei seinem Konzert auf dem Hohentwiel ist der Raper mit seiner Band und seinen Mitstreitern Rico und Skepsis sofort auf Betriebstemperatur. Schon bei den ersten Hits "Oder nicht" und "Ikarus" fegt der Musiker über die Bühne und reißt sein überwiegend junges Publikum mit.

Kontra K hat sein Gangsta-Image abgelegt

Im Mai hat Kontra K sein neues Album "Erde und Knochen" veröffentlicht. Daraus präsentiert er auf der Karlsbastion gleich sechs Lieder. Der Rest ist eine bunte Mischung aus seinen drei bisher erfolgreichsten Platten. Kontra K, der mit bürgerlichem Namen Maximilian Diehn heißt, rappt über Misserfolge und Missgunst, über Durchhaltevermögen und Loyalität. Seine Texte sind jugendfrei und ziemlich friedlich, denn ein Gangsta-Rapper ist er schon lange nicht mehr.

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Er hat das Brutalo-Image des Jungen von der Straße abgelegt und diese Wandlung auch in seinen Texten verarbeitet. "Ich denk' in die Zukunft und acker' für mein Blut. Tut mir leid, wenn das heißt, wir sind leider nicht mehr cool. Die einzige Priorität, ich seh' an meinem Konto: Den Kindern meiner Kinder geht es gut“, heißt es zum Beispiel in "Mehr als ein Job". Der Berliner macht keinen Hehl daraus, dass er in früheren Jahren Fehler gemacht hat. Aber er hat damit abgeschlossen: „Ich bin wie der Wind, für meine Vergangenheit nicht mehr zu greifen.“ In der vergangenen Woche war Kontra K wegen einer Auseinandersetzung mit der Polizei in die Schlagzeilen geraten. Statt nun verbal gegen die Beamten zu schießen – wie es vieler seiner Kollegen wohl tun würden – forderte er vom Singener Publikum „ganz viel Liebe für die Männer in Grün, die machen auch nur ihren Job.“

Ein Rapper mit Vorbild-Funktion

Der Hip-Hop-Star spricht die Sprache seiner jungen Fans. Er versucht aber auch, ihnen zu zeigen, was wirklich wichtig ist: "Jetzt steckt mal alle eure Handys weg, kein Instagram, kein Facebook", fordert er die Menge zwischen zwei Liedern auf. "Von dem, was jetzt gleich kommt, müsst ihr euren Freunden einfach erzählen – und zwar im echten Leben."

Kontra K wartet auf dem Hohentwiel mit energiegeladenen Beats, wummernden Bässen, Feuer und Konfetti auf. Der Höhepunkt des Abends kommt jedoch ganz ohne Pyrotechnik und mit eher leisen Tönen daher: Im Schatten der Burgruine wippen beim letzten Lied "Wölfe" Hunderte Feuerzeuge und Handy-Taschenlampen im Takt. Einige Fans schließen die Augen und geben sich ganz der besonderen Atmosphäre hin. Als die letzten Töne verstummen, verabschieden die Singener den Rapper so, wie sie ihn etwa eineinhalb Stunden zuvor begrüßt hatten: mit lautem Kreischen und frenetischem Beifall.