Wer sich für einen Gebrauchtwagen entscheidet, schaut meist erst einmal die einschlägigen Internetportale an, wo Tausende Wagen gelistet sind. Auf Portalen wie „Autoscout24“, „mobile.de“ oder „Ebay Kleinanzeigen“ kann jeder schnell fündig werden.

Auch Michael Schweda aus Konstanz sprang bei der Suche nach einem neuen Fahrzeug schnell ein Modell zu guten Konditionen ins Auge. Über E-Mail nahm er Kontakt zum Verkäufer auf. Schnell stellte sich heraus, dass das abgebildete Auto derzeit nicht, wie in der Annonce angegeben in Südbaden parkt, sondern in Dänemark. „Der Verkäufer hat mir aber versprochen, dass er das Auto nach Freiburg zur Ansicht bringt“, berichtet Schweda.

1000 Euro Anzahlung

Ein Termin wurde vereinbart. Doch einen Tag vor dem Treffen wünschte sich der Verkäufer plötzlich eine Anzahlung von 1000 Euro – als Sicherheit dafür, dass Schweda tatsächlich in Freiburg auftaucht. Das Geld sollte über Western Union geschickt werden, einen amerikanischen Anbieter für weltweiten Bargeldtransfer. „Das alles hat mich stutzig gemacht und ich habe den Termin abgesagt“, sagt Michael Schweda und ist froh über seine Entscheidung.

Denn wenige Tage später kam über mobile.de die Warnung, dass dort Betrüger mit genau dieser Masche versuchen, potenziellen Käufern Geld aus der Tasche zu ziehen. Das Portal rät, nie Geld, auch keine Anzahlung, auf ein Konto eines Bargeldtransfer-Services wie Western Union oder Money Gram zu überweisen. Der Grund: „Diese Services gehören ähnlich wie auch die Vorkasse zu den unsichersten Zahlungsmethoden, die es gibt“, sagt Ann-Katrin Zabel, E-Commerce-Expertin beim Europäischen Verbraucherzentrum in Kiel.

Am besten auf Rechnung

Ein Rückruf des Geldes ist bei Bargeldtransferdiensten wie Western Union nur so lange möglich, bis das Geld vom Empfänger abgeholt wurde. „Man kann danach nicht nachvollziehen, wo das Geld gelandet ist“, sagt Ann-Katrin Zabel. Sie rät, per Kreditkarte oder Kauf auf Rechnung zu bezahlen, weil es hier Wege gibt, das Geld zurückzuholen beziehungsweise man die Ware sieht, bevor man sie bezahlt.

Abzocke zu erkennen ist oft gar nicht so einfach. Auf was genau man achten sollte:

Susanne Michel aus Radolfzell weiß bis heute nicht, wie der Pferdesattel aussieht, den sie im Juli für ihre Tochter über das Portal Ebay Kleinanzeigen gekauft, aber nie erhalten hat. Auch sie hatte über E-Mail mit der Verkäuferin Kontakt. Auch hier stellte sich nach einem freundlichen Schriftwechsel heraus, dass die Sattel-Besitzerin inzwischen im Ausland wohnt, in Zaragoza in Spanien. „Die Lieferung sollte über eine Transportfirma ablaufen, an die ich auch das Geld für den Sattel zahlen sollte“, erzählt Susanne Michel.

Personalausweis ist wohl geklaut

Sobald der Sattel bei ihr sei, so schrieb die Verkäuferin namens Maria, dürfe dieser in Ruhe geprüft werden. „Falls er nicht der Beschreibung und unseren Vorstellungen entspricht, wurde mir auch das Recht eingeräumt, den Sattel kostenlos über das Transportunternehmen zurückzuschicken, das fand ich sehr fair“, sagt Susanne Michel. Da Maria ihr zudem eine Kopie ihres Personalausweises per Mail schickte, ließ sie sich auf das Geschäft ein und zahlte 460 Euro an die Transportfirma.

Die Kundin erhielt sogar eine Tracking-Nummer, die sich tatsächlich auf der Homepage einer (vermeintlichen) Transportfirma eingeben ließ. Es erschien die Meldung, das Paket sei unterwegs. Eine Google-Anfrage mit dem Namen des Logistikers führte jedoch zu einer Firma in Indien, die Luftfracht und Schiffscontainer versendet. Dort würde man nie einen Sattel von Spanien nach Deutschland liefern. Die Betrüger haben also einen fremden Firmennamen benutzt, um Seriosität vorzugaukeln.

Der Verkäufer schweigt

Und Maria antwortet auf keine E-Mail mehr. Ihr Account bei Ebay Kleinanzeigen wurde inzwischen gesperrt. „Jetzt ärgere ich mich natürlich sehr, dass ich mich auf so ein Geschäft eingelassen habe. Zumal die Online-Portale ja davor warnen, dass man die Ware am besten selbst abholen und erst dann bezahlen soll“, sagt Susanne Michel.

Fotos von Waren, Kopien von Ausweisen, Tracking-Nummern, Links zu Homepages: All das gaukelt Kunden vor, dass alles seinen rechten Weg geht. „Viele machen sich nicht klar, wie leicht sich solche Dinge fälschen lassen“, sagt Expertin Ann-Katrin Zabel. Vor allem, wenn die Spuren ins Ausland führen, wird es schwer, den Betrügern auf die Spur zu kommen. „Große Hoffnung, Geld wiederzubekommen, sollte man sich nicht machen.“

Traum-Wohnung zum Spottpreis

Betrüger machen sich im Netz inzwischen auch den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Uni-Städten zunutze. So stieß der SÜDKURIER-Mitarbeiter Matthias Helmke auf dem Portal wg-gesucht.de auf eine traumhafte Wohnung am Konstanzer Seerhein, die nur 575 Euro Miete kosten sollte. Ein Spottpreis.

Dem Konstanzer Matthias Helmke wurde eine Wohnung zu einem Miet-Tiefpreis angeboten. Gegen Vorauszahlung von zwei Monatsmieten. Helmke schöpfte schließlich Verdacht und ging zur Polizei.
Dem Konstanzer Matthias Helmke wurde eine Wohnung zu einem Miet-Tiefpreis angeboten. Gegen Vorauszahlung von zwei Monatsmieten. Helmke schöpfte schließlich Verdacht und ging zur Polizei. | Bild: Küster, Sebastian

Helmke ist so euphorisiert, dass er Kontakt zur angeblichen Vermieterin Marianne Z. aufnimmt. Die lebt in Dublin und mailt Helmke einen Personalausweis zu.

Wie sich später zeigt, wurde der Ausweis gestohlen und gehörte einer Frau aus Südbaden. Z. will Helmke den Wohnungsschlüssel schicken – gegen Zahlung von zwei Monatsmieten. Auch für die Möbel in der Wohnung wurde keine Ablöse verlangt.

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Helmke – inzwischen vorsichtig geworden – findet über eine Google-Bildersuche heraus, dass mit dem Bild der angeblichen Konstanzer Traumwohnung bereits in Hamburg eine Wohnung beworben wurde. Helmke erstattet Anzeige bei der Polizei. Die kann ihm allerdings keine großen Hoffnungen machen, dass die Kriminellen überführt werden.

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