Der Nationalpark Schwarzwald gilt als Prestigeprojekt der Grünen, das sich die baden-württembergische Landesregierung einiges kosten lässt: Allein der derzeit entstehende Neubau des architektonisch anspruchsvollen Besucher- und Informationszentrums am Ruhestein an der Schwarzwaldhochstraße kommt nach aktuellem Stand auf 44,7 Millionen Euro Baukosten – gegenüber ursprünglich veranschlagten 20,5 Millionen Euro. Dazu kommen laufende Personalkosten und Sachausgaben für den Nationalpark, 2019 sind dies rund zehn Millionen Euro. Der Neubau soll im Herbst 2020 eröffnen und dann rund 100 000 Besucher jährlich anlocken.

Besucherzahlen sind eingebrochen

Doch derzeit ist das mehr Wunsch als Wirklichkeit. Lockte in den ersten beiden Nationalparkjahren das Besucherzentrum noch rund 26 000 (2014) und 24 200 (2015) Besucher an, geht die Zahl seitdem zurück. Mit nur noch 15 623 Besuchern erreichte das Interesse im Jahr 2018 seinen vorläufigen Tiefpunkt. Dies geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der FDP-Landtagsfraktion hervor.

Millionen für den Nationalpark, aber nicht für das Landesgestüt?

Klaus Hoher, FDP-Landtagsfraktionssprecher für ländlichen Raum, kann nicht nachvollziehen, warum einerseits für das Prestigeprojekt Nationalpark so viel Geld in die Hand genommen wird, andererseits aber die Investitionspläne der CDU für das Landesgestüt in Marbach von den Grünen abgelehnt würden. „40 Millionen Euro für Marbach sind eine stolze Summe, aber das Gestüt ist auch ein Pferdesportzentrum von Weltruf und lockt jedes Jahr eine halbe Million Touristen in die Region“, sagt Hoher. „Mit Blick auf die Kosten des neuen Nationalpark-Besucherzentrums und die Besucherzahlen des alten Zentrums, die sich von 2014 bis 2018 fast halbiert haben, muss man fragen, warum die Grünen hier mit zweierlei Maß messen.“

Baustelle erschwert den Zugang

Aus Sicht der Nationalparks hat der Besucherrückgang im Infozentrum unterdessen klare Gründe: „Die Anfangsneugierde hat sich gelegt, dann hatten wir in den vergangenen zwei Jahren durch die Baustelle erschwerten Zugang. Und die Wechselausstellungen, die viele Besucher angelockt haben, sind aus Platzgründen weggefallen“, sagt Ursula Pütz, Leiterin der Besucherzentren. Das soll sich im Herbst 2020 mit der Eröffnung des neuen Zentrums schlagartig wieder ändern.

Der Nationalpark selbst aber ist gefragt: Im ersten Jahr seit Einrichtung des Zählschrankennetzes im Juni 2018 dürften es nach Schätzungen der Nationalparkverwaltung um die 600 000 Besucher gewesen sein.

Besucher schaffen neue Verkehrsprobleme

Sollte das neue Nationalparkzentrum 2020 der erhoffte Besuchermagnet werden, dürfte es am Ruhestein mit der Ruhe aber endgültig vorbei sein. Denn die meisten Besucher reisen mit dem eigenen Pkw an und sorgen schon jetzt auf der Schwarzwaldhochstraße und in der Region für ein Verkehrschaos. Die Politik hat das Problem immerhin auf dem Schirm: Am Freitag war der grüne Verkehrsminister Winfried Hermann vor Ort, um mit Vertretern von Gemeinden und Landkreisen rund um den Nationalpark über das geplante neue Verkehrskonzept zu sprechen.