Von Weitem wirkt das Haus in der Kreuzlinger Egelseestrasse unscheinbar. Tritt man jedoch näher, fallen die Sticker mit einem weißen „X“ auf schwarzem Grund auf, die an der Tür des ebenerdigen Kellergeschosses kleben. Daneben baumelt ein Wirtshausschild in Flaschenform im Wind. Wir stehen vor der Braustube des Vereins Xlinger.

Bild: Marcel Jud

Die Tür öffnet sich und heraus kommen Valentin Huber, Raphael Hugentobler und David Hauser. „Das ‚X‘ steht für das ‚Kreuz‘ in Kreuzlingen„, erklärt Valentin, der mit Freunden 2016 den Brauverein gegründet hat. „Unsere Ehefrauen und Freundinnen fanden, wir sollten in unserer Freizeit schlauere Sachen machen, als nur Bier miteinander zu trinken und etwa einem Verein beitreten. Also haben wir einen Brauverein gegründet“, erzählt der Oberstufenlehrer und Jurist lachend und lädt mit seinem Lehrerkollegen Raphael und dem Fotofachmann David zu einer ersten Kostprobe ihres Biers ein (auf unserem Bild von rechts).

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Nachdem der erste Durst gelöscht ist, geht es in den Braukeller. Hier schroten Raphael und Valentin schon einmal das Malz für ihr nächstes Bier vor. „Das Malz beziehen wir von Ireks“, erzählt Valentin. Das Mälzerei-Unternehmen hat seinen Hauptsitz im bayrischen Kulmbach. Echtes Schweizer Malz gibt es hier bisher nämlich nicht:

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Video: Marcel Jud

Nach dem Schroten steht jetzt eigentlich das Einmaischen an: Dabei wird das geschrotete Malz mit heißem Wasser vermengt. Dem schließen sich sogenannte Rasten an: Temperatur-Zeit-Einheiten, die jeweils die Umwandlung bestimmter Stoffe bewirken. Das Malz-Wasser-Gemisch wird bei jeder Rast auf 63 bis 75 Grad Celsius erhitzt, alle Rasten zusammen dauern circa zwei Stunden.

Die Maische muss dabei immer wieder gründlich gerührt werden. Bei unserem Besuch im Braukeller dampft der Kessel bereits und Valentin und David gehen zum nächsten Brauschritt über: Dem Läutern. Dabei wird die fertige Maische gesiebt, um sie in ihre flüssigen und festen Bestandteile zu trennen. Mit heißem Wasser – dem sogenannten Nachguss – wird die Maische noch etwas verdünnt und die verbleibenden Zuckerreste werden aus der festen Maische gespült.

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Während die Würze, der flüssige Bestandteil der Maische, weitere 60 Minuten gekocht wird, heben Valentin, Raphael und David die feste Maische aus dem Braukessel. „Daraus werden wir später Schnaps brennen“, erklärt Valentin.

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Jetzt wiegt Raphael Bitter- und Aromahopfen ab, die die Kreuzlinger Brauer aus Tettnang beziehen. Bitterhopfen gibt Raphael der Würze etwa zehn Minuten nach Kochbeginn bei.

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Der Bitterhopfen sorgt für den herben und bitteren Geschmack, Aromahopfen hingegen zeichnen sich durch verschiedene Aromen wie Zitrus oder Grapefruit aus. Sie werden der Würze in der Regel erst kurz vor Kochende beigemischt.

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Raphael führt in einem Protokoll genau Buch über die Rasten und wann welche Zutat beigegeben wird. „So stellen wir die Reproduzierbarkeit sicher“, erklärt er.

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Zwischendurch überprüft Raphael mithilfe eines sogenannten Refraktometers immer wieder den Zuckergehalt der Würze. Dazu lässt er aus dem Kessel einige Tropfen der Würze in das Gerät tropfen, hält es ins Licht und blickt durch eine Okular genannte Öffnung. Im Innern des Refraktometers kann er dann den Zuckergehalt in Grad Plato ablesen. Je höher der Zuckergehalt ist, desto höher wird später auch der Alkoholgehalt sein.

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Nach einer Stunde schließlich ist es fast so weit: Valentin und Raphael bereiten die Fässer vor, in die sie die Würze abfüllen. Sauberkeit hat oberste Priorität, damit keine Keime in die Würze gelangen.

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Und endlich kann die Würze in die bereitgestellten Fässer abgelassen werden. Nach dem Abfüllen werden die Fässer abgekühlt – auf circa 15 Grad für untergäriges und auf circa 19 Grad für obergäriges Bier.

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Nach der Abkühlung wird die Würze in neue Fässer gefüllt und die Hefe beigemischt. Die Kreuzlinger Brauer lassen die Würze nun zwei bis drei Tage gären. Während dieser Hauptgärung wandelt die Hefe den Zucker in Alkohol um. Dabei wird auch CO2 freigesetzt.

Ein spezieller, mit Wasser gefüllter Verschluss sorgt dafür, dass dieses entweichen kann. Zugleich zeigt eine Art Stöpsel, der im Wasserbad steckt, an, wie weit die Gärung bereits fortgeschritten ist: Durch das entweichende CO2 wird er angehoben.

Bild: Marcel Jud

Nach der Hauptgärung wird das Bier wiederum in neue Fässer gefüllt und einige Zeit gelagert. „Die anschließende Nachgärung dauert je nach Bier nochmals zehn bis 20 Tage“, erklärt Valentin. Bei dieser Reifung kann das Bier sein volles Aroma entfalten.

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Doch so lange können wir nun wirklich nicht warten. Deshalb öffnet Valentin ein bereits fertig gereiftes und in Flaschen abgefülltes Bier – und stößt mit uns an.

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Ihr Bier schenken die Kreuzlinger Braumeister bei Feiern in Kreuzlingen aus oder verkaufen es im lokalen Handel. Alles in allem sei es ein defizitäres Geschäft, betont Valentin: „Aber für uns steht klar der Spaß im Vordergrund – und ein Hobby wie Fischen wäre noch teurer.“

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