Es war kurz vor halb drei, da hatte Wolfgang Gedeon genug vom Polit-Rummel in der Landeshauptstadt. Der AfD-Abgeordnete aus dem Wahlkreis Singen-Stockach eilte zum Hauptbahnhof und stieg in den Zug, der ihn zurück in den Hegau brachte. Am Telefon gab er gegenüber unserer Redaktion Auskunft, warum er seinen Rücktritt aus der AfD-Fraktion erklärt hatte und wie es nun bei ihm weitergehen soll. „Ich habe mich aus freien Stücken zu diesem Schritt entschlossen“, sagte Gedeon. Er sei nicht gedrängt oder unter Druck gesetzt worden. Auch nicht im Gespräch mit der AfD-Chefin Frauke Petry, mit der er sich über die angespannte Lage in der Fraktion unterhalten habe.

Details des Gespräches wollte Gedeon nicht öffentlich wiedergeben oder kommentieren. Der 69-jährige frühere Mediziner, der seit seiner Pensionierung in Rielasingen lebt, legte aber Wert auf die Feststellung, dass er selbst die Reißleine gezogen habe, „um der Fraktion nicht weiter zu schaden“. Er sei in den Konflikt zwischen Petry und Landesfraktionschef Jörg Meuthen hineingezogen worden, das sei am Ende unausweichlich gewesen. Bei Meuthen sieht Gedeon zwischenzeitlich eine „Eskalationswut“.

Gedeon will selbst Mitglied der Partei bleiben. „Ich bleibe auf alle Fälle dabei“, bekräftigte er. Sein Landtagsmandat wolle er nun als fraktionsloser Abgeordneter weiterführen und in Stuttgart für den Wahlkreis Singen-Stockach arbeiten. Notfalls könne er auch ohne Fraktion im Landtag „zu jedem Thema drei Minuten sprechen“ – das habe er in den Landtagsregularien nachgeschlagen. „Das werde ich im Bedarfsfall nutzen“. Zur AfD-Fraktion wolle er weiterhin seine guten Kontakte halten. Gedeon sitzt nun als fraktionsloser Abgeordneter im Landtag. Rechtlich gesehen, muss der Abgeordnete lediglich gegenüber seiner Fraktion den Austritt erklären. Das ist geschehen. Gedeon muss jedoch, um am parlamentarischen Betrieb teilnehmen zu können, formal bei der Landtagsverwaltung Rederecht und andere Rechte für sich beantragen, sonst sitzt er stumm als Hinterbänkler im Plenarsaal.

Am Vortag hatte der Abgeordnete aus dem Hegau den Ausschlussantrag noch überstanden: Statt seiner verließen andere die Fraktion. Neun Kollegen schützten Gedeon. Spät am Abend trat der 69-Jährige dann mit ernster Miene vor die Medien, neben sich die Bundesvorsitzende Frauke Petry, hinter sich deren neuer Sprecher Markus Frohnmaier. Er werde die Fraktion verlassen, sagt Gedeon. „Dadurch verhindere ich auch eine Spaltung, die die Partei für einige Monate beschäftigen würde und das in einer absehbaren Nähe zur Bundestagswahl.“ Es sei nicht sinnvoll, der Partei das zuzumuten. Petry, weiße Bluse, Ringe unter den Augen, blickt zu Boden. Nach Informationen unserer Zeitung bedurfte es mehrerer Stunden guten Zuredens, bis Gedeon einsichtig war. Die Spaltung war zu diesem Zeitpunkt längst vollzogen.