Es geht um 100 Millionen Franken, schrieb das Handelsblatt am vergangenen Mittwoch. Forderungen in dieser Höhe bestehen gegenüber der Bayrischen Energieversorgungsgesellschaft (BEV), welche am 25. Januar Antrag auf Insolvenz in München stellte. Der Löwenanteil besteht aus geleisteten Vorauszahlungen der Kunden und zugesagten Boni.

Wie das Thurgauer Konkursamt nun bestätigte, hat die Tägerwiler Genie Holding AG am 18. Februar ebenfalls Konkurs angemeldet. Sie ist alleinige Gesellschafterin der BEV.

Noch hat das Konkursamt keinen Einblick in die Geschäfte der Genie Holding AG

Eine Befragung der Organe steht noch bevor, heißt es auf Anfrage. Inwieweit die Geschicke in Deutschland mit dem Mutterhaus zusammenhängen, ist also unklar. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass die Pleite des Tägerwiler Unternehmens eine schlechte Nachricht für alle BEV-Kunden bedeutet.

Die Aussichten der BEV-Gläubiger, ihr Geld zurückzuerhalten, rücken damit weiter gegen Null

Gemäß Auskunft des Sekretariats sind rund 50 Mitarbeiter in Tägerwilen beschäftigt. Viele von ihnen dürften ihren Wohnsitz in Deutschland haben, vermutet Tägerwilens Gemeindepräsident Markus Thalmann laut einem Bericht der Thurgauer Zeitung.

Mittlerweile ist am Standort niemand mehr zu erreichen. Wie wird es mit den Beschäftigten weitergehen? Haben Sie von den unsauberen Machenschaften in Deutschland gewusst? "War es ein Geniestreich? Oder ein riesiges Verlustgeschäft?", hatte der Schweizer "Blick" bereits Anfang Februar hämisch getitelt.

Keine nachhaltige Strategie

Die Geschäfte der BEV standen schon lange vor der Pleite in der Kritik von Verbraucherschützern. Mit Dumpingpreisen und hohen Bonusversprechungen hatte die BEV Kunden geködert, nur um dann ohne Vorwarnung die Preise massiv zu erhöhen. Viele kündigten und sprachen von Abzockerei.

Wie das Handelsblatt recherchierte, war es die letzte Kündigungswelle in Verbindung mit gestiegenen Strompreisen, welche den Energieversorger zum Einstürzen brachte. Im Dezember 2018 hatte die BEV gemäß Handelsblatt noch 600.000 Kunden. Als der Insolvenzantrag im Januar dieses Jahres gestellt wurde, seien es noch 345.000 gewesen.

Die BEV hingegen spricht von 250.000 Kunden. Viele Kunden sind mit Daueraufträgen in Vorleistung gegangen. Dass dieses Geld zurückgezahlt wird, ist unwahrscheinlich.

Allein die Menge an Beschwerden und Kündigungen war so hoch, dass die BEV-Angestellten mit dem Bearbeiten nicht mehr hinterherkamen. 140.000 unbeantwortete Mails und Briefe muss der Insolvenzverwalter nun sichten.

Welchen Anblick die Ermittler in Tägerwilen zu sehen bekommen werden, wird sich zeigen.

Dieser Artikel erschien am 21. Februar bereits in der Kreuzlinger Zeitung.