Film Eva Mattes über das Ende des Bodensee-Tatorts: "Ich bin nicht traurig"

Im Interview erzählt Schauspielerin Eva Mattes, was sie nach 14 Jahren als Tatort-Kommissarin Klara Blum vermissen wird – und warum sie keinen Fernseher hat.

Frau Mattes, nach 14 Jahren sind Sie nun zum letzten Mal als „Tatort“-Kommissarin zu sehen. Sind Sie traurig, weil jetzt Schluss ist?

Als ich diesen wundervollen letzten „Tatort“ kürzlich bei den Hofer Filmtagen auf der Kinoleinwand sah, da habe ich schon einen kleinen Abschiedsschmerz gespürt. Aber eigentlich bin ich nicht traurig, denn es war mein eigener Wunsch, aufzuhören, für mich ist das Ganze eine abgeschlossene, runde Sache. Der Sender wollte auch aufhören, aber das wussten wir voneinander nicht, die Entscheidung hat jeder still für sich getroffen.

Was werden Sie an der Region vermissen?

Den Bodensee, das Wasser, diese Weite da unten. Wenn ich aus meinem Hotelzimmer sah, den See direkt zu meinen Füßen, und dann die Schweizer Berge im Hintergrund, das habe ich sehr gemocht. Der Balkon meines Hotelzimmers war eine meiner Lieblingsstellen in Konstanz, und dann der Weg, wenn man vom Hotel am Wasser entlang zur Imperia geht. Da kommt man durch diesen kleinen Park, und am Ufer stehen Bänke, dort haben wir oft gedreht. Linkerhand ist die Allee mit den schönen alten Häusern, wo wir auch oft gedreht haben, das war mein Lieblingsplatz.

Könnten Sie sich vorstellen, mal für einen Urlaub in die Region zurückzukehren?

Ich glaube kaum, denn ich mache zunehmend weniger Urlaub im Sinne von wegfahren. Ich bin beruflich so viel unterwegs, ich ziehe mich in meiner Freizeit lieber in Brandenburg zurück, da habe ich ein kleines Haus im Wald mit Garten, da ist es ganz still. Eigentlich wohne ich ja in einer Dachwohnung in Berlin-Kreuzberg, da ist es wunderbar bunt und lebendig. Man hört wirklich sehr viele Sprachen in Berlin, und das finde ich schon aus rein musikalischen Gründen sehr schön.

Haben Sie es in all den Jahren jemals bereut, „Tatort“-Kommissarin geworden zu sein?

Nein, das habe ich nie bereut. Klar, ich musste mich erst daran gewöhnen, dass ich in der Öffentlichkeit viel öfter erkannt werde als zuvor, dass die Leute auf mich zukommen und mich ansprechen. Aber ich fühle mich nicht belästigt, es bringt mir ja auch viel. Ich trete mit meinen musikalisch-literarischen Abenden überall in Deutschland auf, und da macht es sich sehr bemerkbar, dass ich den „Tatort“ gedreht habe. Die Säle sind voll, weil die Leute mich aus dem Fernsehen kennen und auch auf der Bühne sehen wollen. Das ist ganz wunderbar.

Wieso sagt Klara Blums Kollege Kai Perlmann, gespielt von Sebastian Bezzel, eigentlich Sie zu ihr, während sie ihn duzt?

Das müssen Sie eigentlich ihn fragen. Aber achten Sie aufs Finale des letzten Falls. Da sagt er in einer sehr dramatischen Szene: „Klara.“

Der letzte Konstanzer „Tatort“ ist ein Treffen der Fassbinder-Schauspielerinnen, neben Ihnen sind in Gastrollen Hanna Schygulla, Margit Carstensen und Irm Hermann zu sehen. Hatten Sie zuvor schon mal mit den drei Kolleginnen gedreht?

Da muss ich selber kurz überlegen – ja, doch. Ich habe in „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ sowohl mit Schygulla, Carstensen als auch Hermann gedreht. Das war mein erster Film mit Fassbinder. Wir Fassbinder-Musen freuen uns immer, wenn wir uns sehen. Eine Zeitlang war ich mit Irm ein bisschen befreundet, sie hat Kinder gekriegt, ich habe meine Tochter gekriegt, da habe ich sie öfter besucht. Und wenn Hanna Schygulla in Berlin ist, sehe ich sie auch regelmäßig.

