Leute Jannick Schümann will für Aufklärung sorgen

Schauspieler Jannick Schümann spielt im ARD-Film „Mein Sohn Helen“ (24. April, 20.15 Uhr) den 16-jährigen Finn, der nach einem Auslandsjahr in San Francisco beschließt, als Frau zu leben. Im Interview spricht Schümann über die Angst vor Unbekanntem und verrät, was er sich von „Mein Sohn Helen“ erhofft

Jannik Schümann spielt in „Mein Sohn Helen“ (heute, 20.15 Uhr, ARD) einen Jungen, der als Frau leben will. Er kämpft gegen die Angst vor dem Unbekannten

Herr Schümann, in Deutschland sind zuletzt viele Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Bildungsplänezu demonstrieren, die Schüler über sexuelle Vielfalt aufklären sollen. Wie erklären Sie sich diese Angst?

Der Mensch hat allgemein Angst vor dem Unbekannten, vor dem Anderssein und vor dem Fremden. Ich glaube, die meisten dieser Protestler sind einfach nicht richtig aufgeklärt und denken immer noch, dass man zum Transgender werden kann, nur weil man hört, dass es das gibt. Diese wirren Gedanken schwirren dann in den Köpfen von manchen besorgten Eltern umher.

In „Mein Sohn Helen“ spielen Sie den 16-jährigen Finn, der von einem Auslandsjahr als Helen wiederkommt und beschließt, als Frau zu leben. Wie haben Sie sich dem Thema genähert?

Ich habe die Biografie von Hannah Winkler gelesen. Sie kam als Dennis zur Welt und lebt heute mit Mitte 20 ein zufriedenes Leben als Frau. Doch ihr Weg dahin war sehr hart. Sie ist der Alkoholsucht verfallen, weil sie ihren Schmerz betäuben wollte. Sie durfte nicht mehr nach Hause und wurde in den Internaten, in denen sie gelebt hat, gemobbt. Die Menschen dort haben sie nicht akzeptiert. Wenn man so fühlt, muss man ja erst mal mit sich selbst zurechtkommen. Das ist schwierig genug. Wenn man dann auch noch von der Gesellschaft verstoßen wird, hat man ein großes Problem. Aus Angst vor den Reaktionen hat Hannah Winkler ihre echte Identität versteckt, ist aber immer wieder aufgeflogen. Das ist furchtbar.

Als Finn als Helen auftritt, reagiert sein Umfeld zunächst mit Unverständnis und Ablehnung. Inwiefern haben Sie Verständnis für diese Reaktionen?

Man wünscht sich natürlich, dass Toleranz in der Gesellschaft großgeschrieben wird, aber viele Menschen kommen nie in Berührung mit bestimmten Randgruppen, insofern sollte man diese Intoleranz in gewisser Weise auch tolerieren, weil man selbst sonst intolerant wird. Man sollte versuchen, diesen Menschen zu zeigen, dass das nichts mit falsch oder richtig zu tun hat, sondern mit einem angeborenen Gefühl.

Was war die größte Herausforderung?

Am schwierigsten war es, einen Mädchen-Typ zu kreieren, der nicht in die Travestie abrutscht. Ich wollte keinen verkleideten Jungen spielen, sondern wollte ein richtiges Mädchen darstellen. Das ist ein sehr schmaler Grat. Außerdem ist es sehr schwer, sich in das andere Geschlecht hineinzufühlen. Man kann die Beine übereinanderschlagen, doch das ist ja nur der Gestus. Aber wie fühlt ein Mädchen? Das kann ein Junge ja eigentlich gar nicht.

Kann der Film für die Akzeptanz von Transgender-Menschen sorgen?

Er kann vor allem für Aufklärung sorgen. Die Akzeptanz-Frage muss jeder für sich beantworten, aber der Film kann Leute auf diese Randgruppe aufmerksam machen. Ich möchte erreichen, dass sie darüber nachdenken, Helen vielleicht sympathisch finden, sie verstehen. Vielleicht freuen sie sich darüber, dass Helens Vater sein Kind akzeptiert und sehen ihn als Vorbild, wenn sie selbst einmal in so einer Situation sind oder einem Transgender gegenüberstehen. Das wäre schön.


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