Baden/Schweiz – Für den stolzen Industriestandort Baden war es ein schwarzer Donnerstag. Der US-Konzern General Electric (GE) gab bekannt, dass er am Schweizer Hauptsitz 1100 Stellen abbauen wird. Auf einen Schlag gehen vier Prozent aller Arbeitsplätze in Baden verloren (laut aktuellem Stand arbeiten 28 000 Menschen in der Stadt). Der Stadtrat zeigte sich "erschüttert" über den Stellenabbau, wie er in einem Communiqué mitteilte. "Der Stellenabbau ist für Baden ein harter Schlag. Die angespannte Energiemarktsituation und die damit weltweit verbundenen Restrukturierungsprogramme treffen nun auch Baden mit voller Wucht." Die Badener Regierung erwartet, dass die Entlassungen gemeinsam mit dem Kanton und der Stadt so sozialverträglich wie nur möglich erfolgen und den Betroffenen mit den bestmöglichen Bedingungen entgegengekommen wird.

Um 11 Uhr wurden die GE-Mitarbeiter ins Hauptgebäude bestellt, wo sie über den Stellenabbau informiert wurden. Einer von ihnen, Clemens Good aus Nussbaumen, sagte im Anschluss an den rund einstündigen Infoanlass: "Dass es zu einem Stellenabbau kommt, ist leider keine Überraschung. In Zeitungen war davon zu lesen. Unsere Branche befindet sich in einer sehr schwierigen Phase." Die Gesamtzahl sei aber schon sehr hoch. Neben den 1100 Stellen in Baden fallen weitere 250 Jobs in Birr und 50 Jobs in Oberentfelden weg. Welche Abteilungen – und welche Angestellten – konkret betroffen sind, ist unklar. "Das wird sich im neuen Jahr zeigen", sagte Good.

Der Badener Stadtammann Geri Müller ist sich sicher: "Der Stellenabbau wird Auswirkungen auf die Stadt und die Region haben. Für Restaurants, Läden und Kinos wird der Abbau spürbar sein. Das war auch vor zwei Jahren der Fall, als General Electric im ganzen Aargau 900 Stellen abbaute." In Baden habe es in der Vergangenheit schon mehrere Erdbeben mit Jobverlusten gegeben, beispielsweise in den 1980er Jahren beim Zusammenschluss von BBC und Asea zur ABB. "Immer wieder hat sich die Region erholt, und ich bin zuversichtlich, dass dies erneut gelingen wird", sagte der Stadtammann.

Schon vor vier Jahren habe der Stadtrat Maßnahmen ergriffen, um das Klumpenrisiko zu vermindern. Die drei größten Firmen in der Stadt – ABB, Axpo und General Electric – sowie auch Ansaldo und seit diesem Herbst Doosan sind in der Energiebranche tätig. Entsprechend sinken bei einer Depression in der Energiebranche die Steuereinnahmen für die Stadt. Vor zehn Jahren bezahlten die drei Großfirmen Aktiensteuern in Höhe von 23,92 Millionen Franken. 2016 betrug die Summe noch 5,3 Millionen Franken. Geri Müller: "Wir bemühen uns mit zunehmendem Erfolg, Firmen aus anderen Branchen anzulocken. In Dättwil hat sich bereits ein kleiner Cluster von Medizinaltechnologie-Firmen angesiedelt." Es handle sich bei diesem Cluster noch um ein Pflänzchen, das in den nächsten Jahren aber durchaus zu einer Pflanze anwachsen könnte.

Auch Michael Wicki von der City Com, der Innenstadt-Vereinigung der Detaillisten, ist überzeugt, dass der Stellenabbau weitreichende Folgen für Baden haben wird. "Er wird beispielsweise für Detaillisten mit Sicherheit spürbar sein."

Kritik üben die Gewerkschaften. Kurt Emmenegger, Regio-Leiter der Unia Aargau, war mit dabei, als GE die Mitarbeiter über den Stellenabbau informierte. "Es ist völlig unklar, in welchem Bereich wie viele Stellen gestrichen werden." Emmenegger bereitet es Sorge, "dass GE offenbar keine mittelfristige Strategie hat". Die Firma setze weiter auf Dampf- und Gasturbinen, obwohl diese Branche in einer Depression stecke. "Neue Ideen fehlen. Dass auch bei der Entwicklungsabteilung abgebaut wird, ist kein gutes Zeichen für die Zukunft. Darum befürchte ich, dass es in nicht allzu ferner Zukunft bereits die nächste Abbaurunde geben könnte." Es würde ihn nicht überraschen, wenn die Zahl der Mitarbeiter in Baden in den kommenden Jahren noch einmal radikal sinken würde. Er schätzt, dass aktuell rund 1500 bis 2000 Mitarbeiter in Baden angestellt sind. Jetzt ist klar: Bald werden es weniger als die Hälfte sein.