Glauben Sie, dass Rainer Werner Fassbinder den Konstanzer „Tatort“ gemocht hätte? Er hatte ja Anfang der 70er Jahre selber eine eigene Idee für einen „Tatort“ im Bundesliga-Milieu, die aber nie realisiert wurde…

Sagen wir mal so: Ich weiß, dass er mich mochte. Und vielleicht hätte er dann ja auch den einen oder anderen Konstanzer „Tatort“ gemocht. Es waren überdies in den 14 Jahren ein paar sehr gute Filme dabei, also ich kann mir das schon vorstellen

Waren Ihnen selber die Klara-Blum-Krimis mit gesellschaftsrelevanten Themen am liebsten?

Ja, aber das hatten wir leider selten. Wir hatten meist private Mordgeschichten, sozusagen familiäre Morde, das entspricht in der Gegend soweit ich weiß ohnehin eher der Realität. Die ersten fünf Filme waren meine Lieblinge, später gab es immer wieder sehr gute. Ich mag sehr gern „Der schwedische Freund“ mit Peter Simonischek oder „Herz aus Eis“, das war der mit dem Elite-Internat.

Zu welchen Ufern brechen Sie nach der Ära als Tatort-Kommissarin auf?

Eigentlich verändert sich für mich gar nicht so viel, weil ich ja auch während der „Tatort“-Zeit weiterhin Theater gespielt habe, meine Hörbücher gesprochen habe, mit meinen Liederabenden durchs Land gefahren bin. Ich drehe einige Filme der ZDF-Reihe „Lena Lorenz“ in den Bergen, dort ist es landschaftlich auch sehr schön und ich darf Bayerisch reden, das macht mir Spaß. Der Rest wird sich zeigen, also ob sich andere Rollen fürs Fernsehen ergeben.

Ihre Nachfolger ermitteln nicht in Konstanz, sondern in und um Freiburg. Hat Harald Schmidt, der zu dem neuen Team gehört, sich mal bei Ihnen gemeldet und um Rat gefragt?

Ach nein, ich glaube, das kann Harald Schmidt selber beurteilen. Aber ich werde mir die Filme natürlich ansehen.

Sie selber sollen damals ja Katja Riemann und Ulrich Noethen gefragt haben, ob Sie das „Tatort“-Angebot annehmen sollen…

Das stimmt. Ich war immer sehr scheu, ich habe Fernsehen fast vermieden, denn früher war es so: Wenn man Fernsehen gemacht hat, konnte man keine Kinofilme mehr drehen, die Regisseure haben gesagt: „Du darfst Dich nicht so verbrauchen, man darf Dein Gesicht nicht so oft sehen.“ Ich wollte von meinen Kollegen, mit denen ich zu der Zeit gerade drehte, einfach wissen, wie sie das finden, und beide haben einhellig gesagt, dass sie das an meiner Stelle sofort machen würden.

Und wie ist Ihr Verhältnis zum Fernsehen heute?

Generell hat sich die Einstellung zum Fernsehen in der Branche geändert, es hat einen anderen Stellenwert bekommen, es laufen ja auch sehr gute Filme – dann und wann. Einen Fernseher habe ich aber nicht mehr. Ich habe meinen alten Kasten entsorgt und hatte weder Zeit noch Muße, mir einen neuen zu besorgen. Ich bin ja auch viel in Hotels und habe da immer einen Kasten vor dem Bett stehen, und zu Hause nutze ich das Internet oder Mediatheken.

Fragen: Cornelia Wystrichowski

Zur Person

Eva Mattes (61) stand schon als Schülerin vor der Kamera. Mit Rollen in Dramen wie „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ wurde sie zum Gesicht des Neuen Deutschen Films, am Theater war sie unter anderem in Inszenierungen des Bühnen-Provokateurs Peter Zadek zu sehen. Mit ihrer Rolle als „Tatort“-Kommissarin wurde die gebürtige Bayerin einem breiten Publikum bekannt. Ihr letzter Einsatz als Tatort-Kommissarin Klara Blum („Wofür es sich zu leben lohnt“) läuft am Sonntag um 20.15 Uhr in der ARD. (ski)

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Tatort am Bodensee: Seit 2002 ermittelt Eva Mattes als Kommissarin Klara Blum am Bodensee in ihrer Heimatstadt Konstanz. Ob Mord auf der Mainau oder grenzübergreifende Fälle - bei den SWR-Tatorten, die zwei Mal im Jahr ausgestrahlt werden, wird die Bodensee-Idylle in Frage gestellt. Hier gibt es alle Infos rund um den Bodensee-Tatort, aktuelle Rezensionen und Bilder von Dreharbeiten.
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