Richtig zufrieden klingen weder die Vertreter der Anrainerkommunen noch die Verbandsvertreter von Fahrgästen und Landesnaturschutzverband nach dem großen Gäubahn-Gipfel in Stuttgart-Böblingen.

Für sie stand vor allem die große Frage im Raum: Lässt sich noch verhindern, dass die Direktverbindung der Gäubahn an den Stuttgarter Hauptbahnhof, ob für Fernreisende in den ICEs über Singen und Zürich oder im Regionalverkehr für Tausende Pendler, ab 2025 für mehrere Jahre gekappt wird und alle Fahrgäste in einem Stuttgarter Vorort Richtung Hauptbahnhof umsteigen müssen?

Faktencheck soll Klarheit bringen

Das Ergebnis des Gipfels, zu dem Michael Theurer (FDP), der Schienenbeauftragte der Bundesregierung und Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, und Thorsten Krenz, Konzernbevollmächtigter der Bahn für den Südwesten gemeinsam rund 70 Beteiligte aller Ebenen vom Land über die Kommunen bis hin zu den Verbandsvertretern eingeladen hatten: Es wird zumindest geprüft.

Ein Faktencheck soll Klarheit bringen. Alle Optionen, die von den verschiedenen Seiten ins Spiel gebracht werden, sollen auf den Tisch. Pros und Contras, Machbarkeit und Kosten sollen untersucht werden – und erst, wenn die Fakten vorliegen, soll entschieden und eine Lösung gefunden werden, mit der alle Seiten halbwegs leben können.

Bild 1: Gäubahn-Gipfel: Gibt es doch noch Hoffnung für die Region?
Bild: Steller, Jessica

Und das sind viele: Bund, Bahn, Land, Stadt und Region Stuttgart, die Fahrgastverbände – dazu noch die Anrainerkommunen und Landkreise der Gäubahn, die jeweils wiederum unterschiedliche örtliche Interessen im Blick haben. Im kommenden Jahr soll eine Neuauflage der großen Gäubahn-Konferenz erste Ergebnisse auf den Tisch bringen.

Andere Töne als bislang

Theurer, selbst ehemaliger Oberbürgermeister der Anrainerkommune Horb, lobte den sachlichen, konstruktiven Austausch in der Konferenz und gab sich anschließend ergebnisoffen. Er räumte aber ein, wie schwer es werden dürfte, eine Direktverbindung mit möglichst kurzer Unterbrechungszeit zu erhalten. „Ich werde mich weiter für eine durchgängige Verbindung zum Stuttgarter Hauptbahnhof einsetzen“, sagte er.

Und auch Bahn-Bevollmächtigter Krenz, sagte zu, man werde prüfen, „ob es alternative Fahrplanszenarien gibt, um Reisenden auch während der Bauzeit umsteigefreie Verbindungen an den Stuttgarter Hauptbahnhof zu ermöglichen“.

Das sind zumindest andere Töne als bisher. Die Bahn wollte bisherigen Planungen zufolge alle Verbindungen am neuen Regionalbahnhof in Stuttgart-Vaihingen enden lassen, die weitere Strecke nach Stuttgart – die Panoramabahn – sollte abgehängt werden.

Umstieg in Vaihingen oder am neuen Nordhalt

Nach Beschluss des Stuttgart-21-Lenkungskreises vom Montag aber ist nicht nur die neue Anbindungsstrecke der Gäubahn zum Flughafen über den Pfaffensteigtunnel und dessen Finanzierung beschlossen, sondern auch die Weiterführung der Panoramabahnstrecke von Vaihingen nach Stuttgart hinunter beabsichtigt.

Eine neue Betreibergesellschaft soll diese übernehmen, die Strecke wird demnach nicht stillgelegt. Allerdings soll sie – so bislang die Beschlusslage – lediglich bis zu einem neuen Haltepunkt, dem Nordhalt, in der Nähe des Stuttgarter Nordbahnhofs weitergeführt werden.

Dieser muss noch gebaut werden. Für Gäubahn-Reisende hieße dies aber auch nur: Entweder in Stuttgart-Vaihingen umsteigen – oder aber am neuen Nordhalt, was deutlich unkomfortabler wäre, da mit einem längeren Fußmarsch verbunden.

Singens OB: Im günstigsten Fall sieben Jahre abgehängt

Für den Singener Oberbürgermeister Bernd Häusler ist zumindest mit dem klaren Bekenntnis von Bund und Bahn zum Bau des Pfaffensteigtunnels ein erster großer Schritt für eine künftige gute Anbindung der Gäubahn zum neuen Tiefbahnhof in Stuttgart gemacht. „Ebenso macht die Aussage von Herrn Krenz, dass die Bahn Böblingen und Singen auch künftig anfahren möchte, Hoffnung, dass wir in der Zukunft nicht vom Fernverkehr abgehängt werden“, sagte Häusler im Anschluss an die Konferenz.

„Enttäuschend ist aber, dass wir in der Interimszeit im günstigen Fall sieben Jahre, wohl eher mehr, von Stuttgart abgehängt werden. Hier gibt es bislang keine Antwort, die für uns befriedigend ist. Umstiege in Vaihingen oder am geplanten Nordhalt sind für uns weiterhin keine Alternative.“

„Das heute vorgestellte Konzept ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, dank teilweisem Erhalt der Panoramabahn“, sagt Stefan Frey vom Landesnaturschutzverband. Entscheidend sei nun die zumindest vorübergehende Weiterführung der Panoramabahn bis zum Hauptbahnhof. „Die hat Tag für Tag Bedeutung für Tausende Fahrgäste.“