Nach der Ankündigung von Fahrverboten für ältere Diesel-Autos von 2019 an in Stuttgart ist noch offen, wie die Einhaltung überwacht werden soll. Die Polizeigewerkschaft warnte vor einem Chaos, weil den Autos die Schadstoffklasse nicht anzusehen sei.

Zudem sei die Stuttgarter Polizei personell nicht in der Lage, die Autos an den Einfallstraßen anzuhalten, um in den Fahrzeugscheinen die Euronorm zu überprüfen, sagte der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Ralf Kusterer.

Kretschmann warnt vor "Staus bis Heilbronn und Tübnigen"

Das Innenministerium und die Stadtverwaltung können derzeit nicht erklären, wie sie die Einhaltung der Verbote organisieren wollen. Das Ministerium wolle sich die „polizeilichen Kontrollmaßnahmen“ erst noch genau ansehen, hieß es in Stuttgart. Für geparkte Fahrzeuge seien ohnehin die Kommunen zuständig, die Polizei nur für die Kontrolle des laufenden Verkehrs.

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Eine Sprecherin der Stadt bestätigte, städtische Kontrolleure müssten bei einem Verdacht auf den Fahrer warten, um sich die Papiere zeigen zu lassen. Dies sei unrealistisch. „Wir sehen den Autos von außen nicht an, ob es sich um einen Diesel handelt und um welche Schadstoffklasse“, sagte die Sprecherin.

Ähnliches gilt für die Kontrolle des laufenden Verkehrs durch die Polizei. Kusterer verwies darauf, dass es auf den Einfallstraßen B27 und B14 schon heute jeden Tag Staus gebe. „Wenn wir da überwachen würden, würde das ein Chaos in Stuttgart verursachen.“ Wenn der Gesetzgeber Fahrverbote für nötig halte, müsse er auch überlegen, wie er sie durchsetze.

Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte vor „Staus von Stuttgart bis Heilbronn und Tübingen“ gewarnt, solange der Bund keine blaue Plakette für die Kennzeichnung sauberer Diesel einführe.

Diesel, Euro 4 – so sieht es bei uns in der Region aus

  • Landkreis Konstanz: Hier sind derzeit 22.536 Dieselfahrzeuge unterwegs, die der Abgasnorm Euro 4 oder schlechter entsprechen. Der Gesamtbestand der zugelassenen Kfz beträgt 196.320. Der Anteil der von der Stuttgarter Regelung betroffenen Fahrzeuge liegt bei 11,5 Prozent.
  • Bodenseekreis: Hier sind insgesamt 194.302 Autos zugelassen. Davon sind 62.312 Diesel-Pkw. 25.378 Diesel entsprechen der Abgasnorm Euro 4 oder schlechter.
  • Schwarzwald-Baar-Kreis: Nach der Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes sind 127.426 Pkw im Schwarzwald-Baar-Kreis registriert, davon 43.924 Dieselfahrzeuge, wovon 16.308 Fahrzeuge Euro 4 und älter sind. Der Gesamtbestand der Kraftfahrzeuge im Schwarzwald-Baar-Kreis beträgt laut Zulassungsstelle 179 279 Fahrzeuge (umfasst alle Fahrzeugarten).
  • Landkreis Waldshut: Zugelassene Kfz hier: 132.913. Anzahl der Diesel-Pkw: 33.403. Davon Abgasnorm Euro 4 und schlechter: 12.696.

Zum Vergleich: In der Region Stuttgart, Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und im Rems-Murr-Kreis sind 534.573 Dieselautos zugelassen. 34 Prozent davon sind mit Euro-5-Norm unterwegs, das entspricht 183.358 Autos. Hinzu kommen noch 188.163 Dieselwagen, die mit den Euronormen 1 bis 4 registriert sind. Das entspricht einem Anteil von 35 Prozent aller Dieselautos.

Verlieren unsere Autos jetzt an Wert?

Mancher Diesel-Besitzer fürchtet, dass sein Fahrzeug rapide an Wert verliert. Experten widersprechen diesen Szenarios und raten, Dieselautos zu halten und nicht zu verkaufen, wenn man nicht gerade im Raum Stuttgart fährt. „Wird ein altes Modell hauptsächlich im Überlandverkehr gebraucht und sind keine Stadteinfahrten nötig, spricht wenig dagegen, den Diesel weiterhin zu nutzen,“ berichtet Christian Buric.  ADAC-Sprecher Buric rät, das Dieselfahrzeug nicht überstürzt zu verkaufen. Wer auf dem Land wohne, habe dazu keinen Anlass.

Die Preise bei Autos mit Selbstzündermotoren dürften auf dem erreichten Niveau stabil bleiben. Nachdem die Preise bereits im Frühjahr gefallen sind als eine Folge der Diskussion um Fahrverbote, pendeln sie sich auf niedrigerer Basis ein.

Ein Anhaltspunkt dafür ist das Dieselbarometer der Deutschen Automobil Treuhand (DAT), die den ADAC in technischen Fragen berät. Das Barometer zeigt seit zwei Monaten eine gewisse Beruhigung, sagt Bernd Reich. Vor einem Jahr noch hatten 36 Prozent der Dieseleigentümer gesagt, sie wollten sich schnell von ihrem fahrbaren Untersatz trennen, um damit auf das Imageproblem zu reagieren. Im Mai 2018 gaben noch 27 Prozent an, ihren Diesel verkaufen zu wollen.

Maßgeblich sei immer, wo ein Dieselbesitzer jeweils wohnt. „Es gibt einen großen Unterschied zwischen Stadt und Land“, sagt DAT-Fachmann Reich. Für manchen Dorfbewohner stehe eine Autofahrt in die Landeshauptstadt nicht zur Debatte. Für diese stattliche Gruppe verliert dieser Antriebstyp weder an Wert noch an Sympathie. Fazit: Der Diesel wird auf dem flachen Land weiterhin zum Straßenbild gehören.