Leute Peter Kraus: Der Hüftschwung klappt noch

Mit 75 will er es noch einmal wissen: Peter Kraus, bis heute ein Energiebündel, der sich mit Trampolinspringen fit hält, startet zu seiner letzten Tournee.

Kaum einer in seinem Alter legt einen so geschmeidigen Hüftschwung hin wie Peter Kraus. In dieser Disziplin hat der „einzig wahre deutsche Elvis“, wie er sich nennt, immerhin fast 60 Jahre Erfahrung. Am morgigen Dienstag kann er zum Geburtstagsständchen die Hüften kreisen lassen, dann wird Kraus 75 Jahre alt.

Zum 75. will es Peter Kraus noch einmal wissen. Der Altmeister des deutschen Rock'n'Roll geht demnächst auf große Tournee. „Das Beste kommt zum Schluss“ heißt deren Motto und verrät, was die Fans des Altrockers schon fürchteten: Es soll seine letzte große Tournee werden. Mit 75 Jahren will Kraus kürzer treten. Fortan wolle er sich mehr um anderes kümmern: das Malen, seine Oldtimer, seinen Weinberg in Österreich, Reisen und Sport.

Fast sein ganzes Leben lang steht Peter Siegfried Krausnecker, so sein vollständiger Name, schon im Rampenlicht. Das umtriebige Künstlerleben lernt der am 18. März 1939 in München geborene Kraus bei seinem Vater kennen, dem Schauspieler und Kabarettisten Fred Kraus. Der Vater ist ein Allrounder, so wie Peter Kraus es später selbst sein wird.

Zunächst aber ist Peter Kraus vor allem der wohl größte Mädchenschwarm der jungen Bundesrepublik. Öffentlich in Erscheinung tritt er erstmals 1953, als er als 14-Jähriger eine Filmrolle in Erich Kästners „Das fliegende Klassenzimmer“ ergattert. Drei Jahre später folgt der Durchbruch als Musiker. Bei einem Konzert in München darf der Teenager drei Rock'n'Roll-Lieder singen. Am nächsten Morgen, so heißt es, habe die Presse gejubelt: „Deutschland hat einen deutschen Elvis!“

In den Folgejahren kennt die Euphorie unter seinen Altersgenossen – und vor allem den Altersgenossinnen – keine Grenzen. Der Teenagerstar besingt auf den Bühnen sein „Sugar Baby“ und die Mädchen brechen in Weinkrämpfe aus. Kraus genießt das exzessive Leben, wie er der „Berliner Morgenpost“ verrät. „Ich war doch ein Teenager-Idol. Ich musste also keine Mädchen anmachen, weil ich angemacht wurde. Sex war unsere große Droge“, erinnert er sich. Grundlage für das ausschweifende Leben ist der immense berufliche Erfolg. In den ersten vier Jahren seiner Karriere verkauft Kraus nach eigenen Angaben rund drei Millionen Platten, ein Viertel von dem, was er insgesamt bisher verkaufte. Kraus macht Geld, lässt angeblich als 18-Jähriger schon drei Häuser bauen. Zur Musik kommt schnell wieder die Schauspielerei hinzu. Mehrfach dreht Kraus gemeinsame Filme mit Conny Froboess. Um Peter Kraus wird es Mitte der 60er Jahre ruhiger. Die Teenager jubeln mittlerweile den Beatles zu. Und Peter Kraus geht als Schauspieler zu den Wiener Kammerspielen. Auch die privaten Ausschweifungen enden. 1969 heiratet er das Fotomodell Ingrid Nieuweboer. Mit ihr ist er bis heute verheiratet. Beide haben einen Sohn. Seine Frau bringt außerdem eine Tochter mit in die Ehe.

Lange fern bleibt Peter Kraus den großen Bühnen nie. Anfang der 70er kehrt er schon wieder mit Shows und Filmen ins Fernsehen zurück. 1985 steht er für einen Film sogar noch einmal mit Froboess vor der Kamera. 2004 schließlich gibt er als Rock'n'Roll-Musiker sein Comeback. Kraus nimmt Alben auf, bestreitet Tourneen. 2006 erhält er den Musikpreis „Echo“ für sein Lebenswerk. Auch im fortgeschrittenen Alter gibt sich Peter Kraus rastlos. Mit Trampolinspringen hält er sich fit. Und selbst seine Abschiedstournee soll kein endgültiges Ende sein. „Mal ein kleines Konzertchen irgendwo“ sei weiterhin noch drin, sagt er. Aufs Altenteil setzen will sich Peter Kraus nach eigenem Bekunden aber längst noch nicht: erst dann, wenn es mit dem Hüftschwung nicht mehr klappt.

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